„Der Landkreis Diepholz beruhigt die Nerven“

Im Interview: Comedian Horst Evers kommt am Samstag ins Syker Theater

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Jetzt auch in Grün: Horst Evers heißt eigentlich Gerd Winter, schreibt aber unter einem Pseudonym, das er nach dem das Gebiet Evershorst in der Nähe seines Geburtsortes Diepholz benannt hat. 

Syke - Von Frank Jaursch. In Sachen Comedy ist Syke für gewöhnlich ganz gut versorgt: Die Wassermühle und das Gleis 1 sorgen für eine regelmäßige Versorgung mit bissiger Satire und humoriger Kurzweil. Den Höhepunkt des Jahres stellt wohl der Auftritt von Horst Evers am kommenden Sonnabend im Theater dar. Der Wahl-Berliner kommt nicht nur aus der ersten Comedy-Liga, sondern stammt auch noch aus der Region. Wir haben uns mit ihm unterhalten.

Horst Evers, am 18. November sind Sie zu Gast am Syker Theater. Syke freut sich auf Sie! Was für Erinnerungen haben Sie als gebürtiger Diepholzer an Syke?

Horst Evers: Ich war ungefähr zehn Jahre alt, als Syke und Diepholz durch die Kreisreform zusammengelegt wurden. Nach meiner Erinnerung hat dies die Syker damals nicht begeistert. Speziell da sie in der Folge mit dem Kennzeichen „DH“ rumfahren mussten, was einem in Bremen, wie ich aus eigener leidvoller Erfahrung weiß, schnell mal als „Dummer Hund“ oder noch schlimmer „Deutscher Hochadel“ übersetzt wird. Erst sehr viel später bin ich dann tatsächlich wegen einer Freundin mal selbst nach Syke gekommen und muss sagen: Als gebürtiger Diepholzer fühlt man sich dort schon auch sofort wie zu Hause.

Inwieweit löst die Rückkehr in unsere Landschaft ein Gefühl von Heimat aus?

Evers: Niedersachsen und speziell der Landkreis Diepholz beruhigt die Nerven. Zumindest bei mir. Das Vertraute, Gewohnte der Landschaft entspannt mich sofort. Das überrascht und freut mich jedes Mal sehr.

Der „kleine Mann aus der Provinz“ steht in Ihren Programmen immer wieder im Mittelpunkt. Wie viel „Kreis Diepholz“ steckt in dieser Figur? Und wie viel Gerd Winter?

Evers: Sehr viel. Es gibt die Redewendung: „Du kannst jemanden aus Niedersachsen rausholen, aber Du holst niemals Niedersachsen aus ihm“ (frei zitiert). Und letztlich funktionieren alle sozialen Strukturen der Welt, also wo immer Menschen miteinander umgehen, mehr oder weniger stets wie ein Dorf.

Ihr neues Programm trägt den Titel „Der kategorische Imperativ ist keine Stellung beim Sex“. Wie kommt man auf so einen Titel, und welche Rolle spielen Kant und Sex in dem Programm?

Evers:: Der kategorische Imperativ ist laut Kant das Grundprinzip der Ethik. Für mich stand am Anfang die Frage: Haben wir noch so was wie eine Ethik im Alltag auf die sich alle einigermaßen einigen können? Die Geschichten des Abends kreisen um diese Frage. Allerdings in einer sehr humorvollen und hoffentlich überraschenden Art und Weise. Bislang zumindest wurde immer sehr viel gelacht.

Nehmen Sie Kritik an Ihren Büchern anders wahr als Kritik an Ihren Auftritten als Kabarettist?

Evers: Noch eine Redewendung: Es gibt nur zwei Arten von Kritiken: gute Kritiken und ungerechte Kritiken. Zudem ist es sehr ratsam, sich niemals zu Kritiken zu äußern. Der große Unterschied zwischen Bühnenkritik und beispielsweise Buchkritik ist für mich: Bei einer Bühnenkritik, sei es in der Zeitung, von Freunden oder Zuschauern, kann ich, wenn es mir einleuchtet, sofort etwas ändern, also wirklich Nutzen aus der Kritik ziehen. Beim Buch hingegen muss man die Kritik egal, ob gut oder schlecht, einfach so hinnehmen. Es hilft ja nichts.

Die deutsche Comedy-Szene ist ein großer Haufen von Menschen, die sich zweifellos alle sehr, sehr gern haben. Gibt es einen Kollegen, mit dem Sie besonders gern gemeinsam auftreten würden? Wen? Und warum?

Evers: Es gibt viele Kollegen, mit denen ich einfach gerne Zeit auf und hinter der Bühne verbringe: Manfred Maurenbrecher, Frank Goosen, Jochen Malmsheimer… diese Liste wäre sehr lang, und ich entschuldige mich bei allen jetzt nicht genannten Kollegen. Eigentlich stand ich praktisch schon mit allen einmal irgendwo zusammen auf der Bühne. Sollte ich jedoch noch einmal ein neues Ensembleprojekt in Angriff nehmen, würde ich das gerne mit jungen Kolleginnen und Kollegen machen. Da könnte ich wahrscheinlich am meisten dazulernen.

In Ihren Shows geben Sie den Zuhörern des Öfteren Alltagstipps mit auf den Weg. Haben Sie schon mal einen für die Kreiszeitungs-Leser parat?

Evers: Lassen Sie ab vom Aberglauben. Denn es bringt Unglück, abergläubisch zu sein. Daran glaube ich aber fest.

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