Ludwig Stöver blickt auf 44Jahre aktive Kommunalpolitik für Ristedt zurück

Vater der Dorfgemeinschaft

Nach 23 Jahren als Ortsbürgermeister gibt Ludwig Stöver das Steuer aus der Hand.
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Nach 23 Jahren als Ortsbürgermeister gibt Ludwig Stöver das Steuer aus der Hand.

Ristedt - Von Michael Walter. Es gibt Leute, deren Lebenslauf passt lückenlos auf eine Postkarte. Und es gibt Leute, bei denen weiß man gar nicht, wo man anfangen soll. Ludwig Stöver ist einer von dieser zweiten Kategorie.

Der 69-Jährige war in seiner beruflichen Karriere unter anderem Fahrlehrer, Zeitsoldat, Kfz-Meister und Leiter einer Wache der Bremer Berufsfeuerwehr. Er hat Bleche für die Außenhülle der Concorde entworfen und als Raumfahrttechniker bei Erno in Bremen den ersten Deutschen Satelliten zusammengeschweißt. Privat hat er sich seit seiner Jugend politisch engagiert. 1970 gehörte er zu den neun Mitbegründern des SPD-Ortsvereins Ristedt. Nach zuletzt 23 Jahren als Ortsbürgermeister hat Stöver jetzt dieses Ehrenamt aufgegeben.

Stöver ist ein waschechter Ristedter: 1945 wurde er dort auf dem Pachthof seiner Großeltern geboren. Schon relativ früh entdeckte er sein politisches Interesse: „1963 wurde in Ristedt das damals angeblich modernste Wasserwerk der Welt gebaut“, erzählt er. „Und ich war enttäuscht, dass der damalige Gemeinderat es nicht verstanden hatte, daraus für den damals noch politisch selbstständigen Ort in irgendeiner Form Kapital zu schlagen. Und wenn nur die Ristedter ihre Hausanschlüsse kostenlos bekommen hätten. Damals wurde der Wunsch in mir wach, solche Entwicklungen selbst mitzugestalten.“

Von links oder rechts, fortschrittlich oder konservativ hatte er damals praktisch keine Ahnung. „Meine Welt war der Sport, und Fußball war mein Leben“, sagt er. „Außerdem gab es damals in Ristedt noch überhaupt keine Parteien. Der Gemeinderat bestand aus einer verschworenen Clique von Landwirten, die der erzkonservativen Deutschen Partei nahe standen. Später hat man die alle bei der CDU wiedergefunden.“

In Kontakt mit der SPD kam Stöver in dieser Zeit durch den Bremer Kaufmann Otto Gerken, einem glühenden Verfechter der Sozialdemokratie. Über den Sportverein lernten beide kennen, und im Lauf vieler langer Diskussionen fand der junge Ludwig Stöver heraus, dass die SPD seinen persönlichen politischen Idealen am nächsten stand. Als Gerken 1970 den SPD-Ortsverein Ristedt gründete, war Stöver dabei. „Man hat uns Sozis damals im Dorf schief angekuckt“, erinnert er sich. „Als wir dann 1971 tatsächlich mit zwei Leuten in den Gemeinderat gewählt wurden, haben die anderen uns nur die kalte Schulter gezeigt. Wir sind auch privat richtig gemobbt worden!“

Ristedt sei damals eben eine einzige Cliquenwirtschaft gewesen und noch lange Zeit geblieben, sagt Stöver. Das sei erst mit seiner eigenen Wahl zum Ortsbürgermeister etwas anders geworden. „Schützen, Sportverein, Feuerwehr, Landwirte,… ich habe sie alle eingeladen und gedroht: Wer nicht kommt, kriegt auch kein Geld. Dann habe ich gesagt: Heute kommen alle gegenseitigen Vorwürfe offen auf den Tisch, und dann dürft ihr euch noch einmal so richtig in die Haare kriegen. Aber wenn wir das nächste Mal zusammenkommen, erwarte ich, dass wir als Team arbeiten! –Und das hat funktioniert.“

Ludwig Stöver ist keiner, der sich selbst über den grünen Klee lobt. Doch wenn man ihn nach den persönlichen Verdiensten seiner 23Jahre als Ortsbürgermeister fragt, sind der spürbar gewachsene Zusammenhalt im Dorf und das Ende der Cliquenwirtschaft seine ersten Antworten. Auch die Flurbereinigung und die Ausweisung von Bauplätzen an der Warwer Straße, in Sörhausen sowie im Ortskern seien richtige Entscheidungen gewesen.

Als Misserfolg wertet Stöver, dass es dem Ortsrat unter seiner Führung nicht gelungen sei, eine nennenswerte Infrastruktur im Dorf zu erhalten. „Damit meine ich nicht nur die geschlossene Sparkassenfiliale und fehlende Einkaufsmöglichkeiten. Wir haben ja praktisch überhaupt kein Gewerbe mehr im Ort.“

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