Luftfahrthistoriker lokalisiert Bomber-Absturz von 1943 in Schorlingkamp

Ein Penny als Zeitzeuge

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Mit dem Metalldetektor unterwegs: Luftfahrthistoriker Volker Urbansky.

Gessel - Von Dieter Niederheide. Sieben Soldaten ließen bei einem Flugzeugabsturz in der Nacht des 30. März 1943 um 4.12Uhr auf einer Weide des Landwirts Glade am Schorlingkamp in Gessel ihr Leben. Sie waren die Besatzung des viermotorigen britischen Bombers vom Typ Short Stirling, Seriennummer BK 702, der im Tiefflug über Gessel von einer Salve aus einem Maschinengewehr getroffen und abgeschossen wurde – bedient von einem Unteroffizier der Suchscheinwerferstellung in Pestinghausen.

Die Beute der Suche mit dem Metalldetektor: Volker Urbansky fand unter anderem Reste der Aluminiumhaut des Bombers, ein Absperrventil und eine englische Ein-Penny-Münze.

Rund 120 Absturzstellen hat der Luftfahrthistoriker Volker Urbansky (Cloppenburg) bislang lokalisiert – von der Küste bis in den Raum Syke. In den vergangenen Wochen hat er seine aufwändigen Recherchen zum Bomberabsturz auf der Weide des Landwirts Glade abgeschlossen.

Dabei bat er Heimatforscher Ulrich Dannemann aus Heiligenfelde um Hilfe. Mit einem Metalldetektor suchten Urbansky und Dannemann die Absturzstelle ab – und wurden tatsächlich fündig. Im Boden gab es an 15 Stellen Signale, es wurden Reste der Aluminiumhaut des Bombers, Teile von Leitungsverbindungen, ein Absperrventil und eine englische Ein-Penny-Münze aus dem Erdreich geholt.

Eine wertvolle Hilfe bei der Suche war Helmuth Hinrichs (88) aus Pestinghausen. Er war gerade 16, als sich der Bomber in die Weide von Glades bohrte. Aufgrund von Hinrichs‘ Erinnerung gab es eine präzise Angabe zur Absturzstelle.

Unserer Zeitung sagte der Zeitzeuge aus Gessel, dass die Absturzstelle damals von einem Wehrmachtskommando aus Bremen-Huckelriede abgeschirmt wurde und niemand sich nähern durfte. Nur aus der Ferne sei erkennbar gewesen, dass das Heck aus dem Erdreich ragte.

Dass sieben Soldaten ihr Leben verloren, habe man nicht erfahren. Die Toten und die Teile des Flugzeugs seien mit Lastwagen einer Wehrmachtseinheit aus Bremen-Huckelriede abgeholt worden.

Die Nachforschungen des Luftfahrthistorikers ergaben, dass der englische Bomber am 29. März 1943 gegen 21.43 Uhr mit weiteren 328 Flugzeugen in England zum Angriff auf Berlin aufstieg. Die Heimatbasis war Downham Market (England). Insgesamt gingen damals, so Volker Urbansky, 21 Maschinen verloren.

Die Erforschung eines Flugzeugabsturzes ist zeitaufwändig, erklärt der Luftfahrthistoriker. Zunächst werden die deutschen und alliierten Abschusslisten herangezogen und ausgewertet. Dann gelte es, für den Abschussort nach einem Zeitzeugen zu suchen.

Den machte im vorliegenden Fall Ulrich Dannemann in Person von Helmuth Hinrichs ausfindig. Dannemann: „Es geht darum, den Absturzort genauestens zu lokalisieren.“ Das konnte Helmuth Hinrichs.

Im Fall des Bombers, der auf die Weide von Landwirt Glade am Schorlingkamp abstürzte, gab es die Genehmigungen zur Suche von Eigentümer Klaus Glade und dem Pächter Klaus Hüneke, die gemeinsam mit Helmuth Hinrichs die Sucharbeit mit dem Metalldetektor beobachteten.

Die gefallenen Soldaten wurden zunächst auf dem Waldfriedhof (damals Russenfriedhof) in Vechta beigesetzt und später umgebettet zur Kriegsgräberstätte (Sage War Cemetery) in Sage bei Großenkneten.

Für den Bereich der Stadt Syke geht Volker Urbansky von etwa zwölf Flugzeugabstürzen aus. Durch Mitwirkung von Zeitzeugen konnte der Luftfahrthistoriker die Flugzeugabstürze in Jardinghausen, Steimke und jetzt Schorlingkamp aufklären. Zur Zeit arbeitet er unter Mithilfe von Dannemann an einem Flugzeugabsturz bei Pestinghausen.

Für September haben sich Les Turnbull, der Sohn des gefallenen Co-Piloten, und die Enkeltochter Haylay Taylor, angesagt. Beide möchten den Ort aufsuchen, an dem ihr Vater und Großvater sein Leben ließ.

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