Gesprächsrunde mit Landtagspolitikern

Kreiselternratsvorsitzende Ulrike Göbel: „Lehrer sind oft überfordert“

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Ulrike Göbel ist die neue Vorsitzende des Kreiselternrates. Die 48-jährige Betriebswirtin lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Syke-Henstedt.

Landkreis Diepholz - Die Interessen ihrer Kinder vertreten und ihnen möglichst gute Bildungschancen ermöglichen – dafür setzt sich der Kreiselternrat ein. Dieses Gremium hat mit Ulrike Göbel eine neue Vorsitzende, die am Donnerstag in dieser Funktion zum ersten Mal an einer Sitzung des Kreis-Schulausschusses teilnimmt.

Das Gremium tagt um 16 Uhr in der Christian-Hülsmeyer-Schule in Barnstorf. Im Interview nimmt die neue Kreiselternratsvorsitzende Stellung zu aktuellen Themen. Die Fragen stellte Anke Seidel.

Frau Göbel, was kennzeichnet die Schullandschaft im Landkreis Diepholz aus der Sicht der Kreiselternratsvorsitzenden ganz besonders?

Ulrike Göbel: Viele Schulformen, über die Eltern manchmal nicht Bescheid wissen. Im Landkreis Diepholz gibt es Oberschulen, jeweils eine Haupt- und Realschule, eine Realschule und eine Ganztagsschule, Kooperative Gesamtschulen, Gymnasien sowie Förderschulen, Berufsschulen und natürlich Grundschulen. Aber es gibt genauso weitere in freier Trägerschaft wie die Lukasschule und die Prinzhöfteschule in Bassum oder die Montessorischule in Syke. Diese ganze Schullandschaft bietet eine große Auswahl.

Immer wieder klagen Schulen über zu wenig Personal – wie die Oberschule Schwaförden-Ehrenburg, die sogar schon einen Brandbrief verfasst hat. Teilt der Kreiselternrat diese Sorge?

Göbel: Ja, der Kreiselterrat teilt diese Sorge. Lehrer sind oft überfordert. Differenzierter Unterricht findet kaum noch statt. Überstunden der Lehrer gehören mittlerweile zum Schulalltag, wie ich von Mitgliedern des Kreiselternrates weiß. Deshalb ist zu befürchten, dass der Krankenstand der Lehrer steigt.

Wie setzen sich die Elternvertreter konkret für Verbesserungen ein?

Göbel: Es ist für uns eine unbefriedigende Situation, denn uns sind die Hände gebunden – wir können ja schlecht selbst Unterricht geben. Aber wir können versuchen, uns bei den Politikern Gehör zu verschaffen. Wir haben vor, eine Gesprächsrunde mit Landtagspolitikern zu organisieren. Bisher lässt die Rückmeldung leider zu wünschen übrig, es haben sich noch nicht alle Landtagspolitiker zurückgemeldet. Es ist schwierig, einen Termin zu finden. Trotzdem bleibt das unser festes Ziel!

Ein viel diskutiertes Thema ist der Schulbusverkehr, den der ZVBN (Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen) für die Linienbündel Nordwest neu ausschreibt. Eine Vergabe des Auftrags ist im Augenblick nicht möglich, die Vergabekammer des Landes Bremen muss nachprüfen. Wie steht der Kreiselternrat dazu?

Göbel: Wir haben Angst, dass unsere Kinder nicht befördert werden. Dass sie an den Bushaltestellen stehen – und es kommt kein Bus. Wir hoffen, dass der Landkreis eine Zwischenlösung findet, sollte es bis zum 1. August keine Entscheidung geben. Es ist unser aller Anliegen, dass unsere Kinder sicher zur Schule kommen!

Allein im Landkreis Diepholz hat die Kreisverwaltung 250 Schulverweigerer registriert. Besorgt den Kreiselternrat diese Zahl?

Göbel: Da sich der Kreiselternrat erst im November neu konstituiert hat und die erste Tagung im Januar war – unter anderem mit dem Thema ZVBN und Linienbündel-Vergabe – konnten wir uns mit dem Schulabsentismus noch nicht beschäftigen. Aber wir werden uns auf unserer nächsten Tagung im Mai damit auseinandersetzen.

Was wünschen Sie sich als Vorsitzende für die Bildungslandschaft im Landkreis Diepholz von der Kreispolitik?

Göbel: Der Landkreis ist ja für die Schulbauten und die Ausstattung zuständig. Wir möchten gern, dass Mischa Flaspöhler als zuständiger Landkreis-Fachdienstleiter für die Liegenschaften eine Präsentation über den baulichen Zustand der Schulen und der Sporthallen, die in der Trägerschaft des Landkreises sind, unseren Mitgliedern des Kreiselternrates vorstellt – mit Bewertungspunkten. 

 Wenn es um Whiteboards, Beamer oder andere technische Ausstattungen für die Schulen geht, ist das super. Damit sind wir zufrieden. Wir sind auch sehr froh darüber, dass der Landkreis die Kosten für die Schulsozialarbeit an den Gymnasien finanziert. Verbesserungswürdig ist allerdings der Umgang mit Ersatzleistungen, wenn in der Ausstattung etwas kaputt gegangen ist. Der Ersatz dafür ist, wie ich aus Gesprächen mit Kreiselternratsmitgliedern weiß, oft ein langwieriges Unterfangen.

Und was wünschen Sie sich von der Landespolitik?

Göbel: Die Landespolitik schaut offensichtlich nicht voraus, wann wie viele Lehrer in Pension gehen und wie viele Schüler neu in die Schulen kommen. Wir wünschen uns eine schnellere Reaktion bei Lehrermangel – ein vorausschauendes Handeln. Außerdem möchten wir, dass der Lehrerberuf attraktiver wird – und es eine gerechtere Gehaltsgestaltung gibt. 

Alle Lehrer müssten in allen Schulformen das Gleiche verdienen. Hauptschullehrer haben andere Herausforderungen – wie Lautstärke und psychischen Druck – als Gymnasiallehrer, die sich natürlich auch ihren Aufgaben stellen. Beides müsste aber gleich belohnt werden.

Wo sehen Sie Handlungsbedarf, wenn es um das Thema Inklusion geht?

Göbel: Das Studium der Förderschullehrer dauert länger als ein Lehramtsstudium – und die Bezahlung der Förderschullehrer ist schlechter. Außerdem müssen sie gleichzeitig mehrere Schulen betreuen. Das geht sowohl zulasten der Lehrer als auch der Schüler. Das muss geändert werden! Wir brauchen mehr Förderschullehrer und eine bessere Bezahlung. Wer stellt sich denn sonst noch dafür hin? Begeisterung und Freude sind gerade in diesem Beruf sehr wichtig!

Muss Bildung nicht endlich Bundessache werden?

Göbel: Wir Eltern sehen, dass die Landespolitik näher dran ist. Da hat man eher einen Ansprechpartner. Beim Lehramtsstudium hätten wir gerne einheitliche Regelungen, damit Lehrer flexibel in allen Bundesländern arbeiten und sich ihren Arbeitsplatz problemlos aussuchen können.

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