Bock auf „Bass“

Lebhafte Diskussion um Bürger-Auto für den Syker Süden

Jochen Harries bei der Präsentation des Bürgerauto-Konzeptes „Bass“.
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Jochen Harries bei der Präsentation des Bürgerauto-Konzeptes „Bass“.

Heiligenfelde - Von Frank Jaursch. Ein Statement mit den Füßen: Fast 60 Bewohner des Syker Südens haben sich am Donnerstagabend die Info-Veranstaltung zum Thema „Bürger-Auto im Syker Süden“ angehört. Die Initiative stellte dabei die Eckpunkte des Konzeptes vor, dem sie den prägnanten Namen „Bass“ (Bürger-Auto im Syker Süden) gegeben hatten.

Die Bürgerauto-Initiative sieht sich dabei nicht als Konkurrenz zum Bürgerbus. „Wir wollen dem Bürgerbus nicht in die Quere kommen“, hob Andreas Schmidt hervor. Tatsächlich habe man sogar überlegt, sich organisatorisch dem Bus anzugliedern, sich aber letztlich aus unterschiedlichen Gründen dagegen entschieden.

Ältere Menschen auf dem Land oft vom ÖPNV abgekoppelt

Der Bürgerbus war letztlich sogar der Grund dafür, sich mit einem Bürgerauto zu beschäftigen. Oder besser: Das Fehlen des Busses. Denn das Vorzeigeprojekt verkehrt nur in jenen Teilen Sykes, die über eine größere Einwohnerdichte verfügen. Der eher dünn besiedelte Süden bleibt außen vor – und das, obwohl es durchaus einen Bedarf gibt.

Die gesellschaftliche Entwicklung hat dazu geführt, dass immer mehr ältere Menschen auf dem Land allein leben, machte Jochen Harries in seiner Präsentation deutlich. Sie seien oft vom öffentlichen Personenverkehr abgekoppelt, weil selbst der Weg zur Haltestelle zu lang werde.

Es gibt günstige Lösungsansätze, die aber große Schwächen hätten, argumentierte Harries: Die „Mitfahrer-App“ fürs Smartphone sei gerade für Ältere nicht das Richtige. Und die Mitfahrerbänke lösten das eigentliche Grundproblem nicht – den Weg von der Haustür zur Bank.

Arbeitsgruppe hofft auf 19 ehrenamtliche Helfer

Bliebe noch „Bass“. Die Idee: Ein geleastes Elektro-Auto soll unter der Woche den gut 2700 Syker Südlern zur Verfügung stehen, von ehrenamtlichen Fahrern gefahren. Eine Fahrt innerhalb Sykes soll, so die erste Kalkulation, 2,50  Euro kosten.

Das Fahrzeug soll zentral in Heiligenfelde stationiert sein. Wer das Angebot nutzen möchte, muss sich bis einen Abend zuvor telefonisch bei der (ebenfalls ehrenamtlichen) Fahrleitstelle anmelden. Den Fahrdienstleitern fällt eine besonders wichtige Rolle zu. „Man hat keinen festen Fahrplan“, so Harries, „man muss auch mal mit den Fahrten jonglieren können.“

Harries, der stellvertretend für das fünfköpfige Team der Arbeitsgruppe sprach, machte deutlich: „Wir werden das allein nicht schaffen.“ Er hoffe auf viele Bürger, die Lust am Mitmachen haben. Gesucht werden zunächst 15  Fahrer, zwei Fahrdienstleiter, ein technischer Leiter und ein Service-Team.

Für die Stadt wird „Bass“ ein Minusgeschäft

Von einem Gesundheitszeugnis abgesehen, gibt es keine Hürden für die Fahrer: Sie benötigen laut Harries keinen Personenbeförderungsschein, genießen den gesetzlichen Unfallversicherungsschutz. Etwa zwei Vier-Stunden-Schichten pro Woche kämen auf jeden Fahrer zu.

„Bass“ wird nach den ersten Kalkulationen ein Minusgeschäft für die Stadt bleiben. Zwischen 2018 und 2020 rechnen die Initiatoren mit einem Zuschussbedarf von 3800 und 8500 Euro pro Jahr.

In den kommenden Wochen sollen die politischen Gremien über die Idee diskutieren und entscheiden. In die Ausschuss-Sitzungen nehmen die Ideengeber aber eine wichtige Botschaft: Der Syker Süden hat Bock auf „Bass“.

Das zeigte nicht nur die angeregte Diskussion im Anschluss, sondern auch die Interessen-Abfrage auf ausgelegten Zetteln. Darauf erklärten fast 30 Teilnehmer ihr Interesse an einer Mitgliedschaft in dem noch zu gründenden Verein, allein 19 davon würden sich eine Tätigkeit als Fahrer vorstellen können.

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