Leseabend in der Stadtbibliothek

Winfried Hammelmann plaudert über Tod und Tatort

Der Lesabend mit Winfried Hammelmann in der Stadtbibliothek war eigentlich mehr ein Lese- und Plauderabend. - Foto: Husmann

Syke - Von Michael Walter. Manchmal sind es die Umwege im Leben, die einen erst zum Ziel führen. Für Winfried Hammelmann gilt das gleich doppelt: Einmal in Bezug auf seine Karriere und einmal in Bezug auf den Protagonisten seines Romans „Zeit für Wolke 7“, der auch nicht auf gradem Weg zum Ziel gelangt.

Über beides – und noch ein paar andere Sachen – erfuhr das Publikum am Freitagabend in der Syker Stadtbibliothek eine ganze Menge aus erster Hand.

Bankkaufmann hat er gelernt, erzählte der Noch-59-Jährige. Und zehn Jahre lang hat er nach der Lehre auch bei einer Bank gearbeitet. „Aber ich habe immer nur Schreiben wollen.“ Nach Feierabend hat er damals seine ersten Texte an der Kugelkopf-Schreibmaschine zu Papier gebracht. Satiren. Weil er das damals schon am besten konnte. „Ich hab dann ganz viele Verlage angeschrieben. Und ganz viele Absagen bekommen.“

Seine Frau war es, die ihm gesagt hatte: „Vielleicht musst du es einfach nur über einen Umweg probieren.“ Hammelmann schickte seine Texte zu Radio FFN, der Sender lud ihn zu Probeaufnahmen ein. Seitdem hat er jeden Samstag eine Satire auf Sendung.

Seit 1991 ist er redaktioneller Mitarbeiter bei Radio Bremen, wurde der Wetter-Mann bei „Buten & Binnen“ und 2007 sogar Nebendarsteller im Bremer „Tatort“.

Anekdoten aus dem Nähkästchen

Auch darüber erzählte Winfried Hammelmann und plauderte ein bisschen aus dem Nähkästchen. Wie ihn der Drehbuchautor dem Regisseur als Quereinsteiger empfohlen hatte und wie das so war mit den ganzen Profi-Schauspielern bei den Dreharbeiten.

Bücher hat er auch geschrieben. Sein erstes – über die Politiker-Skandale der 80er Jahre – hat er mit seinem Co-Autor Sven Northeim „in 13 Wochen zusammengehauen“. Es folgte mit „Brian Brain bricht sich einen ab“ die Parodie seiner eigenen Tatort-Figur und die Satire-Sammlung „Der mit dem Fön diskutiert.“ „Zeit für Wolke 7“ ist Winfried Hammelmanns erster Roman. „Beim Radio macht man immer nur maximal zwei Minuten“, erklärt Hammelmann. „Und ich wollte unbedingt mal was längeres machen. Was bleibendes“

Ein Freund hat ihm den Tipp gegeben: Der erste Satz ist sehr wichtig. „In der Folge habe ich meinen ersten Satz wieder gestrichen“, sagt Hammelmann. Der Freund hat auch zu ihm gesagt: Aber dein zweiter Satz ist sehr schön. Darum ist der jetzt der erste. „Sie war wunderschön und ziemlich tot“, lautet der. Und er fasst ziemlich gut zusammen, worum es in dem Buch geht. Es erzählt die Geschichte von der Suche nach der großen Liebe, und möglicherweise hat auch Syke was damit zu tun.

Lena ist tot - aus Versehen

Lena ist diese große – wenn auch äußerst einseitige – Liebe der Hauptperson. Und Lena ist tot. Aus Versehen. Weil Petrus einen Fehler gemacht hat. Er hat die falsche Lena zu sich geholt, weil er Sylt mit Syke verwechselt hat. Ob das aber auch so im Buch steht, kann selbst der Autor nicht mit letzter Sicherheit sagen. „Ich hab 400 Seiten Manuskript abgegeben und 280 Seiten Buch sind daraus geworden. Ich bin mir nicht sicher, ob der Verlag das mit Syke vielleicht rausredigiert hat. Ich lese meine Bücher ja normalerweise nicht.“

Auf diesen 280 Seiten geht es im Wesentlichen auf zwei verschiedenen Ebenen darum, diesen Fehler wieder zu korrigieren. Auf der himmlischen hat Petrus dabei die eine oder andere Nuss zu knacken, auf der irdischen versucht der Protagonist (der natürlich nur rein zufällig genauso heißt, wie ein ehemaliger Werder-Spieler), seine Lena zurückzuholen. Indem er Leute findet, die ihr Lebenszeit spenden.

All das geschieht mit dem für Hammelmann charakteristischen Hang zur Wortspielerei. Mehr als einmal muss er beim Lesen selber grinsen: „Jetzt kommt einer meiner Lieblingssätze.“ Zum Beispiel der hier: „Ich mochte das Wort 'ergriffen' nicht, aber ich war ergriffen und ergriff das Wort.“ Nicht schreiend komisch, aber nett. Man muss das halt mögen.

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