Projekt Gaststättenwesen enthüllt urige Begebenheiten

Landrat erklärt Twistringer zum Trunkenbold

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Treffpunkt Gaststätte Niemeyer um 1940 in Bahrenborstel.

Syke - Von Dieter Niederheide. Wer früher zu tief ins Glas schaute, konnte damit rechnen, vom Landrat zum Trunkenbold erklärt zu werden. Das widerfuhr zum Beispiel 1903 einem Twistringer. Per Bekanntmachung hieß es: „Der Maler (...) aus Twistringen ist aufgrund der Polizeiverordnung vom 7. Februar 1903 für einen Trunkenbold erklärt worden.“ Wer dem Genannten dennoch geistige Getränke verabreiche, müsse mit einer Strafe bis zu 60 Mark oder, wenn er die nicht zahlen könne, mit einer Haftstrafe rechnen, heißt es weiter.

Bei der jüngsten Tagung des Kreisheimatbundes (KHB) zum Projekt „Gaststättenwesen im Landkreis Diepholz“ auf der Diele des Kreismuseums in Syke, die Museumsleiter Dr. Ralf Vogeding und KHB-Vorsitzender Claus-Dieter Lösche leiteten, referierte der Historiker Ralf Weber zum Stand der bisherigen Ergebnisse der rund 50 Heimatforscher. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte des und möglichst viele Geschichten aus dem Gaststättenwesen des Landkreises zu erforschen. Informationen über mehr als 200 Gaststätten wurden bereits an Heinz Feldmann übermittelt. Er führt unter anderem für das Projekt im Kreismuseum die Datenbank und isst zugleich Ansprechpartner.

Weber ging in seinem lebhaften und interessanten Vortrag auf den aktuellen Stand der Forschungsarbeit ein und untermauerte seine Worte mit Dokumenten und Fotos von Gasthäusern. Zunächst definierte er die unterschiedlichen Formen von Gaststätten – von Gastwirtschaft bis Krug, von Wirtsstube bis Schenke. Außerdem ging er darauf ein, warum die Menschen Gastwirtschaften aufsuchen. Die einen aus Einsamkeit, andere aus Neugier, und nicht zuletzt spielte das Vereinsleben eine Rolle. Weber: „Sie waren ein sozialer Treffpunkt.“

Historiker Ralf Weber (2.v.r.) in der Diskussion mit Heimatforschern zum Thema Gaststättenwesen. - Foto: Niederheide

Interessant waren die Ausführungen zum Thema „Kampf gegen Alkohol“, der zum Beispiel in Diepholz schon 1846 zur Gründung des Mäßigkeitsverein führte. Früher wie heute engagierten sich die Guttempler im Kampf gegen Alkoholmissbrauch. Die Obrigkeiten gingen warnend gegen Trunkenbolde vor. 1908 schrieb der Landrat von Hoya einem Bürger: „Es ist zu unserer Kenntnis gekommen, dass durch den Alkohol ihre Existenz gefährdet ist. Ich verwarne Sie daher und ermahne Sie, sich in Zukunft des übermäßigen Konsums von Alkohol zu enthalten. Sollten Klagen über Sie laut werden, so werde ich Sie für einen Trunkenbold erklären.“

In seiner Power-Point-Präsentation zeigte Weber diverse Gasthäuser und machte klar, dass es bei dem Projekt nicht allein auf die Gasthäuser ankommt, sondern vielmehr auf das Leben, das sich in diesen abspielte, auf die Geschichten und die Rolle im Ort. Das Projekt startete im April und ist auf zwei Jahr angelegt. Aus dem Ergebnis wird es eine Wanderausstellung und ein Buch geben.

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