Landvolk wehrt sich gegen ruinöse Preise

Kampf dem „Verramschen“

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Mit diesen Plakaten – hier in Harpstedt – wehrt sich das Landvolk gegen die ruinösen Lebensmittelpreise in Supermärkten.

Syke/Nienburg - Mit einer groß angelegten Plakat-Aktion in seinem gesamten Verbandsgebiet macht das Landvolk Mittelweser auf die Ramsch-Mentalität des Einzelhandels aufmerksam. Ähnliche Aktionen haben andere Landvolk-Verbände in Deutschland bereits gestartet. „So billig wie möglich will der Lebensmittel-Einzelhandel Nahrungsmittel an die Verbraucher bringen. Milch und Fleisch wird zu Kampfpreisen geradezu verramscht“, heißt es in der Pressemitteilung des Landvolks. „Wenn Mineralwasser bald mehr kostet als Milch, läuft doch irgendetwas schief“, sagt Lars Nordbruch, Vorsitzender beim Landvolk Mittelweser und Milchviehhalter. Der Landvolk-Kreisverband sieht hier den Lebensmittel-Einzelhandel in der Pflicht.

„Die Preise, die aktuell für Milch und Ferkel gezahlt werden, sind absolut nicht ausreichend“, sagt Tobias Göckeritz, ebenfalls Landvolk-Vorsitzender. „Zu den politischen Anforderungen, die an uns Landwirte gestellt werden, können wir heute nicht kostendeckend produzieren.“ Hinzu komme bei Milch der weggebrochene Exportmarkt durch das Russland-Embargo. Das koste die Landwirte etwa vier Cent je Liter Milch, die sie weniger bekommen. „Die Folgen durch die Restriktionen gegen Russland sind politische Entscheidungen, die auf dem Rücken der heimischen Landwirte ausgetragen werden und die den Preis dafür zahlen“, so Göckeritz. Am Wegfall der Milchquote liege der Preisverfall nicht. Die Menge sei im Vergleich zum Vorjahr nahezu gleich geblieben.

Doch der Bauernverband macht nicht nur politische und marktwirtschaftliche Begebenheiten für die Misere auf dem Milchmarkt verantwortlich. Das Landvolk Mittelweser nimmt in der Plakat-Aktion den Lebensmittel-Einzelhandel in die Pflicht – in Abwandlung des Slogans „Wir lieben Lebensmittel“ von Edeka, einem der größten Lebensmittelkonzerne in Deutschland. „Wer Lebensmittel liebt, der würde sie zu angemessenen Preisen verkaufen und die Produzenten entsprechend bezahlen“, so Göckeritz. „Stattdessen werden die hochwertigen Lebensmittel zu Schleuderpreisen verramscht. Das zerstört landwirtschaftliche Betriebe und den ländlichen Raum!“

Auf Nachfrage unserer Zeitung verweigerte Edeka-Sprecherin Marlies Poppe jeglichen Kommentar zu der Landvolk-Kampagne und den darin erhobenen Vorwürfen. Dass Edeka nicht allein für die schlechte Lage verantwortlich ist, ist dem Verband klar. Doch deren Kampagne „Wir lieben Lebensmittel“ empfanden die Bauern förmlich als Einladung, um ihrem Unmut Luft zu machen.

Rund 85 Prozent des Lebensmittel-Einzelhandels würden von vier Unternehmen beherrscht. Dass diese die Preise geradezu diktieren können, liege nahe. Der Landwirt sei das schwächste Glied in der „Nahrungskette“ und leide unter den niedrigen Preisen, die nach unten durchgereicht werden, am stärksten. Das Landvolk betont, dass in keinem Land Europas die Lebensmittel günstiger und sicherer sind als in der Bundesrepublik Deutschland.

Wirtschaft

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