Lockdown-Verlängerung

Viele Branchen trifft es hart: To-go-Angebote im Trend

Eine Branche im Ausnahmezustand: Vor allem mit To-go-Angeboten halten sich derzeit viele Restaurants wie etwa das Dillertal in Bruchhausen-Vilsen über Wasser. Auch andere Branchen haben längst das Außer-Haus-Geschäft als rettenden Strohhalm in der Krise erkannt.
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Eine Branche im Ausnahmezustand: Vor allem mit To-go-Angeboten halten sich derzeit viele Restaurants wie etwa das Dillertal in Bruchhausen-Vilsen über Wasser. Auch andere Branchen haben längst das Außer-Haus-Geschäft als rettenden Strohhalm in der Krise erkannt.

Deutschland steckt erneut im Lockdown – und der trifft vor allem jene besonders hart, die eh schon am Boden liegen. Wie geht es den Menschen in diesen Branchen? Restaurantbesitzer, Friseure, Einzelhändler - alle hoffen auf Lockerungen und sehen mit Sorge in die Zukunft.

  • Viele Branchen befinden sich im Ausnahmezustand
  • Die Zukunft ist to go - auch Abholangebote halten über Wasser
  • Die staatliche Förderung „rettet auch nicht alles“

Landkreis Diepholz – Als am 16. März vergangenen Jahres bundesweit Geschäfte und kurz darauf auch Restaurants schließen mussten, rechneten deren Betreiber mit dem Schlimmsten. Tausende meldeten Kurzarbeit an, die Regierung schnürte Rettungspakete. Zum Sommer dann entspannte sich die Lage. Es kehrte fast so etwas wie Normalität ein. Einschränkungen des öffentlichen Lebens wie im Frühjahr konnten sich die Wenigsten noch einmal vorstellen – auch viele Politiker nicht. Doch jetzt steckt Deutschland erneut im Lockdown – und der trifft vor allem jene besonders hart, die eh schon am Boden liegen. Wie geht es den Menschen in diesen Branchen?

Vanessa Pencereci von der Syker Boutique „Herrlichkeit“ hat aus der Not eine Tugend gemacht. Sie bietet eine Auswahl ihrer Waren in den Sozialen Medien an und erfährt dort viel Unterstützung. Die Kunden erhalten ihre bestellten Artikel dann entweder per Post oder sie kommen persönlich zum Abholen im Geschäft vorbei. Doch der Schein kann trügen. Die Situation aktuell sei „nicht annähernd vergleichbar“ mit der Zeit vor dem Lockdown, so die Syker Geschäftsinhaberin.

Syker Boutique-Besitzerin: „Kein Anspruch auf Hilfspakete“

Erst im September, mitten in der Corona-Pandemie, hatte sie ihr Geschäft eröffnet – weil sie Hoffnung hatte. Die Politik habe seinerzeit das positive Signal ausgesendet, so etwas wie einen Lockdown werde es nicht noch einmal geben, erklärt Pencereci. „Das hat mir Mut gemacht.“ Doch dann kamen die Entwicklungen Schlag auf Schlag. Jetzt muss die Sykerin erneut schauen, wie sie sich, ihr Geschäft und ihre zwei Aushilfen durch den Lockdown bringt. Das Problem: Anspruch auf Hilfspakete hat sie derzeit nicht. Als Gründerin fällt sie durchs Raster. „Damit hat keiner gerechnet“, blickt Pencereci auf die vergangenen Wochen zurück. Nach einem kurzen Zögern sagt sie, durch den Januar komme sie finanziell noch durch. Aber der Februar müsse Lockerungen mit sich bringen. „Da setze ich wirklich drauf.“

Eine Branche, die sich nicht mit To-go- und Abholangeboten über Wasser halten kann, sind die Fitnessstudios. Ihr Betrieb liegt derzeit komplett auf Eis. So auch beim Sauna- und Sportparadies in Diepholz. Die aktuellen Hilfspakete seien „wirklich bescheiden“, bemängelt eine Mitarbeiterin, und Geschäftsführer Pierre Wiedmann ergänzt, die Novemberhilfe sei immer noch nicht vollständig ausgezahlt worden.  Betriebswirtschaftlich plane das Unternehmen mit seinen 26 festangestellten Mitarbeitern derzeit mit einem Einnahmeausfall bis 31. März. „Danach wird es sehr unlustig“, so Wiedmann.

Fitnessstudio studiofünf: „Wir werden das überleben“

Optimistischer sieht die Lage Jannis Rochner vom Fitnessstudio „studiofünf“ in Sulingen. „Wir sind da eigentlich ganz gut aufgestellt“, berichtet er. Das 13 Mitarbeiter zählende Unternehmen könne gut auf seine Rücklagen und einen stabilen Gesellschafterkreis zurückgreifen. Wie lange die Reserven noch reichen, will er allerdings nicht sagen. „Wir werden das auf jeden Fall überleben“, ist er sich sicher. „Die Frage ist nur, in welcher Form.“

Vanessa Pencereci von der Syker Boutique „Herrlichkeit“ betreibt einen Abholservice. Ihr Schaufenster: WhatsApp, Instagram und Co.

Wilhelm Nordloh ist vom verlängerten Lockdown nicht überrascht. „Das geht mindestens bis in den Februar“, sagt der Vorsitzende des Kreisverbandes Diepholz-Sulingen vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). „Im November habe ich das schon kommen sehen“, meint der Betreiber des Landhauses Nordloh in Sulingen. Doch die Tatsache, dass die Lockdown-Verlängerung für den Dehoga nicht überraschend kommt, ändert nichts daran, dass Nordloh pessimistisch auf die kommenden Wochen schaut: „Es werden viele Pleiten kommen“, mutmaßt er. Da helfe es auch nicht, dass man sich zumindest gedanklich auf einen längeren Lockdown einstellen konnte. „Das macht keinen Unterschied“, sagt er. Dicht bleibe nun einmal dicht. Fraglich ist für den Vorsitzenden allerdings, „ob es das Richtige ist“, den Lockdown für Gaststätten zu verlängern. Verärgert zeigt sich Nordloh darüber, dass seit Beginn der Pandemie in verschiedenen Branchen mit zweierlei Maß gemessen werde. „Manche dürfen, andere nicht“, sagt Wilhelm Nordloh.

Friseur-Innung: „Friseursalons sind nachweislich keine Corona-Hotspots“

Der Friseur-Innung Diepholz bereitet der Entschluss Angela Merkels und der Ministerpräsidenten ebenfalls Kopfzerbrechen. Geschäftsführer Jens Leßmann sagt: „Die Einnahmen fallen weiter weg. Kurzarbeit kann auch nicht alles auffangen.“ Die staatliche Coronahilfe begrüße er, aber sie „rettet auch nicht alles“, meint er, „denn sie kommt erst spät zur Auszahlung.“ Die Zeit bis dahin gelte es zu überbrücken, was einige Friseur-Betriebe nach seiner Einschätzung nicht schaffen werden.

Was ihn besonders ärgert: „Friseursalons sind nachweislich keine Corona-Hotspots. Trotzdem dürfen wir nicht öffnen.“ Als Fass ohne Boden habe sich die Ausarbeitung und Umsetzung von Hygienekonzepten erwiesen. „In diesen Bereich haben die Betriebe viel Geld investiert“, sagt er. Geld, das die Salons im Prinzip nicht haben und trotzdem ausgaben – in der Hoffnung, ihre Arbeit unter Auflagen wieder aufnehmen zu dürfen. „Jetzt war das einfach umsonst“, sagt Jens Leßmann, weil auch für die Friseure der Lockdown verlängert werde.

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