Putzen schon im Kindergarten

Löwenzähne – Aktion mit Biss

Mit diesem Logo wirb das Gesundheitsamt für die Aktion Löwenzähne. - Foto: Seidel

Syke - Von Anke Seidel. Es ist eine traurige Zahl: Fast jedes fünfte Kind im Landkreis Diepholz – exakt 17 Prozent – hat schon an seinem ersten Schultag auffallende Zahnprobleme. Karies & Co. bereiten den Jungen und Mädchen nicht nur viel zu oft Schmerzen, sondern lösen in den Folgejahren oft teure Behandlungskosten aus. Deshalb startet das Gesundheitsamt des Landkreises Diepholz jetzt die Aktion Löwenzähne. Das Ziel: Zahnerkrankungen rechtzeitig erkennen und im besten Fall verhüten. Landkreisweit.

Basis dafür ist ein Projekt, das im Süden des Landkreises schon seit drei Jahrzehnten Tradition hat. Seit dieser Zeit bietet der dortige Mundhygieneverein Süd die sogenannte Doppelkarten-Aktion an: Schüler der Klassen eins bis sechs erhalten diese Karten, um sie zum Besuch beim Zahnarzt zu motivieren.

Eine Karte geben sie an ihre Eltern weiter, die mit ihren Söhnen und Töchtern zur Vorsorgeuntersuchung zum Zahnarzt gehen. Die zweite Karte mit dem Befund schickt der Zahnarzt an das Gesundheitsamt. So können die Ärzte dort einen „Zahngesundheits-Atlas“ für den Landkreis Diepholz erstellen – wichtige Basis beispielsweise für Vorbeugeprojekte.

Vorteil für die teilnehmenden Klassen: Nehmen alle an der Aktion teil, bekommt die Schulklasse eine Prämie in Höhe von 60 Euro.

Die Aktion hat im Südkreis nicht nur Tradition, sondern ist offenbar auch sehr beliebt: Im vergangenen Schuljahr, so Dr. Julia Steitz-Matiszick als Ärztin im Gesundheitsamt, waren im Südkreis in allen sechs Klassenstufen insgesamt 4 448 Doppelkarten verteilt worden. Die Rücklaufquote von 3 703 Karten entspreche 83 Prozent.

Es darf ja durchaus auch was Süßes sein – danach aber das Zähneputzen nicht vergessen: v.l. Julia Steitz-Matiszick, Gerhard Kanne, Ralf Störk, Landrat Cord Bockhop und Luiko Gowers wollen gemeinsam dafür sorgen, dass schon Kinder möglichst gesunde Zähne haben. Deshalb haben sie die Aktion Löwenzähne landkreisweit ins Leben gerufen. (Nicht im Bild: Inga Grafe-Bulmahn) - Foto: Seidel

„Dieses erfolgreiche Projekt soll nun auch flächendeckend auf den nördlichen Teil des Landkreises Diepholz ausgeweitet werden“, erklärt Julia Steitz-Matiszick. „Wir beginnen in diesem Schuljahr mit allen Grundschulen in der Gemeinde Stuhr und Weyhe sowie der Stadt Syke. Dort werden wir zusätzlich etwa 4000 Schüler erreichen.“ Im nächsten Schuljahr werde die Aktion dann landkreisweit umgesetzt. Weil sie für den nördlichen Landkreis neu ist, werben die Akteure dafür mit dem Löwenzähne-Logo. Der Mundhygieneverein Nord unterstützt das Projekt nach Kräften. Die Klassenprämien zahlt der Landkreis – übrigens nicht nur für die 100-prozentige Klassenteilnahme. Auch bei 90 oder 80 Prozent Rücklauf soll es Geld für die Klassenkasse geben. Diese Prämien sollen jährlich „individuell festgesetzt und gemeinsam abgestimmt werden“, hieß es dazu.

Im Südkreis zahlen diese Prämien die gesetzlichen Krankenkassen. Deshalb saß bei der Präsentation der Löwenzähne-Aktion Ralf Störk von der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forst- und Gartenbau mit am Tisch im Kreishaus Syke.

Zwischen 7 000 und 8 000 Euro, so Störk, würden die gesetzlichen Krankenkassen alljährlich für die Aktion im Südkreis – sprich für die Klassenprämien – zahlen. Störk wünschte sich, dass „perspektivisch“ der Landkreis diese Kosten übernehme, weil er ja auch die Prämien im Nordkreis zahle.

Landrat Cord Bockhop dankte ausdrücklich für dieses Engagement. Die Summe an sich bewertete er nicht als großes Problem – wohl aber, gesundheitlich Vorbeugemaßnahmen aus Steuermitteln zu finanzieren. Das führe dann zu einer Ungleichheit, „wenn andere Landkreise diese Mittel nicht bereitstellen“.

Im Pressegespräch in Syke unterstrichen die Dr. Luiko Gowers als Vorsitzender des Mundhygienevereins Nord sowie sein Stellvertreter Dr. Gerhard Kanne und die Vorsitzende des Mundhygienevereins Süd, Inga Grafe-Bulmahn, gemeinsam die elementare Bedeutung des Zähneputzens – und zwar schon im Kindergarten. Denn dort kann ebenso spielerisch wie nachhaltig die Basis für Zahngesundheit geschaffen werden.

Dr. Gerhard Kanne bedauerte es allerdings, dass Zähneputzen bei weitem nicht in allen Kindergärten des Landkreises zum Alltag gehört – und wünschte sich, dass möglichst alle Mädchen und Jungen dort aber Tag für Tag das Zähneputzen üben – und eine Selbstverständlichkeit erlernen, die sie ihr Leben lang begleiten kann.

Landrat Cord Bockhop zeigte sich erstaunt darüber, dass genau diese Selbstverständlichkeit eben nicht zum täglichen Programm in vielen Kindergärten gehört – und er bot an, dieses wichtige Vorsorge-Thema mit allen Bürgermeistern im Landkreis zu erörtern, die sich einmal im Monat zu einer gemeinsamen Konferenz treffen.

Bereits Praxis in Kindergärten im Nordkreis: Die Reihenuntersuchung, bei der Zahnärzte die Zahngesundheit der Jungen und Mädchen im Kindergarten überprüfen. „Sie ist kostenlos“, betonte Dr. Kanne.

Und trotzdem nutzen bei weitem nicht alle Kindergärten diese Möglichkeit. Eltern hätten sich dagegen ausgesprochen, so erläuterte Luiko Gowers.

„Zähneputzen ist wichtig, Reihenuntersuchungen sind wichtig“, stellte der Landrat fest. Deshalb will er bei den Bürgermeistern für beides werben. „Aber die Entscheidung treffen natürlich die Kommunen“, fügte er hinzu.

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