GTS-Projekt „Biomeiler“ startet: Biologie, Chemie und Physik zum Anfassen

Die Macht der Mikroben

Viele Beteiligte haben unterstützend dazu beigetragen, dass das Biomeiler-Projekt der GTS 2001 in die Tat umgesetzt wird. - Foto: hu

Syke - Von Frank Jaursch. Mächtig, aber ein bisschen unscheinbar kommt er daher, der neue Star in den Fachbereichen Biologie, Chemie und Technik bei der GTS 2001: Er besteht aus 20 Kubikmetern Hackschnitzeln, rund 100 Metern an Rohrleitungen einem stabilen Drahtzaun und jeder Menge Technik. Gestern wurde der neue, selbstgebaute Biomeiler der GTS 2001 auf dem Gelände des Syker Bauhofs präsentiert.

Schon seit etwa drei Jahren beschäftigen sich Schüler aus den drei Fachbereichen der Syker Hauptschule mit Realschulzweig mit der Frage „Was leistet ein Biomeiler zur natürlichen Wärmegewinnung?“. Doch etwas theoretisch zu bearbeiten, ist die eine Sache – es dann aber in Wirklichkeit umzusetzen, eine viel spannendere.

„Klar braucht man Lehrbücher, aber die praktische Anwendung bringt meist viel mehr“, findet auch Bürgermeisterin Suse Laue, die sich gestern den vor der Vollendung stehenden Biomeiler ansah – gemeinsam mit dem Ersten Stadtrat Thomas Kuchem sowie Vertretern der Schule und der fördernden Unternehmen.

Nicht nur die Stadt Syke trat bei dem ungewöhnlichen Projekt als Sponsor auf: Auch die Avacon half finanziell dabei, das 15 000-Euro-Abenteuer auf die Beine zu stellen. Und die AWG in Bassum stellte die Hackschnitzel, das Baumaterial für den überdimensionalen Komposthaufen, zur Verfügung.

Zusammenarbeit mit Gärtnerei Meyer

Aber was passiert nun eigentlich Spannendes in dem Biomeiler? Oberflächlich gesehen, nicht viel. Im Laufe der Lebenszeit von etwa 18  Monaten wird der Haufen in sich zusammensinken.

Aber im Inneren des Meilers toben die biologischen und chemischen Vorgänge nur so: Milliarden Mikroorganismen setzen einen natürlichen Verrottungsprozess in Gang, der nicht nur Biogas freisetzt, sondern auch für enorm hohe Hitze im Inneren sorgt.

Im Meiler herrschen im Idealfall Temperaturen von konstant um die 60 Grad. Die Umgebung erhitzt das Wasser in den spiralförmig eingearbeiteten Leitungen, die Wärme kann über ein isoliertes Rücklaufrohr abgezapft oder in einem Wärmetauscher gepuffert und später bei Bedarf wieder abgerufen werden.

Genial einfach – und einfach genial. Findet auch Werner Wordtmann, Fachbereichsleiter für Physik und Chemie an der GTS. Er ist der Ideengeber der Aktion gewesen. Der Biomeiler passe glänzend in das GTS-Leitwort „Nachhaltigkeit“: In Projekten und Laboren forschen die Schüler unter Anleitung der Lehrkräfte, um die Grenzen der natürlichen Ressourcen zu untersuchen – und um Lösungen für eine größere Nachhaltigkeit zu suchen.

Um einen Biomeiler sinnvoll einzusetzen, war aber noch ein passender Ort vonnöten. Ein Ort, der ganzjährig Wärmeenergie benötigt. Dabei half der Schule ein Zufall: Direkt neben dem Bauhof der Stadt hat die Gärtnerei Meyer ihre Gewächshäuser. Und da ist ein bisschen zusätzliche Energie immer willkommen.

Natürlich kann der Biomeiler den Energiebedarf nicht annähernd decken. Aber mit geschätzten vier Kilowatt speist er immerhin genug ein, um etwa ein Niedrigenergiehaus zu beheizen, veranschaulicht Hermann Karnebogen von der Avacon die Leistung.

Wenn alles gut läuft, liefert der mit der Meyerschen Heizung verbundene Biomeiler in drei Wochen die erste Energie. „Aber wir wollen natürlich was daran lernen, über Messtechniken, über den Stoffkreislauf oder den pH-Wert“, so Wordtmann. In den kommenden Monaten werden die GTS-Schüler immer wieder zum Biomeiler kommen und Untersuchungen vornehmen.

Für Thomas Kuchem ist die Umsetzung des Projekts eine lobenswerte Idee. Nicht zuletzt, weil hier die Zusammenarbeit zwischen Schule und Wirtschaft vorbildlich funktioniert. „Die Umsetzung ist für die Schüler auch ein bisschen eine Vorbereitung aufs Berufsleben“, sagt der Wirtschaftsförderer. Und für den einen oder anderen eine nachhaltige Erfahrung.

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