Eine Minute Sichtkontakt bei Syke

Lohnunternehmer berichtet von seiner Begegnung mit einem Wolf

Wolfssichtung in Heiligenfelde.

Syke - Von Ulf Kaack. Auge in Auge mit einem Wolf hat Stephan Siemer am Freitag vor eineinhalb Wochen gestanden. Wie berichtet fotografierte der Lohnunternehmer das Tier auf einem Acker in Syke im Ortsteil Hillersen.

„Ich hatte den Wolf bereits seit etwa 15 Minuten aus der Distanz wahrgenommen und meinen Kollegen informiert“, sagt Siemer. „Als ich an seinem Lkw andocken wollte, stand der Wolf in kurzer Entfernung vor uns. Mein Kollege saß ruckzuck wieder in seinem Fahrerhaus, während ich den Schieber des Güllefasses öffnete.“

Da habe der Wolf plötzlich etwa 15 Meter vor ihm gestanden. Der 23-Jährige blieb ruhig stehen. Eine knappe Minute hatten die beiden direkten Blickkontakt, dann sei der Wolf völlig entspannt und gemächlichen Schritts in östliche Richtung abgezogen und nahe eines Resthofs in einer Baumanpflanzung verschwunden.

Irrtum ausgeschlossen? „Mit Sicherheit“, sagt Siemer. „Ich komme vom Land, habe von Kindesbeinen an mit der Landwirtschaft zu tun und bin außerdem passionierter Jäger. Täglich bin ich in der Natur unterwegs und habe bereits Wölfe in Goldenstedt und in meiner Heimat in Visbek beobachtet. Bei dem Tier in Hillersen handelt es sich 100-prozentig um einen Wolf. Vermutlich um ein männliches Exemplar.“

Hegering-Leiter wenig überrascht

Wenig überrascht von der Sichtmeldung zeigt sich Hans-Hinrich Haartje, Leiter des Hegerings Syke und Revierpächter in Wachendorf: „Gerade vor vier Tagen habe ich bei uns im Revier ein gerissenes Stück Rehwild gefunden, bereits das dritte in diesem Jahr. Ihre leblosen Körper zeigten die typischen Merkmale einer Wolfsattacke.“ Und auch einen Wolf hat er kürzlich beobachtet. 30 Meter vor seinem Wohnzimmerfenster.

Auch in benachbarten Revieren wird zumindest der zeitweilige Aufenthalt eines oder mehrerer Wölfe vermutet. Dem Hegeringleiter liegen Sichtungsmeldungen aus den Revieren in Neubruchhausen und Jardinghausen vor. „Darüber hinaus beobachten wir Jäger bereits seit Längerem, dass sich das Rehwild ausgesprochen scheu, geradezu übervorsichtig verhält“, sagt Hans-Hinrich Haartje. „Erst spät verlässt es seine Einstände und ist häufig beim ersten Tageslicht wieder verschwunden. Sie fürchten etwas. Naheliegend der Gedanke, dass dahinter die Präsenz des Wolfes stecken könnte. Aber wie gesagt: Es gibt keinen Beweis, der einer Akzeptanz durch die zuständigen Behörden standhalten würde.“

„Aufmerksame Beobachter in unseren Revieren“

Befragt danach, wie die Syker Jäger auf diese neue Situation reagieren werden, antwortet Haartje gelassen: „Wir sind weiterhin als aufmerksame Beobachter in unseren Revieren unterwegs und werden die Landesregierung beim Wolfsmonitoring unterstützen. Die Tiere sind durch verschiedene nationale und internationale Gesetze geschützt und unterliegen nicht dem Jagdrecht. Den Jägern fällt ganz klar eine passive Rolle zu.“

Für den nächsten Schritt ist nun die Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN) zuständig, die vom Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz offiziell mit dem Wolfsmonitoring im Bundesland betraut wurde.

Wolfsbeauftragter im Interview:

Der Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft, Raoul Reding aus Hannover, hat die Fotos vom vermeintlichen Wolf gesehen und äußert sich in unserem Interview:

Herr Reding, wie sehen die nächsten Schritte in Sachen Wolfssichtung in Heiligenfelde aus?

Raoul Reding: Das abgebildete Tier werte ich anhand des Fotos einwandfrei als Wolfsnachweis im Sinne der nationalen Monitoring-Standards. Ich gebe es zusammen mit allen verfügbaren Daten weiter an das Umweltministerium und das für das Wildtiermanagement zuständige Wolfsbüro des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz.

Das Tier wurde am hellen Tag gesichtet. Wenige Hundert Meter von der B 6 entfernt, unmittelbar neben Trecker und Lkw, 15 Meter vis-à-vis zu einem Menschen. Ist das ein Problemwolf?

Reding: Dies festzulegen, liegt nicht bei uns. Niemand kann beantworten, ob der Wolf die sichtende Person vor den riesigen Fahrzeugen überhaupt als Mensch wahrgenommen hat. Aus verhaltensbiologischer Sicht kann diese Nähe am Menschen einmalig sein, muss es aber nicht. Man muss den Fall im Auge behalten. Eine entsprechende Einschätzung füge ich meiner Meldung an die zuständigen Stellen bei. Wichtig ist, dass wir von den Syker Bürgern bei weiteren Sichtungen umgehend informiert werden. Das geht am einfachsten über unsere Homepage www.wolfsmonitoring.com. Je mehr Meldungen, desto exakter das Profil der zu analysierenden Situation.

Wie sollen sich die Bürger bei einer Begegnung mit dem Wolf verhalten?

Reding: Bei einem Kontakt unbedingt ruhig verhalten und einen respektablen Abstand zu dem Tier halten. Dabei dem Wolf zeigen, dass man ihn wahrgenommen hat. Dann langsam Distanz zu ihm aufbauen und sich unter verhaltener Geräuschentwicklung entfernen. Keinesfalls weglaufen, auch nicht annähern – beispielsweise um ein Foto zu schießen. Und erst recht nicht anfüttern. Auch hierzu gibt es detaillierte Informationen auf unserer Homepage.

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