Luthers Spuren in unseren Breiten

13. Tagung „Geschichte in der Region“ im Kreismuseum: Zehn hochkarätige Vorträge

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Die Referenten der Tagung in der Remise des Kreismuseums. Auf dem Bild fehlt Historikerin Dr. Angelika Kroker. 

Syke - Von Dieter Niederheide. Die Reformation hat in hohem Maß auch die Region der Grafschaften Hoya und Diepholz beeinflusst. Das betonte Dr. Ralf Vogeding, Leiter des Kreismuseums, einleitend zur 13. Tagung „Geschichte in der Region“ auf der Diele des Kreismuseums.

In hochkarätigen Vorträgen legten Referenten aus verschiedenen Blickwinkeln die Auswirkungen der Reformation in den Regionen der Grafschaften Hoya und Diepholz dar. Jeder Vortrag für sich hätte vom Inhalt her einen ganzen Abend spannend ausfüllen können. Zu den Veranstaltern Kreismuseum, Bauernhausarchiv und Kreisheimatbund kam in diesem Jahr der Kirchenkreis Syke-Hoya hinzu.

Vogeding zeigte einleitend alte Bibeln aus dem Bestand des Kreismuseums und Fotos von Konfirmationen. Ulrike Tänzer, Leiterin des Heimatmuseums in Hoya, bekam anschließend Gelegenheit, die Ausstellung zu evangelischen Kirchen in Ostpreußen, die im Kreismuseum noch zu sehen ist, vorzustellen.

Dr. Angelika Kroker (Hannover) skizzierte unter dem Titel „Von Lückenbüßern und Lügenmäulern“, wie Martin Luther das Hochdeutsch neu erfand. Sie stellte den Reformator als sprachgewaltiges Genie dar, das die deutsche Sprache und die deutsche Identität tief geprägt habe. Von ihm stammten, so Kroker, Redensarten, die in den deutschen Sprachgebrauch übergegangen sind, wie zum Beispiel „Aus seinem Herzen keine Mördergrube machen“.

Ein von ihm und dem Martfelder Bernd Kunze entdecktes Geheimnis lüftete Bauernhaus-Forscher Heinz Riepshoff, als er im Duo mit Hartmut Bösche über das 1536 gebaute Pfarrhaus in Martfeld und seinen ersten Pastor Otto Honfelt berichtete. Riepshoff: „Es ist ein Haus im Haus.“ Bei einer Untersuchung waren er und Kunze auf Merkwürdigkeiten im Hallenhaus aufmerksam geworden. Sie fanden schließlich heraus: Etwa 200 Jahre nach der Errichtung sei um das Pfarrhaus herum ein Hallenhaus gebaut worden.

Dr. Herbert Bock (Diepholz) konzentrierte sich in seinem Referat auf die durch die Reformation indirekt ausgelösten wirtschaftlichen Veränderungen für die Region.

Pastor Dr. Thies Jarecki (Haßbergen) sprach über eine Eystruper Flugschriftensammlung rund um das 100-jährige Reformationsjubiläum 1617.

Pastor i.R. Herbert Köhler (Bassum) zeigte auf, wie die Reformation im Stift Bassum aufgenommen wurde. Äbtissin des Stiftes war damals Anna Frese. Und als der von dem neuen Glauben zu Ohren kam, war für sie klar: „Ohne mich!“ Sie blieb katholisch bis zu ihrem Tod 1541, und damit änderte sich auch nichts in der Bassumer Kirchengemeinde. Graf Jobst II. von Hoya setzte danach seine Tochter Margarethe als erste evangelische Äbtissin im Bassumer Stift ein. Schriftliche Zeugnisse über den genauen Hergang der Reformation in Stift und Stiftskirche seien nicht mehr vorhanden, so Köhler. Auch gräfliche Verordnungen zur Reformierung seien verloren gegangen.

Der Twistringer Heimatforscher und Autor Friedrich Kratzsch referierte schließlich über die evangelische Kirche im Kirchspiel Twistringen. Er wies unter anderem auf das Anwachsen der Gemeinden hin. Gab es 1698 in Twistringen ganze 112 Lutheraner bei 1946 Katholiken, so waren es 1985 1800 Lutheraner und rund 7500 Katholiken.

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