Experimentelle Archäologie bringt Museumsbesuchern die Antike näher

Wie aus Luppen Eisen wurde

Per Blasebalg und Düsenziegel brachten die Schmiede in der Antike ihr Feuer auf die nötige Temperatur. - Foto: Heinfried Husmann

Syke - Von Heiner Büntemeyer. „Ich mach mal den Prometheus“, entschloss sich Klaus Haller, Archäologe aus Osnabrück, als sein Versuch, mit einem Feuerstein ein Feuer zu entzünden, nicht klappen wollte. Offenbar hatten die Menschen in der vorrömischen Eisenzeit – also etwa um 200 v. Chr. – mehr Geduld, wenn sie Feuer machen wollten. Oder einfach nur mehr Routine.

Das Prinzip funktionierte am Sonntag bei der Aktion „Heavy Metal“ im Kreismuseum auch sehr gut: Die Funken trafen auf den Zunder, der zu glimmen begann. Das darüber gelegte Heu brachte Haller aber nur zum Qualmen, nicht jedoch zum Durchzünden.

Aber mit einem Stückchen glühender Kohle und den beiden abwechselnd betätigten Blasebälgen flackerte dann doch sehr schnell ein Feuer auf. Die Luft aus den Blasebälgen strömte durch einen Düsenziegel in die Esse. Derartige Düsenziegel hat man laut Haller bei Grabungen in der ehemaligen Pfalz Werla gefunden. Er hat seinen nach diesen Vorbildern originalgetreu nachgebaut

In der Nacht zu Sonntag hatte Haller aus Lehm und Heu auch einen Rennofen gebaut, der aussah wie ein kleiner Schornstein. Unten hatte der Erbauer Luftschächte gelassen, durch die das Feuer Luft ansaugte. Über einen Blasebalg konnte Haller zusätzlich Luft zuführen. Entscheidend, um den Ofen auf die nötigen Temperaturen zu bringen, damit man darin Eisenerz schmelzen konnte.

Im Ofen lagen Kohle und Raseneisenerzschichten in mehreren Lagen übereinander. Das Raseneisenerz, auch als „Ortstein“ von den Landwirten gefürchtet, entwickelte sich in feuchten Regionen sehr schnell. Es besteht aus Eisenoxid und ist ein nachwachsender Rohstoff. Beim Verbrennen der Kohle entzieht das Kohlenmonoxid dem Eisenoxid den Sauerstoff und es bleibt Eisen übrig, das als „Luppen“ bezeichnet wird und geschmiedet werden kann. Verunreinigungen im Ortstein rinnen als Schlacke nach unten. Daher lautet der ursprüngliche Name dieses Ofens auch „Rinn-“ und nicht „Renneisenofen“.

Was aus den Luppen geschmiedet werden kann, zeigte Archäologiestudent Patrick Rust. Er machte am Sonntag zum Beispiel Pfeilspitzen und Bogenklingen, die als germanische Küchenmesser weit verbreitet waren. Sie wurden zunächst dreieckig geschmiedet und dann an einer Seite kräftig scharf gefeilt.

Ein anderer Aussteller informierte über das „Feuerschlagen“. Genau wie Klaus Haller verwendete er dazu Feuersteine und Zunder. Vielfach wurde der getrocknete Schwamm eines Baumpilzes als Zunder verwendet. Aber auch die getrockneten Samen des Rohrkolbens, des „Lampenputzers“, fangen sehr schnell Feuer. Um die Wirksamkeit zu verbessern, wurden diese flauschigen Samen häufig mit Salpeter angereichert, das häufig auf altem Mauerwerk ausblüht.

Die vielen Besucher konnten auch einem Bronzegießer bei der Arbeit zuschauen.

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