Das Ende der Jugendpräventionsarbeit in Barrien

Letzte Gnadenfrist für Barrier Butze: Spätestens in zwei Jahren ist Schluss

+
Hans Göbel schraubt an einem alten Fahrrad. Sein Ruhestand dürfte aller Voraussicht nach auch das Ende der Jugendprävention in der Barrier Butze bedeuten.

Barrien - Von Heiner Büntemeyer und Michael Walter. Hans Göbel ist selbst ein wenig erstaunt darüber: Seit 20 Jahren leitet er inzwischen die Barrier Butze. Grund zum Feiern sieht er darin nicht. Göbel ist frustriert. Denn er weiß: Geht er in den Ruhestand, ist es mit der Butze wohl vorbei. Und das könnte bereits im nächsten Sommer der Fall sein.

Die Butze war damals entstanden, als in Barrien und Gessel präventive Jugendarbeit erforderlich war. Konkret ging es darum, eine größere Clique von der Straße zu holen, die gewöhnlich auf dem Kirchplatz herumlungerte, Alkohol trank und Passanten belästigte. Zumeist aus Langeweile und Frust, durchaus aber auch mit rechtsradikalen Tendenzen.

Hans Göbel hatte das richtige Händchen für diese Jugendlichen. Als gelernter Kfz-Meister konnte er ihnen eine Alternative zum Herumlungern anbieten – mit Basteln und Schrauben an Motoren, Fahrrädern und Mopeds. Und er fand den richtigen Ton, um sich bei der Gruppe gleichermaßen Akzeptanz und Respekt zu verschaffen.

Der Plan ging auf: Die Barrier Butze wurde zur festen Größe in der Jugendarbeit der Stadt Syke, auch nachdem die ursprüngliche „Problem-Clique“ längst das Erwachsenenalter erreicht hatte. Nach 20 Jahren steht die Butze voller restaurierter Zweiräder, Jugendliche haben Tandems, Mopeds und Seifenkisten gebaut und beteiligen sich sogar an Nachwuchswettbewerben im Sandbahnrennen.

Viele alte Fahrräder haben die Barrier gespendet, um die Arbeit in der Butze zu unterstützen. Dass sich darunter auch einige Raritäten befanden, merkten die Jugendlichen erst, als sie an den Rädern kleine technische Finessen wie Stempelbremsen, Ballonhupen, und Karbidlampen entdeckten und nach fehlenden Freiläufen oder dem Sinn von Radnetzen und Kannenhaltern suchten.

Traum vom Fahrradmuseum

So entstand eine Sammlung von rund 100 zum Teil sehr altertümlichen Fahrrädern. Darunter sind echte Unikaten im Alter von fast 100 Jahren. Zwangsläufig tauchte der Gedanke auf, diese Räder der Öffentlichkeit zu präsentieren und an ihnen vielleicht die technische Entwicklung vom Hochrad bis zum E-Bike darzustellen. Allerdings gibt es bis heute dafür weder Geld noch Platz.

Zum 1. August könnte Hans Göbel in den Ruhestand gehen. „Dann ist hier in der Butze Feierabend“, ist er überzeugt, denn alle bisherigen Gespräche mit der Stadtverwaltung über die Zukunft der Jugendarbeit in Barrien verliefen für ihn frustrierend.

Er könnte auch noch zwei Jahre weiter arbeiten. „Dann würde so lange alles bleiben, wie es jetzt ist“, wurde ihm versichert.

Wahrscheinlich werde er sich darauf einlassen, lässt Göbel durchblicken. „Mir ist es nicht egal, was aus den Jugendlichen wird, und wir hätten mehr Zeit, alles in Ruhe abzuwickeln.“

Der Gedanke an den Ruhestand fällt Hans Göbel schwer. „Da hängt so viel dran“, überlegt er: Nicht nur die Butze, sondern auch das Ferienprogramm der Stadt und sein Mitternachtssport für Jugendliche an jedem ersten Freitag im Monat.

Dieser Mitternachtssport, das älteste Projekt des Präventionskreises, funktioniert sehr gut, weil Hans Göbel im Umgang mit den Jugendlichen ein dickes Fell und viel Geduld hat. Es gibt nur wenige Regeln: Turnschuhe mit hellen Sohlen, kein Alkohol und hinterher wieder aufräumen. Die Stadt hat versucht, diesen Mitternachtssport Honorarkräften anzuvertrauen. Es hat nicht funktioniert.

Auch das Angebot in der Butze könne man nicht einfach nach Syke verlagern, ist Göbel überzeugt. „Andere Bastel- und Freizeitangebote oder Abhängen bei Musik passen dazu nicht. Statt dessen treffen sich in der Butze Oldtimerfreaks, Motorrad-Rennsportler und Tüftler.“

Seinen Traum vom Fahrradmuseum hat Hans Göbel inzwischen schon fast beerdigt. Zumal ihm mitgeteilt wurde, dass das alte Spritzenhaus, in dem die Butze untergebracht ist, mittelfristig ohnehin verschwinden soll.

Mehr zum Thema:

Finaltag bei den 53. Sixdays Bremen - Sieg für Kalz/Keisse

Finaltag bei den 53. Sixdays Bremen - Sieg für Kalz/Keisse

Mays Brexit-Rede ruft trotzige Reaktionen hervor

Mays Brexit-Rede ruft trotzige Reaktionen hervor

Was die jüdische Küche zu bieten hat

Was die jüdische Küche zu bieten hat

Rippen-Verletzungen können schwere Erkrankungen auslösen

Rippen-Verletzungen können schwere Erkrankungen auslösen

Meistgelesene Artikel

Kreisverkehre in Diepholz - Sonderfall am Hallenbad

Kreisverkehre in Diepholz - Sonderfall am Hallenbad

Kreisjugendfeuerwehr schlägt ihr Zeltlager Ende Juni in Aschen auf

Kreisjugendfeuerwehr schlägt ihr Zeltlager Ende Juni in Aschen auf

Landwirte frischen ihr Verkehrswissen auf

Landwirte frischen ihr Verkehrswissen auf

Syke fährt seine Sporthallen an die Wand

Syke fährt seine Sporthallen an die Wand

Kommentare