Buch von Ulf Kaack und Jürgen Kuhlmann

„Luftkrieg in der Region“ - Zeitzeugen im Landkreis berichten

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Jürgen Kuhlmann (l.) und Ulf Kaack präsentieren jetzt ihr gemeinsamen Buches„Luftkrieg in der Region“.

Landkreis Diepholz - Von Heiner Büntemeyer. „Luftkrieg in der Region“ lautet der Titel des Buches von Ulf Kaack und Jürgen Kuhlmann, das am Montag im Syker Rathaussaal vorgestellt wurde. Bürgermeisterin Suse Laue begrüßte zahlreiche Besucher, darunter auch Zeitzeugen, die jene Epoche als Kinder miterlebt hatten, über die das Buch berichtet.

Sie bedankte sich bei allen, die zum Entstehen dieses Buches beigetragen haben, in dem ein Teil unserer Geschichte aufgearbeitet worden ist.

Der stellvertretende Landrat Volker Meyer lobte die Autoren dafür, dass sie die Ereignisse knapp, sachlich, ohne Pathos und auf Grundlage akribischer Recherchen geschrieben haben, so dass die Inhalte auch für eine wissenschaftliche Arbeit verwendet werden können.

Anke Seidel, Chefreporterin der Kreiszeitung, führte als Moderatorin durch die Veranstaltung. Sie stellte die Teilnehmer einer Gesprächsrunde vor und erinnerte daran, dass gegenwärtig in der Welt 15 große Kriege geführt werden. In Deutschland sei der 2. Weltkrieg vor inzwischen 72 Jahren zu Ende gegangen, aber er habe auch in der Nachkriegsgeneration noch Spuren hinterlassen.

Sie gratulierte dem Autorenteam, das mit dem Buch einen Beitrag zum Frieden geleistet habe.

Eine Kladde weckte das Interesse

Eine kleine Kladde, in der der damalige Syker Polizist Otto Meierdieks Luftkriegsereignisse notiert hatte, hat Jürgen Kuhlmann nach eigener Aussage veranlasst, mehr darüber zu erfahren als nur die Daten. Sein früherer Lehrer Erich Rendigs hatte ihn für historische Ereignisse sensibel gemacht, deshalb machte er sich auf die Suche nach Zeitzeugen.

Was er dort an persönlichen Erinnerungen erfuhr, wäre wohl unter anderen Umständen nie an die Öffentlichkeit gelangt, obgleich es sich um dramatische und kaum vorstellbare Ereignisse handelt. „Es waren beeindruckende Geschichten“, so Kuhlmann, der sich nach 40 Interviews an Ulf Kaack wandte, um das umfangreiche Material aufzuarbeiten.

Ulf Kaack war fasziniert von den Geschichten, und beschloss, sich in Archiven um offizielle Details zu den Abstürzen und Namen von beteiligten Soldaten zu bemühen. Er sammelte Auskünfte über die Luftabwehr und die Logistik der Bomberverbände zu bekommen.

Abstürze für die Kreiszeitung aufbereitet

Diese Archivdaten kombinierten Kaack und Kuhlmann mit den Augenzeugenberichten. Zunächst wurden die Abstürze und Abschüsse für eine Kreiszeitungs-Serie aufbereitet. „Wichtig war uns eine neutrale Betrachtungsweise, denn es sollte auch ein Stück Versöhnung sein“, so Kaack. Anschließend wandten sie sich an „Printhaus“-Chef Edgar Fischer und präsentierten ihm zunächst die Kladde mit den Meierdierks -Aufzeichnungen. 

Der konfrontierte damit Herbert Hinrichs, einen alten Syker, der ihm am Tag darauf berichtete: „Ick hebb de ganze Nacht nich slapen, dat kööm allens wedder in mi hoch“. Damit stand für Edgar Fischer fest, dass aus der Serie ein Buch entstehen musste. Er suchte nach Sponsoren und war dabei auch erfolgreich.

Museumsleiter Dr. Ralf Vogeding hatte der Zeitungsserie zunächst zurückhaltend gegenübergestanden. „Was soll das?“ habe er sich gefragt, dann aber erkannt, welche Bedeutung die geschilderten Ereignisse für die Menschen der Region haben. Die neutrale und faktisch belegte Form der Darstellung hat ihn überzeugt. „Jetzt bin ich froh, dass dieses Buch erschienen ist“.

„Das Buch ist gerade in dieser Zeit wichtig“

Ähnlich äußerte sich auch der Vorsitzende des Kreisheimatbunds, Klaus-Dieter Löscher. Dieses Buch sei gerade in einer Zeit, in der versucht wird, die Geschichte umzudeuten, sehr wichtig.

Wilfried Wichmann kam es darauf an, fehlerhafte Details über den Flugzeugabsturz am 8. Oktober 1943 richtigzustellen. „Wenn darüber berichtet wird, dann soll das auch stimmen“, erklärte er und die Besucher hörten betroffen und ergriffen zu, als er stockend schilderte, wie eine Bombe sein Elternhaus traf und seine Mutter vor seinen Augen tötete.

Auch der Bericht von Hermann Ahrens, der im Februar 1945 Dresden hatte brennen sehen und die Folgen eines Bombenteppichs auf Dreye schilderte, machte viele Zuhörer sprachlos. Spontan regte Anke Seidel an, dieses Buch auch in den Schulen lesen zu lassen, und Edgar Fischer kündigte an, dass die mit der Buchpräsentation verbundene Ausstellung im Landkreis gezeigt wird.

Zuhörer äußern sich zu Ereignissen

Spontan äußerten sich anschließend mehrere Zuhörer, die eigene Erlebnisse aus jener Zeit schilderten. Sie wurden gebeten, mit den beiden Autoren ein Treffen zu vereinbaren, denn es ist geplant, zu diesem Thema weitere Bücher herauszugeben.

Das Buch „Luftkrieg in der Region“ erscheint im „Printhaus“-Verlag und ist in den Geschäftsstellen der Mediengruppe Kreiszeitung in Syke, Brinkum, Hoya, Diepholz, Sulingen, Wildeshausen, Verden, Achim und Rotenburg, in der Buchhandlung Schüttert in Syke, Kirchweyhe und Diepholz sowie im Syker Kreismuseum erhältlich. Es kostet 24,95 Euro.

Ein Reprint der Kladde des Polizisten Otto Meierdierks gibt es zum Preis von 5 Euro nur im Museumsshop in Syke.

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