Zu Gast im Syker Gleis 1

Simon Pearce: „Ich bin eine Mischung aus Comedy und Kabarett“

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Ein Bayer in Syke: Simon Pearce tritt am kommenden Samstag im Gleis 1 auf.

Syke - Es ist ein „großartiges Finale“, sagt das Gleis 1 über den Abschluss der Comedy- und Kabarett-Saison.

Simon Pearce, Schauspieler sowie Synchronsprecher und vor allem Bayer hat sich für Samstag (20 Uhr) angekündigt. Wir fragen nach, was das Schöne an der Comedy im Vergleich zum Film ist und ob Pearce Druck verspürt – immerhin ist er der erste Bayer, der seinen Weg in das Gleis 1 findet. Die Fragen stellte Marc Lentvogt.

Moin.

Simon Pearce: Moinsen.

Herr Pearce, welches Programm präsentieren Sie in Syke, und warum ist es nicht das aktuelle?

Pearce: Ja richtig, ich komme mit „Allein unter Schwarzen“. Ich mag beide meine Programme. „Allein unter Schwarzen“ ist auch noch gar nicht so alt, aber in München habe ich es in einer Location 20-mal gespielt, da sagte der Veranstalter, es müsste mal was Neues her. In neuen Locations spiele ich immer das erste Programm. Die Leute sollen den ersten Simon kennenlernen.

Was erwartet die Gäste im Gleis 1?

Pearce: Eine kleine Reise durch mein Leben. Von der Geburt bis in die große Stadt nach München. Aufgrund meines Aussehens passieren mir absurde Sachen. Es geht viel um meine Mama, ich liebe sie sehr, auch wenn das nicht immer so erscheint. Es geht nicht nur um Rassismus, nicht nur um Fingerzeige. Ich erzähle einfach. Schon lustig, aber ich bin kein Comedian, der Punchlines abballert. Man kann auch zwei Minuten dasitzen und meinen Geschichten zuhören.

Sie werden der erste bayerische Künstler im Gleis 1 sein. Spüren Sie eine große Verantwortung?

Pearce: Wenn das der Söder hört, werd ich vielleicht noch mal eingewiesen. Toll, dass Sie das sagen. Das wusste ich gar nicht. Vielleicht zieh ich dann Lederhosen an. Oder bring Weißwürste mit. Irgendwas muss ich mir ausdenken.

Wir wissen jetzt, wen das Publikum erwarten darf, drehen wir die Frage einmal um: Welches Publikum erwarten Sie denn?

Pearce: Ich bin gerne im Norden. Man denkt immer, die Norddeutschen sind so verschlossen, aber wenn man aus Bayern ist, wirken alle Menschen fröhlich und freundlich auf einen.

Über die Ausrichtung der bayrischen Landespolitik wird derzeit gern gestritten. Besteht die Chance, dass Sie im Norden bleiben?

Pearce: Wenn die Leute ganz nett sind, zieh ich vielleicht in den Norden. Nee, es ist echt schlimm gerade. Aber ich wurde vor dem Polizeiaufgabengesetz von der Polizei schon immer als Gefährder angesehen, da ändert sich für mich nicht viel.

Vor einigen Jahren haben Sie einen offenen Brief an München und seine Bewohner geschrieben. Sie waren zuvor Opfer von Gewalt geworden, gehen auf diese Themen in ihrem Programm aber mit Humor ein. Wie schaffen Sie das?

Pearce: Manchmal denk’ ich mir nach Schiller: Es lohnt der Mühe nicht. Mein Leben ist schön, es geht mir sehr gut. Auch bei mir sitzen sicher Menschen im Programm, die AfD wählen. Die regen sich über irgendwas auf, aber denen kann ich ja zeigen, dass ich auch ganz normal und nett bin. Wenn ich Rechte nur schlecht und dumm nenne, komme ich nicht weit.

Zurück zur Kunst. Sie stehen vor der TV-Kamera und auf Theaterbühnen – was macht das Kabarett besonders?

Pearce: Das Schöne ist, dass es meine Geschichten sind. Die spiele ich so, wie ich das will. Mit Regisseuren stimmt man nicht immer überein. Ich steh’ gern auf der Bühne. Man hat die Menschen ein bis zwei Stunden für sich. Ich bin eine Mischung aus Comedy und Kabarett, bin nicht sonderlich politisch. Aber ich kann es etwas ruhiger werden lassen und mal aktuelle Situationen kommentieren – mit Humor und ohne, dass es aufdringlich wird.

Sich selbst spielen Sie am liebsten. Welche Rollen mögen sie gar nicht?

Pearce: Ich spiele oft Asylant, Drogendealer, Nazi-Opfer, aber mittlerweile wird es besser. Und auch das kann eine coole Rolle sein, wenn es nicht nur um das Klischee gibt. Es nervt etwas, aber ich reg mich nicht so viel auf. Man darf auch nicht immer alles auf die anderen, zum Beispiel die Regisseure, schieben. Vielleicht wäre ich schon Tatort-Kommissar, wenn ich gut genug wäre.

Für die Veranstaltung sind noch Karten in allen Vorverkaufsstellen von Nordwestticket, unter anderem dem Stadtbüro der Kreiszeitung, Hauptstraße 6, erhältlich.

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