Virtual Running

Konrad Münker organisiert Laufveranstaltungen, die es nur im Internet gibt

Konrad Münker hat mit dem Eintüten und Verschicken der Medaillen mindestens genauso viel zu tun wie mit dem Organisieren und Abwickeln seiner virtuellen Laufveranstaltungen.
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Konrad Münker hat mit dem Eintüten und Verschicken der Medaillen mindestens genauso viel zu tun wie mit dem Organisieren und Abwickeln seiner virtuellen Laufveranstaltungen.

Heiligenfelde – „Läufer sind alle irgendwo ein bisschen verrückt.“ Konrad Münker weiß, wovon er spricht, schließlich ist er selber einer. Seit vielen Jahren läuft er leidenschaftlich Langstrecke bis hin zum Marathon. Am liebsten zusammen mit vielen anderen. Wegen Corona sind solche Laufveranstaltungen aber schon seit Monaten nicht mehr möglich. Das hat den 48-Jährigen jetzt auf eine Geschäftsidee gebracht: Konrad Münker bietet Laufveranstaltungen im Internet an.

Münker hat dieses „virtual running“ nicht erfunden. Aber er hat es schon relativ früh ausprobiert, und die Resonanz hat ihn fast umgehauen. Jetzt hat er eine Firma gegründet, mit der er gewerbsmäßig virtuelle Laufveranstaltungen organisiert und durchführt. Nebenbei – im Hauptberuf ist Münker bei einer Spedition in Twistringen angestellt.

Die Idee dahinter ist ganz einfach: „Jeder läuft vor seiner Tür und trackt die Strecke über GPS“, erklärt Münker. „Entsprechende Apps fürs Handy gibt es reichlich.“ Die Protokolle werden eingeschickt, Münker wertet sie aus und verschickt Medaillen und Urkunden.

Und wo ist da jetzt die Geschäftsidee? „Die Teilnehmer zahlen Startgeld“, sagt Münker. „Und das funktioniert.“ Er erzählt: Auf die Idee gekommen sind er und seine Frau Ina Gogoll-Münker kurz nach dem Lockdown im Frühjahr. „Als es hieß, manche Tierparks müssten Tiere töten, weil sie nicht mehr wussten, woher sie das Geld für das Futter nehmen sollten.“ Im April hatten Münkers zu einem virtuellen Benefizlauf aufgerufen. „Uns war ein wenig mulmig“, sagt Konrad Münker. Schließlich hatte er nicht abschätzen können, ob sich überhaupt jemand dafür anmelden würde, und für die Teilnahmemedaillen war er mit immerhin rund 400 Euro in Vorleistung gegangen. Diese Sorge wich dann schnell der Panik, die ganzen Anmeldungen nicht abwickeln zu können. 122 Teilnehmer brachten am Ende einen Überschuss von 1000 Euro, den Münkers auf drei Tierparks in der Region verteilten. „Das machen wir weiter!“, war die euphorische Reaktion darauf. Und als dann auch die nächsten virtuellen Läufe ähnlich gute Resonanz erhielten, wuchs daraus die Idee: Vielleicht bleibt ja auch mal der eine oder andere Euro für mich selbst übrig. „Denn arbeitsintensiv ist das schon“, sagt Münker.

Das sind die Medaillen für die Aktion „Lauf Veg“.

Als erste Aktion seiner eigenen Firma hatte er die Aktion „Lauf Veg“ gestartet. Damit sammelt der überzeugte Vegetarier Geld für einen Gnadenhof im Sauerland und eine Tierschutzorganisation. Danach folgte ein virtueller Lauf gegen Rassismus und Antisemitismus. Vom Startgeld geht jeweils ein vorher festgelegter Teil an die jeweiligen Begünstigten. Wie viel und für wen genau, lässt sich über Münkers Internetseite nachvollziehen. „Das ist alles völlig transparent und offen“, sagt er.

Tatsächlich nur auf eigene Rechnung und ohne Spendensammeln ist Münkers jüngstes geistiges Kind: ein Pizza-Lauf. Zwölf Kilometer in beliebigem Tempo. „So viel braucht es, um die rund 800 Kalorien abzubauen, die eine durchschnittliche Pizza hat“, erklärt Münker. Dafür gibt’s eine Medaille in Italien-Grün-Weiß-Rot mit einer stilisierten Pizza-Ecke. Alle drei Aktionen (Achtung, Kalauer!) laufen übrigens noch.

Aber warum in Emil Zatopeks Namen zahlt jemand wildfremden Leuten Geld dafür, dass er seine Trainingsstrecke läuft, die er sowieso laufen würde? – Da kommt für Konrad Münker wieder die Läufer-Psyche ins Spiel. „Weil du da eine Anerkennung für deine Leistung kriegst. Weil du so Teil von etwas Größerem sein kannst. Und weil richtige Laufveranstaltungen jetzt nicht stattfinden können. Das macht man, um zu zeigen: Ich kann’s. Du hast ja nicht mal jemanden, der dir an der Strecke ein Wasser reicht, wie bei den offiziellen Läufen. Aber du bist Teil einer Community. Und das ist eine Motivationshilfe. Ich weiß ja, bei wie viel Läufen ich selber mitgemacht habe. Und wie ich bei der Anmeldung immer geguckt habe: Gibt’s da ‘ne Medaille? Nee, nur ‘ne Urkunde. Dann will ich da nicht hin.“ Läufer sind eben alle irgendwo ein bisschen verrückt. Quod erat demonstrandum.

Im Netz: www.virtual-running-world.com

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