Syke im Selbstversuch: Training für den Extrem-Hindernislauf „Tough Mudder“ beim Sport-Club Syke

Ans Limit für die Herausforderung

Mit viel Krafteinsatz und Dynamik geht es über die Turnkästen. Andreas Baumheier (l.) leitet die Trainingsgruppe und motiviert die Teilnehmer. Im Hintergrund wird an den Ringen fleißig gehangelt. Keine leichte Aufgabe. - Fotos: Husmann

Syke - Von Tobias Kortas. Verzweifelt versuche ich, das Seil hochzuklettern. Doch es will mir einfach nicht gelingen. Schließlich kommt mir Trainer Andreas Baumheier zur Hilfe. Er hält das Seil, an dem ich mich klammere, von unten fest. Auf diese Weise schaffe ich es mit geballter Muskelkraft bis ganz nach oben – nur um kurz darauf etwas unbeholfen und entkräftigt runterzurutschen und mir eine Stelle an meiner linken Hand aufzuscheuern.

Gerade läuft eine Trainingseinheit für den Extrem-Hindernislauf „Tough Mudder“, frei übersetzt zäher Matschläufer – und der Name ist Programm. Bekannt sind die Bilder von schlammbedeckten und gleichzeitig vor Freude strahlenden Menschen.

Was paradox klingt, ist die ultimative Herausforderung für Sportverrückte oder Menschen, die dem Alltag entfliehen, ihren inneren Schweinehund überwinden, und ihre Willensstärke sowie ihren Teamgeist auf eine besondere Probe stellen möchten. Denn die oberste Devise bei einem „Tough Mudder“ ist, dass sich alle Läufer gegenseitig helfen. Kein Teilnehmer wird von den anderen im Stich gelassen – die Streckenzeit spielt keine Rolle.

Auf einem Parcours in Länge von 16 bis 18 Kilometern geht es über vier Meter hohe Mauern und Rampen, ins eiskalte Wasser, unter Stacheldraht hindurch, an Feuer vorbei und vor allem durch viel Matsch. Unzählige Tonnen davon stehen während eines „Tough Mudders“ bereit. Am Ende des Extrem-Laufes müssen sich die entkräfteten Teilnehmer noch 10 000–Volt-Stromschlägen aussetzen.

Auf diese Kraft- und vor allem Mutprobe trainieren mehrere Syker Sportbegeisterte seit Oktober immer mittwochabends in der Gymnasiumhalle hin. Nach einem Aufwärmprogramm und einem Zirkeltraining bewältigen die Sportler mehrmals vier bis fünf dem Extrem-Lauf nachempfundene Hindernisse. Ihr Ziel: Der „Tough Mudder“ am 19. Juni in Arnsberg (Nordrhein-Westfalen).

Die Idee für die Teilnahme am „Matschlauf“ und eine organisierte Trainingsgruppe kam von der Erzieherin Heike Brunner. Schnell waren einige Mitstreiter gefunden. Andreas Baumheier, Vorsitzender des Sport-Clubs Syke, war damit einverstanden, die Gruppe zu trainieren.

Diesmal sind sechs Leute beim Training dabei. Zu motivierender Musik geht es an das Aufwärmen. Dabei stellen wir uns so richtig auf den kräftezehrenden Parcours ein. Doch bevor es so weit ist, absolvieren wir bei einem Zirkeltraining zweimal nacheinander sechs unterschiedliche Übungen.

Ein Probe-Laufen für den „Tough Mudder“

Ich fange damit an, meine Trizeps zu trainieren, indem ich mich mit meinen Händen an einer Turnbank hoch und runter drücke – ohne Schwierigkeiten. Auch die nächste Übung – den Körper in Rückenlage hoch und runter zu ziehen, während die Hände Turnringe umklammern – gelingt mir hervorragend. Doch schließlich machen sich meine unteren Bauchmuskeln schon beinahe schmerzhaft bemerkbar. Es ist ein einziges Ziehen im Bauch. Trotz einzelner Schwierigkeiten ist das Zirkeltraining aber ein Erfolgserlebnis für mich.

Ohne Fleiß kein „Tough Mudder“: Mit Heike Brunner, sie hatte die Idee für die Gruppe, beim Bizeps-Training.

Doch mein innerer Triumph soll nicht sehr lange währen. Denn jetzt geht es ans Eingemachte. Ein Parcours aus Seilklettern, Hangeln an Ringen, Klettern oder Springen über vier kinnhohe Turnkästen und Robben über drei in einer Reihe stehende Turnbänke will bewältigt werden. In 15 Minuten gilt es, möglichst oft durch den Parcours zu kommen. Das kommt einem „Tough Mudder“ zwar nicht bei weitem nahe, ist aber allemal eine Herausforderung und eine hervorragende Vorbereitung auf einige Hindernisse beim Extrem-Lauf.

Am Seil habe ich nur mäßigen Erfolg. An den Ringen erst recht. Das Schwingen von einem Ring zum nächsten ist nicht so einfach, wie es zunächst von außen ausgesehen hat. Anscheinend fehlt mir das Tarzan-Gen. Einige Male falle ich herunter. Aber am Ende gelingt mir das Hangeln zumindest im Ansatz mit viel Muskeleinsatz und Konzentration.

Über die vier Turnkästen zu klettern, ist dagegen eine leichte Übung für mich. Nach Sprüngen im Anlauf gleite ich geradezu darüber hinweg. Auch das Robben über die Turnbänke ist genau meine Sache. Ich lege ein recht hohes Tempo vor.

Nach dem Training bin ich entkräftet – aber auch glücklich. Schon das Üben für einen „Tough Mudder“ setzt bei mir Endorphine frei. Wie muss es dann beim Extrem-Hindernislauf durch Matsch, an Feuer vorbei und zahlreichen weiteren Herausforderungen selbst aussehen?

Das Hallentraining allein ist quasi nur die halbe Miete für die Veranstaltung. Die Mitglieder der Trainingsgruppe beteiligen sich gleichzeitig an einem Lauftreff im Friedeholz. Wie gut die Vorbereitung ist, wird sich dann am 19. Juni in Arnsberg zeigen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Tourbus unter dem Hammer: Reisen wie einst die Kelly Family

Tourbus unter dem Hammer: Reisen wie einst die Kelly Family

Personaler verraten: So sieht der perfekte Bewerber aus

Personaler verraten: So sieht der perfekte Bewerber aus

„Lenna” im Kurpark

„Lenna” im Kurpark

Diese Fehler beim Wiegen passieren auch Ihnen

Diese Fehler beim Wiegen passieren auch Ihnen

Meistgelesene Artikel

Philip Sander löst Simon Hammann als Schützenkönig von Twistringen ab

Philip Sander löst Simon Hammann als Schützenkönig von Twistringen ab

Sanitär-Firma Waßmann: Insolvenz

Sanitär-Firma Waßmann: Insolvenz

Neues Königspaar in Twistringen gekürt

Neues Königspaar in Twistringen gekürt

Twistringer Schützen erleben Marathon der Glückseligkeit

Twistringer Schützen erleben Marathon der Glückseligkeit

Kommentare