Zweite Bläserklasse der GTS 2001

Orchesterprobe in der Schule: In kurzer Zeit schon viel erreicht

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Vor etwas mehr als einem halben Jahr haben die Kinder quasi bei null angefangen – jetzt können sie schon ein paar Stücke spielen und steigern langsam den Schwierigkeitsgrad.

Syke - Von Michael Walter. Fchchchch... – so ungefähr hört es sich an, wenn 20 Kinder ihre Blasinstrumente warm spielen, ohne dabei einen Ton zu erzeugen. Ein quasi stummes Hineinblasen. Vorstufe zur Übungseinheit für die Bläserklasse der GTS 2001.

„Das ist schon die zweite Bläserklasse bei uns“, sagt Musiklehrer Uli Schmidt. „Vor zwei Jahren hatten wir schon mal einen Durchgang.“ Die neue Klasse – 20 Schüler aus dem fünften Jahrgang – haben bei Null angefangen. Vor einem guten halben Jahr haben sie ihre Instrumente bekommen. „Und jetzt können sie schon ein bisschen spielen.“

Das Besondere daran: Das Angebot ist für die Eltern umsonst. „Normalerweise müssen Eltern mindestens die Miete für die Instrumente bezahlen“, sagt Schmidt. An der GTS 2001 nicht. Möglich gemacht hat das die Kreissparkasse, die zu Beginn des Schuljahrs rund 5 000 Euro für zusätzliche Instrumente gespendet hatte. „Ohne das hätten wir es nicht gekonnt“, sagt Schmidt.

Blasmusik im Orchester ist kompliziert. Erst recht, wenn man praktisch ohne Vorkenntnisse beginnt. Dass die gleiche Note bei drei verschiedenen Instrumenten drei verschiedene Töne erzeugt und die dann erst zusammen den richtigen Ton ergeben – das muss einem erst mal in den Kopf. 

„Das hier ist für die Trompeten ein gehörtes C“, erklärt Schmidt. „Für die Posaunen ist es ein gehörtes B und für die Hörner ein F. Und wenn es alle zusammen spielen, ergibt das wieder ein B.“

Die meisten Kinder treffen die Töne schon ziemlich gut

Die Probe beginnt. Schmidt gibt den Dirigenten. Obwohl er fast schon an einen Gebärdendolmetscher erinnert. Er zieht die Arme zu sich heran, drückt sie wieder weg, mal aufwärts, mal abwärts: Jede Note hat ihr eigenes Zeichen. Eine praktische Hilfestellung für die Kinder, die nicht immer hundertprozentig der Partitur auf ihren Notenständern folgen können.

Blasmusik im Orchester ist kompliziert. Erst recht, wenn man sich auf mehrere Aufgaben gleichzeitig konzentrieren muss. Aufgabe eins: Den Ton richtig treffen. Das gelingt den meisten schon ganz gut, wenn auch nicht durchgehend konstant. 

Aufgabe zwei: das Timing. Heißt: gleichzeitig einsetzen, die richtige Tonlänge finden, und gleichzeitig wieder aufhören. Die Schwierigkeit lässt sich dabei deutlich erhöhen, wenn die einzelnen Instrumentengruppen alle etwas anderes spielen. „Gerade zu Anfang kann das zu Konfusion führen“, sagt Schmidt.

Eine Gruppe spielt den Rhythmus, die andere die Melodie

„Was war jetzt nicht so gut?“, fragt der Musiklehrer in die Runde. Seine Schüler sind selbstkritisch genug. „Das Tempo hat nicht gestimmt“, sagen sie. Im zweiten Versuch klappt’s dann wie am Schnürchen. „Das war jetzt richtig gut“, lobt der Lehrer.

Das war quasi das Vorglühen. Jetzt ist der Punkt erreicht, an dem die Kinder eine neue Herausforderung meistern sollen: die Kombination aus unterschiedlichen Tönen und unterschiedlichem Tempo für die einzelnen Instrumentengruppen. 

Die Eufonien, also die Wohlklänge, werden praktisch zur Rhythmusgruppe und spielen als Grundlage ihr Thema durch. Die anderen legen unterschiedliche Melodien obendrauf. Gleichzeitig. „Das geht jetzt an die Leistungsgrenze“, sagt Schmidt. Die Kinder nehmen die Herausforderung an.

Die Klarinetten müssen da jetzt durch

Es klappt nicht auf Anhieb. Zu viel auf einmal müssen die Schüler beachten. Ein Grundsatz lautet: Egal, was passiert – die Rhythmusgruppe muss konsequent durchziehen. Macht sie auch, in diesem Fall aber zu laut. „Habt ihr die Trompeten noch hören können?“, fragt Schmidt. Antwort: „Nur ganz leise.“

Nächster Versuch. Diesmal sind es die Posaunen, die zu laut werden. Der Lehrer hebt lediglich eine Augenbraue – die „Missetäter“ verstehen sofort und nehmen sich zurück. Nützt trotzdem nichts. Es geht irgendwie durcheinander.

„Weiß jeder noch, wo wir sind?“, unterbricht Schmidt. Diese eine Stelle erweist sich besonders für die Klarinetten als hakelig. Mehrmals probieren sie diesen Part allein. Dann geht es für alle weiter.

Wenn diese Orchesterstunde vorüber ist, geht es für die Kinder noch weiter. Dann üben die einzelnen Instrumentengruppen separat. Die Kinder sind sicher: Irgendwann, in gar nicht allzu langer Zeit, werden sie dieses Stück drauf haben. Ihre Motivation ist hoch. Denn obwohl sie erst wenig Erfahrung sammeln konnten, wissen sie schon ganz genau: Blasmusik im Orchester ist kompliziert. Aber geil.

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