Vögel gegen die Kastanienminiermotte

Letzte Rettung: Kohl- und Blaumeisen

Die Blaumeise als Retter der Kastanie: Sie landet in Gruppen auf einem Baum und sucht Blatt für Blatt ab, bis sie sich an den Larven der Minirmotte sattgegessen hat. - Foto: dpa

Syke - Von Robin Grulke. Sie kam vom Balkan über Bayern nach Syke und färbt die Blätter von heimischen Kastanien vorschnell braun: „Die Kastanienminiermotte ist ein Problem“, sagt Suse Laue. Sykes Bürgermeisterin ist um die kräftigen Bäume besorgt, die Straßen, Parks und Vorgärten gleichermaßen prägen. Glücklicherweise hat sie mit Baumpfleger Thomas Niebuhr einen Experten zur Hand, der weiß: Kohl- und Blaumeisen sind das beste Gegenmittel.

Deswegen hat er seit 2013 insgesamt 56 Nistkästen in der ganzen Stadt verteilt. Mittlerweile läuft das Projekt also seit einigen Jahren, und Niebuhr ist überzeugt: „Das funktioniert!“

Den Tipp hatte der Baumbeauftragte der Stadt Syke vor vier Jahren auf einer Fortbildung bekommen. In Bayern kannte man das Problem bereits, das sich von Süd-Ost- nach Westeuropa und von Süd- nach Norddeutschland ausgebreitet hat.

Die Kastanien, die normalerweise bis in den frühen Herbst mit kräftig grünen Blättern punkteten, wurden dort bereits Ende Juni braun. Der Grund dafür war und ist das Auftreten der Rosskastanienminiermotte, die ihre Eier auf den Blättern des Baumes ablegt.

Motte saugt Blättern Saft aus 

Wenn eine Larve schlüpft, bahnt sie sich ihren Weg ins Blattinnere, wo sie dessen Saft aufsaugt, Pflanzengewebe frisst und schließlich die Wasserzufuhr unterbricht. Die Blätter werden braun und sterben ab, ehe die Larve aus ihrem Kokon als Miniermotte flattert, um ein neues Blatt mit ihren Eiern zu belegen.

Um der Plage Herr zu werden, hat die Pestizid-Industrie reagiert und unterschiedliche Produkte auf den Markt gebracht. Damit der Baum aber bei bester Gesundheit bleibt, „braucht es den natürlichen Schutz“, erzählt Niebuhr. Für ihn sind synthetische Mittel keine Lösung. Niebuhr bevorzugt Kohl- und Blaumeisen.

Meisen fressen Larven 

Die wurden nämlich wiederholt dabei beobachtet, wie sie zu bestimmten Zeiten in größeren Trupps die Kastanien Blatt für Blatt absuchen, um die Larven zu fressen. Bei den Bäumen, in denen sich die Meisen bedienen, hält sich der Befall soweit in Grenzen, dass Blätter zwar die typischen Fraßspuren aufweisen, ansonsten aber grün bleiben.

Nun gibt es neben städtischen Bäumen auch allerhand private. Bürgermeisterin Suse Laue appelliert an deren Besitzer, sich Nistkästen für Blau- und Kohlmeisen zuzulegen. So könne eine weitere Ausbreitung der Motten unterbunden werden. Thomas Niebuhr rät außerdem, Laub von Kastanien nicht zu kompostieren, sondern zu verbrennen. Nur so könne man sicher sein, dass die Larven der Kastanienmeniermotte nicht zuschlagen, nachdem sie im Laub überwintert haben.

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