Lebenshilfe erstmals Gastgeber für Turnier zwischen fünf Förderschulen

„Fußball ist ja nicht nur ein Sport“

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Sogar Cheerleader hatten einige der Teams dabei.

Syke - Von Michael Walter. Ein Raunen geht durch die Zuschauerreihen: Gerade eben hat der Stürmer der Heimmannschaft eine hundertprozentige Tormöglichkeit versemmelt, und im Gegenzug kassieren die Syker prompt das 0:1. Umso lauter der Jubel, als Sedat, der Syker Zehner, beinahe im Alleingang die Partie noch dreht und sein Team mit 2:1 gewinnt.

Nur auf den zweiten Blick würde unbeteiligten Zuschauern auffallen, dass hier gerade zwei Teams aus geistig behinderten Jugendlichen gegeneinander gekickt haben. Zum ersten Mal war gestern die Erlenschule Gastgeber für ein Fußballturnier zwischen fünf Förderschulen aus Niedersachsen.

Peter Meyer ist Heilpädagoge an der Erlenschule, der Bildungsstätte der Syker Lebenshilfe. An diesem Tag ist er Mädchen für alles: Turnierleiter, Trainer der Gastgebermannschaft, Schiedsrichter, wenn seine eigene Truppe gerade mal nicht spielt, und Ansprechpartner bei allen Unwägbarkeiten des Turniers.

„Wir haben sonst immer nur einmal im Jahr gegen die Förderschule aus Hoya gespielt“, sagt Meyer. Doch als seine Fußball-AG dann die Einladung für ein Hallenturnier vom Behindertensportverband im vorigen November in Hannover erhielt, stand die Frage praktisch ganz von selbst im Raum: Warum machen wir sowas nicht auch mal?

Meyer nahm Kontakt auf zu Förderschulen in Lingen, Bohmte und Bremervörde sowie zur seit langem befreundeten Förderschule in Hoya. „Die haben alle sehr spontan zugesagt“, staunt er noch heute ein bisschen. „Und seitdem haben wir kontinuierlich auf dieses Turnier hin trainiert.“

Die Entwicklung seiner Kicker – eine buntgemischte Truppe aus fast allen Jahrgängen der Schule zwischen 9 und 18 Jahren – kann Meyer fast mit den Händen greifen. „In Hannover sind wir noch vorletzter geworden – jetzt können wir mithalten.“

Die Mannschaften spielen in diesem Turnier quer aufs halbe Feld mit fünf Feldspielern plus Torwart. Doppelt so viele stehen beim Team der Erlenschule an der Seitenlinie und warten auf ihre Einwechselung. Für Meyer als Trainer ein moralischer Spagat. Was wollen wir: Jeden spielen lassen oder gewinnen? Die Antwort gibt der Pädagoge in ihm: „Fußball ist ja nicht nur Sport. Es geht darum, dass wir gemeinsam Spaß haben. Und wenn dann noch ein Sieg dabei herauskommt, umso schöner.“

Zumindest gestern hat das anscheinend ganz gut funktioniert: Am Ende des Tages standen Meyers Kicker ganz oben in der Tabelle. „Wir haben unser eigenes Turnier gewonnen“, stellte der Coach hinterher fest. Und nach einem Atemzug Pause schob er nach: „Das macht man normalerweise nicht.“

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