Maritimes Flair im Theatern

Liederfest des Nordens: Platt ist eben nicht gleich Platt

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Der Shanty-Chor Brinkum füllt nicht nur die Bühne, sondern auch den Theaterraum mit kraftvollen Stimmen aus. Der Auftritt der Formation war ein Höhepunkt beim „Liederfest des Nordens“.

Syke - Von Anika Bokelmann. Lieder über das platte Land, in plattdeutscher Sprache, von Bewohnern des platten Landes, aber sicherlich nicht platt, sondern vielmehr tiefgründig bis heiter bekamen die Gäste im Syker Theater am Sonntag auf die Ohren. Zum Gelingen des abwechslungsreichen Liedernachmittags unter dem Titel „Liederfest des Nordens“ trugen vier Gruppen bei, die Geschichten von der See, der Sehnsucht nach Heimat und dem Meer als Therapie gegen den Blues mitgebracht hatten.

Nach der Begrüßung durch Moderator Kurt Grieme eröffnete Jan Cornelius mit seinem Dreeklang-Ensemble in Person von Christa Ehrig (Kontrabass) und Klaus Hagemann (Gitarre) den Liederreigen und entführte die Männer und Frauen an „Mien Stroom“, also die Elbe. Aufgrund seines emsländischen Plattdeutsches hatten zahlreiche Besucher jedoch Schwierigkeiten, die Lieder zu verstehen. Die sehnsuchtsvollen und ruhigen Klänge von „Barnsteen“, das auf ein Erlebnis auf der Insel Juist zurückgeht wie Cornelius berichtete, und „Drömweltsöker“, das mit einem melodischen Pfeifkonzert des ostfriesischen Liedermachers endete, kamen dennoch an.

In der kurzen Umbauphase gab Moderator Grieme Hinweise auf eine Gemeinsamkeit, die Jan Cornelius und den Headliner des Nachmittags, die Gruppe Godewind, verbindet. Des Rätsels Lösung sollte mit einem CD-Paket belohnt werden, rief der Syker Kulturschaffende zum Mitraten auf. Heike Bockelmann aus Oyten kam als Erste auf die richtige Antwort: Beide sind Preisträger des Heinrich-Schmidt-Barrien-Preises. Dieser wird an Personen und Institutionen verliehen, die sich um die niederdeutsche Sprache bemühen.

Voll wurde es auf der Bühne, als sich der Brinkumer Shanty-Chor im Scheinwerferlicht formierte. Rund 30 Sänger boten in ihrer weißen Kleidung mit dem roten Halstuch ein beeindruckendes Bild und füllten den Theatersaal mit kraftvollen Stimmen. Die Gäste lauschten deutschen Seemannsliedern im nun vertrauten Plattdeutsch und ließen sich zum Klatschen hinreißen. Die Lokalmatadoren brachten mit ihrem Medley bekannter Lieder wie „Wir lagen vor Madagaskar“, „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern“ und „Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise“ norddeutsches Flair nach Syke.

In Gummistiefeln auf der Bühne

In der Pause entpuppten sich die Akteure des Liederfestes als Stars zum Anfassen. Sie mischten sich unter die Gäste, die im Foyer Kaffee und Kuchen genossen, und erzählten von ihren Erlebnissen. So verriet ein Mitglied des Brinkumer Shanty-Chores, dass er selbst noch Probleme mit Plattdeutsch habe. „Ich lerne die Liedtexte einfach auswendig.“ Das halte jung und sei ein schöner Zeitvertreib.

Eine angenehme Zeit bescherte auch Tina Härtel mit ihrem Pianisten Jens Buntemeyer. „Ein wenig kotterig ist mir“, meinte die sympathische Frau aus Delmenhorst zu Beginn. Schließlich dürfe sie als Vorband für Godewind auftreten. Die Nervosität war dann aber schnell verflogen, als Härtel ihre Lieder anstimmte. Zwischendurch lüftete sie noch das Geheimnis um ihr Outfit – auffällig rote Gummistiefel: „Ich möchte authentisch sein. Und mit Pumps geht man nicht ins Watt.“ Im „Hafencafé“, so der Titel eines ihrer Stücke, kann man das Schuhwerk aber sicher tragen.

Die langjährige Bühnenerfahrung schwang schließlich bei der letzten Gruppe des Nachmittags mit. Professionell und souverän zeigte sich Godewind, längst eine feste Größe beim Liederfest des Nordens in Syke. Die Band mit Sängerin Anja Bublitz, Band-Mitbegründer Shanger Ohl, Heiko Reese und Sven Zimmermann verliehen dem Nachmittag eine schwungvolle Note zum Abschluss. Temporeich und mitreißend trugen sie eine Mischung aus ihrem Repertoire vor, darunter „Keener hett mi richtig leev“, der Klassiker „Regenbogenkinder“ und mehr.

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