Sissi Perlinger veranstaltet denkwürdige Nicht-Lesung

Literatur, nur ohne Buch

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Gegensätze auf der Bühne: Moderator Guido Schulenberg im Anzug und Sissi Perlinger im Leo sorgten am Montagabend für kurzweilige Unterhaltung im Saal der Kreissparkasse.

Syke - Von Frank Jaursch. Vorlesen? – Niemals! Entertainerin Sissi Perlinger machte am Montagabend schon früh klar, was ihr Publikum an diesem Abend definitiv NICHT von ihr erwarten konnte. „Ich seh es nicht ein, dass ich mich so statisch hinter einem Buch verstecke.“ Schließlich könne sie ihr Buch eh auswendig. „Ich spiel es einfach!“ Und so wurde aus der erwarteten Lesung im voll besetzten Konzertsaal der Kreissparkasse kurzerhand eine „Spielung“.

Aus diesem Grund bekamen die Zuschauer eine denkwürdige Folge der Reihe „Literatur vor Ort“ zu sehen. Denn auch wenn Sissi Perlinger für glänzende Unterhaltung sorgte: Um Literatur ging es an diesem Abend nicht mal ansatzweise.

Natürlich entstammten die Pointen in dem gut halbstündigen Comedy-Programm zu weiten Teilen ihrem Buch „Ich bleib dann mal jung“. Und natürlich hatte die quirlige Schauspielerin und Sängerin auch durchaus Botschaften jenseits des Primitivhumors zu vermitteln. Die literarische Qualität allerdings ließ sich nicht mit den Autoren der vergangenen Jahre vergleichen. Es gab halt nichts, was man zum Vergleich heranziehen konnte.

Das Altern als Dauerthema beleuchtete die 53-Jährige in vielfältiger Weise. Das Programm reichte vom eher flachen Wortwitz („Beißt nicht ins Gras, raucht es!“) über mögliche Sparpläne angesichts der Überalterung („Pürierstab statt Zahnersatz“) bis zu durchaus hintersinnigen Tipps wie „Jung sterben – aber so spät wie möglich!“.

Ihr Publikum amüsierte sich hörbar. Tatsächlich hat die Quirligkeit der Dame im Leoparden-Look, die sich auf der Bühne so offensichtlich wohl fühlt, etwas Ansteckendes. Kaum glaublich erscheint es, dass dieses Energiebündel vor einigen Jahren Burnout und Tinnitus bezwingen musste.

Wie ihr das gelang, wurde in dem noch kurzweiligeren Teil der Veranstaltung thematisiert: Vor der Nicht-Lesung nämlich bat Nordwestradio-Moderator Guido Schulenberg zum Gespräch mit Sissi. Und so saßen sie nebeneinander – der Radiomoderator im dunklen Anzug und die Diva im Leo. Ein Hauch von Jauch und Gottschalk.

Souverän bildete Schulenberg den ruhigen Gegenpart zum extrovertierten Stargast, ließ sich dabei durchaus auf die eine oder andere Albernheit ein. Und entlockte „der Sissi“ so manche Einzelheit aus ihrem Leben.

Sie plauderte über die vier Monate, die sie jedes Jahr in Goa verbringt („eine Mischung aus Kreativität und Arbeitslager“), über ihre Spiritualität („Ich rede täglich mit allen möglichen Göttern“) und über ihre extrovertierte Art („ich bin naturally stoned, bin wohl als Kind in so einen Trank gefallen“). Und natürlich über ihren Leo-Tic. „Der Leopard war schon immer in mir, irgendwann hab ich ihn rausgelassen“, berichtet Perlinger. Um ein paar Minuten später unvermittelt ihren Gesprächspartner zu fragen: „Warum tragen Sie eigentlich kein Leo?“

Irgendwann brach es aus Guido Schulenberg nur so heraus. „Hach, Frau Perlinger“, seufzte der Moderator auf der Bühne, „hätten wir uns nur früher kennengelernt!“ – „Dann hätten wir uns sicher gegenseitig befruchtet“, kam Perlingers Antwort wie aus der Pistole geschossen. „So weit“, ruderte Schulenberg zurück, „wollte ich eigentlich nicht gehen.“

Immerhin punktete der Moderator mit seinen Geschenken: einer Leo-Ente (echte Begeisterung bei Perlinger!) und einer Apotheken-Umschau (überschaubarer Enthusiasmus).

Und Sissi Perlinger blieb die Schluss-Weisheit vorbehalten: „Wenn wir ein bisschen bewusster leben, wird die Überalterung ein Segen für die Menschheit.“

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