Bauwerke mit ganz neuen Dimensionen

Nabu und BUND: Bis zu 20 neue Windräder in Syke geplant

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Größenvergleich: Rechts die bisherigen Anlagen im Windpark Okel, links die Höhe der kommenden Generation.

Syke - Die bloße Ankündigung genügte. Die Windräder werden auf die Tagesordnung zurückkehren, sagte Sykes Bürgermeisterin Suse Laue vergangenen Dezember dieser Zeitung.

Im Laufe des Jahres solle der Flächennutzungsplan angepackt und sukzessive auf die neuen Abmessungen der mächtigen Rotoren zugeschnitten werden. Ein Betrag von 100.000 Euro sei dafür im Haushalt 2018 veranschlagt. 

Wann erste radierbare Striche in die Syker Landkarten gezogen werden, ist noch völlig unklar, geschweige denn, wann erstmals die Kommunalpolitik darüber berät. Der Widerstand regt sich trotzdem. Naturschützer von Nabu und BUND laufen bereits Sturm gegen die Windkraft.

„Wird dieses Fass aufgemacht, geht jede Kontrolle verloren,“ warnt beispielsweise Henning Greve vom BUND-Kreisverband Diepholz. Er rate dringend, wenn überhaupt, dann wenigstens noch einige Zeit abzuwarten, um die sich anbahnenden Verordnungen speziell über die Entfernung zur nächste Wohnbebauung gerichtsfest übernehmen zu können. Ähnlich sieht es Heinfried Köster vom Nabu Syke: „Jeder der angedachten Standorte bedarf einer sehr gründlichen Überprüfung. Da liegen überall Naturschutzgebiete.“

Vier Windpark-Gebiete in Vorbereitung

Ihm schwane schon jetzt Böses angesichts von vier Windpark-Gebieten, die sich in Vorbereitung befänden. Zwar halten die Naturschützer noch keine konkreten Planungsunterlagen in Händen, ihre Recherchen ergaben aber, der Syker Nordwesten sowie der Osten seien besonders betroffen. 

Demzufolge führe ein Planungsbüro aus Dortmund Sondierungen im Ristedter Moor an der Grenze zum Warwer Sand und zu Melchiorshausen durch. Selbstverständlich sei zu erwarten, dass der Windpark Okel auf den neuen Maßstab getrimmt werde. 

Die Genehmigungsverfahren für einen vierten Windpark erwartet die Öko-Lobby im Bereich zwischen Barrien und Friedeholz. Alles in allem müsse mit bis zu 20 neuen Anlagen gerechnet werden, allein bis zu zehn bei Gödestorf. Jeder dieser Rotoren komme auf eine Höhe von über 200 Metern und überrage die bisherige Generation von Windkraftanlagen um das Doppelte und mehr.

Nähe zur Wohnbebauung alarmierend

Besonderen Alarm schlagen die Naturschützer wegen der Nähe der neuen Anlagen zur nächsten Wohnbebauung. Die rotgrüne Landesregierung hatte noch vor anderthalb Jahren den Mindestabstand auf lediglich noch 400 Meter heruntergeschraubt, dies vor allem unter dem Druck der Energiewende. 

„Inzwischen sind in anderen Bundesländern schon wieder höhere Mindestabstände angeordnet worden,“ sagt Greve, „greift die Stadt Syke jetzt in die Flächennutzungspläne ein, läuft sie Gefahr, auf die 400-Meter-Entfernungen festgenagelt zu werden.“

In fast alle angedachten Windkraftstandorte ragt das Aufkommen schützenswerter Tierarten hinein. „Aus Ristedt erreichen mich derzeit die meisten Fledermausmeldungen,“ sagt Greve, „sechs Quartiere in der Wohnbebauung sind bekannt, insgesamt mindestens 120 Tiere. Hinzu kommt der Warwer Sand mit seinem noch nicht quantifizierten Aufkommen.“

Tierarten müssten geschützt werden

Ein stark geschrumpfter, aber immer noch erfasster Kreis von Kiebitzen lebe hier ebenfalls. „So um die 10 bis 15 Tiere,“ sagt Köster. In Syke-Osterholz sei vor allem das Aufkommen von Weihen und Störchen aktenkundig. „Nach einigen Revier-Auseinandersetzungen und einiger Fluktuation hat sich zuletzt ein junges Storchenpaar niedergelassen.“ Im Raum Barrien-Friedeholz sei vor allem das Naturschutzgebiet Friedeholz-Schlatt zu schützen. Laubfrosch und Kammolch fühlten sich hier zuhause.

Derweil befindet sich die Stadt Syke in der Zwickmühle. Zwar verfügt sie über einen Flächennutzungsplan, gerichtsfest auch noch, aber der stammt aus dem Jahr 2005. Festgelegt ist darin eine Windanlagen-Größe, die dem damaligen Standard entsprach. Inzwischen haben die Generatoren deutlich an Leistungsfähigkeit zugelegt, die Masten deutlich an Höhe.

Laue will sich für Bürgerwindanlagen stark machen

Klartext: Das passt nicht mehr zusammen. „Da besteht Handlungsbedarf,“ heißt es aus dem Rathaus. Bürgermeisterin Laue hatte allerdings Windparks größerer Dimension ausgeschlossen. Sie wolle sich stark machen für Bürgerwindanlagen, Vorgespräche seien ebenso schon geführt.

kra

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