Leiter des Bauernhaus-Archivs Heinz Riepshoff fordert Satzung zum Erhalt historischer Bausubstanz

Zu viele Verluste für das Stadtbild

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Den Abriss des Rehmstedtschen Hauses an der Hauptstraße am 20. April 1988 bezeichnet Riepshoff als ein Waterloo für das Syker Stadtbild. Wo einst dieses Backsteingebäude stand, ist heute der Parkplatz vor der Rewe-Passage.

Syke - Detlef Voges. „Syke muss in die Puschen kommen“, sagt Heinz Riepshoff. Der Fachmann für historische Bauten eröffnete die Reihe „Syker Geschichten“ im Erzähl-Café mit einem Appell an Politik und Verwaltung: Alte Bausubstanz müsse per Satzung erhalten werden. Jedes Jahr zähle. „Es hat schon zu viele Verluste gegeben“, betont Riepshoff.

Heinz Riepshoff zeigt seinen Zuhörern, wie dieses Haus einmal ausgesehen hat.

Der 68-jährige Leiter des Bauernhaus-Archivs referierte am Mittwoch im Erzähl-Café über Sykes Stadtbild. Das Thema interessierte so viele Syker, dass der gastgebende Verein Rund ums Syker Rathaus vom Spieker des Cafés Alte Posthalterei ins benachbarte Seminarhaus umziehen musste. Riepshoffs Vortrag war die erwartet spannende Reise in die Vergangenheit. Technikfrei, erinnerungsreich und beredt fesselte der Gast sein Publikum wie ein Moritatensänger, indem er Geschichten erzählte und große Bilder hochhielt. Riepshoff, geboren und aufgewachsen in einem Haus an der Hauptstraße gegenüber der Volksbank, profitiert dabei von seiner Sammelleidenschaft und seinen Erinnerungen, gepaart mit Fachkompetenz.

Er weiß, wovon er spricht und wovor er mahnt. Seine Augen leuchten, wenn er von seiner Kindheit und Jugend in Syke spricht. Von den 50er- und 60er-Jahren, als an der Hauptstraße noch vier Landwirte ihre Höfe hatten: Lindhorst, Hillmann, Rehmstedt und Böckmann. Als die Hillmann-Brüder auf dem Piano Boogie-Woogie spielten und Milchmann Bolte noch mit dem Pferdewagen durch die Stadt fuhr. Als Borgward zwischen Syke und Barrien an der B6 ein Werk für Hubschrauber bauen wollte. Und als Syke noch Hauptumschlagsplatz für Schweine war. „Es quiekte eigentlich den ganzen Tag.“

Die Zerstörung des Syker Stadtbildes beginnt für Riepshoff in den 80er-Jahren mit dem Verlust von Häusern, Straßenzeilen und dem Abholzen von Ortsbild prägenden Bäumen.

Als Waterloo bezeichnet der Fachmann den Abriss des Hauses Rehmstedt für die minimal-Passage an der Hauptstraße (heute Rewe) und der alten Mittelschule (heute Rathaus). „Das hätte nie passieren dürfen.“

Riepshoff kritisiert in diesem Zusammenhang das in solchen Fällen stereotyp wiederkehrende Argument, eine Sanierung lohne sich nicht. Entweder, weil die Substanz zu marode sei oder die Kosten zu hoch. Für die Restaurierung des Hauses Waldstraße 3 (heute Café Alte Posthalterei) hätte die Stadtverwaltung damals 930000 Mark veranschlagt. Die tatsächlichen Kosten lagen – nicht zuletzt durch den hohen Anteil an Eigenleistungen durch den Verein Rund ums Syker Rathaus – weit darunter. Doch solch hohe Beträge kämen immer wieder ins Spiel, wenn eine Immobilie vor dem Abriss stehe.

Riepshoff fordert Politik und Verwaltung auf, die Inventarisierung alter Bausubstanz in Syke fortzusetzen. 2005 habe ein Arbeitskreis damit begonnen. Passiert sei danach aber nichts mehr. Jetzt lagerten die Ergebnisse im Keller des Rathauses. Statt sich zu beharken, sollten Politik und Verwaltung an einem Strang ziehen. Es gehe um das Syker Stadtbild der Zukunft.

Die Dringlichkeit bestätigten Zuhörer. Häuser verschwänden in einem Affenzahn in Syke. Ganze Straßenzüge veränderten sich, meinte ein älterer Syker. Ein anderer Syker regte an, dass sich auch neue Häuser möglichst in die umgebende Struktur einpassen sollten.

Bauamtsleiter Timo Fleckenstein berichtete von Gesprächen mit Investoren für ein Wohnbau-Projekt an der Waldstraße gegenüber der Seniorenresidenz Deutsche Eiche. Er wolle die Bauherren davon überzeugen, im Stil der umliegenden Häuser aus den 20er-Jahren zu bauen: mit Bögen und Fenstern über Eck. Dazu zwingen könne er allerdings niemanden.

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