Auto steht seit Jahren still

Oldtimer nur noch Müll? Behörde droht dem Besitzer mit Verschrottung

Geradezu trotzig sitzt Andreas Heyer auf der Motorhaube seines rund 40 Jahre alten Ford Granada Turnier. Ein Modell der zweiten Generation, wie Ford sie von 1977 bis 1981 gebaut hat. Stark sanierungsbedürftig, aber dennoch ein Oldtimer mit Liebhaberwert. Das Auto steht auf privatem Grund und Boden. Der Landkreis will es trotzdem verschrotten lassen. Andreas Heyer empfindet das als Frechheit.
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Geradezu trotzig sitzt Andreas Heyer auf der Motorhaube seines rund 40 Jahre alten Ford Granada Turnier. Ein Modell der zweiten Generation, wie Ford sie von 1977 bis 1981 gebaut hat. Stark sanierungsbedürftig, aber dennoch ein Oldtimer mit Liebhaberwert. Das Auto steht auf privatem Grund und Boden. Der Landkreis will es trotzdem verschrotten lassen. Andreas Heyer empfindet das als Frechheit.

Dieses Auto ist unbestreitbar in die Jahre gekommen: Doch während sein Besitzer in ihm einen echten Schatz sieht, ist der Ford für den Landkreis Diepholz nur noch Müll.

Barrien – Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters. Was dem einen die Eule, ist dem anderen die Nachtigall. Sprüche und Sprichwörter gibt es für diesen Sachverhalt genug. Manchmal sind sie auch Grundlage amtlichen Handelns. Wie Andreas Heyer jetzt erfahren muss. Er soll seinen Oldtimer verschrotten. Weil er dem Landkreis nicht schön genug ist.

Heyer ist 65 und wohnt seit 2018 im ehemaligen Friseursalon an der Kieler Straße. So lange steht auch schon der betagte Ford vor dem Haus. Heyer hat ihn seit 20 Jahren und ist ihn lange Zeit fast täglich gefahren. Dann hatte der Wagen einen Motorschaden. Heyer besorgte einen Austauschmotor. „Aber der lief nie so richtig rund.“ Er verlor die Lust und kaufte sich als Alltagsauto einen 20 Jahre jüngeren Mercedes. Seitdem steht der Ford vor der Tür.

Um es ganz deutlich zu sagen: Das Auto ist vergammelt. Rostblasen, Rostlöcher, die Inneneinrichtung verschimmelt und teilweise demontiert. Da kann man durchaus den Eindruck gewinnen, jemand habe dort eine schrottreife Rostlaube abgestellt. „Aber so schlimm ist das gar nicht“, sagt Heyer. „Sandstrahlen, schweißen, spachteln, lackieren – und fertig ist die Laube. Und im Keller habe ich eine komplette Inneneinrichtung als Ersatz liegen.“

Schreiben mit Fragen zum Oldtimer nie gesehen

Zwei Dinge passierten dann parallel: Im Mai hatte Andreas Heyer einen Schlaganfall, musste erst in die Klinik und danach zur Reha. „Erst im August war ich wieder zuhause.“ Während dieser Zeit muss er das erste Mal Post vom zuständigen Fachdienst „Umwelt und Straße“ beim Landkreis Diepholz bekommen haben. Mit der Aufforderung zur Stellungnahme bis zu einer bestimmten Frist. Heyer sagt, er hat das nie gesehen. Das gilt auch für mindestens noch ein weiteres Schreiben der Behörde: Mit Datum vom 12. Oktober ist Heyer noch einmal aufgefordert worden, Stellung zu nehmen oder „die ordnungsgemäße Entsorgung“ der auf seinem Grundstück unerlaubt gelagerten Abfälle nachzuweisen. Darauf bezieht sich jedenfalls das jüngste Schreiben der Behörde vom 25. November, das uns vorliegt. Auch diesen Oktober-Brief will Heyer nie gesehen haben.

„Ich sage nicht, dass ich diese Schreiben nie bekommen habe, ich kann mich nur nicht erinnern. Vielleicht sind sie einfach untergegangen.“ Heyer führt das auf seinen Schlaganfall zurück, erzählt von Konzentrationsstörungen und geringer Aufmerksamkeitsspanne.

Oldtimer kostenpflichtig abschleppen und verschrotten lassen

Bis zum 31. Dezember soll Andreas Heyer jetzt den „unerlaubt gelagerten Müll“ vor seinem Haus entfernen. Anderenfalls stellt ihm der Landkreis in Aussicht, den Oldtimer kostenpflichtig abschleppen und verschrotten zu lassen.

„Ob das Fahrzeug als Oldtimer oder doch als Abfall im rechtlichen Sinne angesehen wird, hängt immer vom Einzelfall und den konkreten Umständen ab“, erklärt der stellvertretende Fachdienstleiter Bernd Fredrich schriftlich auf Nachfrage. „Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Erhaltungszustand und der Art der Lagerung des Fahrzeugs.“ Heißt: Weil der Wagen gammelig aussieht und unter freiem Himmel steht, ist er Müll. Das gleiche Auto frisch überlackiert unter einem Carport wäre ein Oldtimer.

Auto steht nicht im öffentlichen Verkehrsraum

Andreas Heyer findet das „ganz schön frech“ und sagt: „Das Auto steht nicht im öffentlichen Verkehrsraum, sondern auf privatem Grund und Boden. Es geht keine Umweltgefahr davon aus, weil die Betriebsflüssigkeiten längst abgelassen sind. Dann darf es da stehen. Und soweit ich weiß, gibt es da auch keine zeitliche Befristung.“

Das Wichtigste aus dem Landkreis Diepholz: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Der Landkreis geht auf diesen Aspekt nicht ein: Unsere Rückfrage dazu wird nur vage beantwortet. Das Fahrzeug sei der Behörde seit 2019 bekannt, heißt es in der Antwort. „Damals wurde eine Verwertungsabsicht glaubhaft dargelegt und das Fahrzeug wurde zusätzlich durch eine Plane abgedeckt, sodass eine gewisse Werterhaltung suggeriert wurde.“ Und weiter: „Zwei Jahre später wurde das Fahrzeug am selben Ort, noch immer im unveränderten Zustand, ohne erkennbare Verwertungs- oder Werterhaltungsmaßnahme vorgefunden, sodass im Juni 2021 ein erneutes abfallrechtliches Verfahren eingeleitet wurde.“

Die rechtliche Seite

„Man darf auf seinem eigenen Grundstück noch lange nicht machen, was man will.“ Darauf weist der Verkehrsrechtsexperte Roland Fritzsch von www.blitzerblog.de hin. Vor allem, wer längere Zeit abgemeldete Fahrzeuge auf seinem Grundstück abstellt, riskiere Ärger. Genau das ist bei Andreas Heyer der Fall. Sein Ford ist abgemeldet und nicht fahrbereit. Und einen Rechtsanspruch auf Abstellflächen für abgemeldete Fahrzeuge gibt es nicht. Auch nicht für Grundstücksbesitzer. Dabei spielt keine Rolle, ob das Grundstück offen zugänglich, „eingefriedet“ (also abgegrenzt) oder eingezäunt ist.

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