Langes Warten im Jugendhilfeausschuss

Dank per Beschluss: Flüchtlinge loben Arbeit des Landkreises

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Bewiesen mit ihren Betreuern eine Engelsgeduld: Junge Flüchtlinge aus Lemförde (im Hintergrund) im Jugendhilfeausschuss, der drei Stunden lang im Syker Kreishaus tagte.

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Eine Engelsgeduld stellten 13 Flüchtlinge aus Guinea und Syrien im Syker Kreishaus unter Beweis. Die 16- bis 18-Jährigen erwiesen sich in der dreistündigen Sitzung des Jugendhilfeausschusses als respektvolle Besucher.

Erst nach zweieinhalb Stunden ließ Vorsitzender Heinfried Schumacher (SPD) per Beschluss die Sitzung unterbrechen, damit ein Begleiter der Flüchtlinge zu Wort kommen konnte. Dirk Feldkötter, Geschäftsführer des Vereins „Orientierung, Leben, Entwicklung“ aus Lemförde, machte es kurz: Er wollte sich im Namen der jungen Flüchtlinge nur für die Unterstützung des Landkreises bedanken.

Allein zwei Beschlussempfehlungen hatte der Jugendhilfeausschuss zu fassen. Einstimmig erkannte er den Verein „Lebenswege begleiten“ aus Bruchhausen-Vilsen als Träger der freien Jugendhilfe an – ebenso einstimmig lehnte er den Antrag der AfD-Fraktion auf eine „verpflichtende ärztliche Altersfeststellung unbegleiteter minderjähriger Ausländer“ ab. Da es keine Zweifelsfälle gebe, sah Kreisrätin Ulrike Tammen keinen Handlungsbedarf. Marlies Plate (Grüne) forderte eine schnelle Abstimmung: „Jedes Wort ist zu viel.“

Jungen Zuhörern fallen die Augen zu

Ausgiebig und wortreich befassten sich die Ausschussmitglieder jedoch mit Sachstandsberichten – wie zum Thema Unterhaltsvorschuss oder zum Projekt „Rein in den Verein“ (mit Film-Kostprobe). Bei der grundsätzlichen Abhandlung der Jugendhilfeplanung fielen einer jungen Zuhörerin fast die Augen zu. Aber mit Interesse verfolgten junge Flüchtlinge den Bericht über den Übergang unbegleiteter minderjähriger Asylbewerber (Umas) in das Erwachsenenleben.

Jörg Lubomirski berichtete als Regionalleiter im Jugendamt, dass der allgemeine Sozialdienst des Jugendamtes 148 Umas im vergangenen Jahr begleitet und 54 aus der Jugendhilfe entlassen hatte. 170 Umas hatten einen Vormund, 62 dieser Jugendlichen waren volljährig worden. Zwei Drittel dieser jungen Flüchtlinge besuchen demnach eine Schule, ein knappes Viertel ist in Ausbildung. 

Unbürokratische Unterstützung durch freie Träger

Lubomirski stellte klar, dass der Wechsel junger volljähriger Flüchtlinge aus einer betreuten Einrichtung in das eigenverantwortliche Wohnen nicht immer leicht sei. Die jungen Volljährigen würden „ihre“ bisherigen Einrichtungen immer wieder besuchen – für ein Mittagessen, die Hausaufgabenhilfe oder einen Ratschlag.

Der Regionalleiter lobte die unbürokratische Unterstützung der freien Träger dieser Einrichtungen – und stellte klar, dass junge Flüchtlinge einen Treffpunkt brauchen. Deutlich wurde genauso, dass die Jugendhilfe in bestimmten Fällen über das Alter von 18 Jahren hinaus verlängert werden kann. Und dass, so betonte Kreisrätin Ulrike Tammen, bei der Betreuung auch die Kommunen in der Pflicht sind.

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