Eine Zwischenbilanz

Landsitz Wachendorf geht in sein zweites öffentliches Jahr

René Rameil und Sabine Greulich stoßen auf viele weitere Jahre am Landsitz Wachendorf an. - Foto: mwa
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René Rameil und Sabine Greulich stoßen auf viele weitere Jahre am Landsitz Wachendorf an.

Wachendorf - Von Michael Walter. Das erste Jahr liegt hinter ihnen – eigentlich sogar schon das zweite: Im Sommer 2016 sind Sabine Greulich und René Rameil in das alte Seevers-Anwesen am Hermann-Löns-Weg in Wachendorf eingezogen.

Ihr Ziel: Dort einen Ort für Kunst und Kultur zu schaffen. Im August 2017 hatten sie ihren Landsitz Wachendorf dann im Rahmen des Gartenkultur-Musikfestivals erstmals einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert. Gelegenheit, Bilanz zu ziehen: Was hat geklappt? Was nicht? Welche ihrer Ideen konnten sie umsetzen? Und wie geht es weiter?

„Ich hätte nie gedacht, dass ein Leben mit Hühnern so klasse ist“, sagt Sabine Greulich mit einem Augenzwinkern. Gleich in dreifacher Ausführung gehört das Federvieh zum Inventar: Moni, Alte Dame und Huhn Nummer Sechs sind handzahm und laufen frei über das Außengelände. „Sie hoffen, dass sie von den Gästen ein paar Keks- und Kuchenkrümel abkriegen.“

Ganz so unbeschwert und idyllisch, wie diese Momentaufnahme anmutet, ist der Alltag am Landsitz Wachendorf allerdings nicht. Anfang des Jahres plagten Rameil und Greulich große finanzielle Sorgen. „Es ging um unsere Existenz“, sagt Rameil. Und Greulich ergänzt: „Die Besucher denken immer, dass uns das alles hier gehört und staunen dann immer, wenn sie erfahren, dass wir nur Pächter sind. Es war ja von Anfang an die große Frage, ob wir uns das überhaupt leisten können würden.“

„Wir wollen kein Verein sein“

Denn Fakt ist: Rameil und Greulich verdienen mit ihrer Kulturstätte keinen Cent. Im Gegenteil finanzieren sie den Betrieb mit ihrer hauptberuflichen Tätigkeit. Greulich arbeitet als Beraterin für Menschen, die mit Demenzkranken zu tun haben, Rameil ist Kunstlehrer. Das Problem: Zwei Jahre lang war er ohne Job. Das hat sich jetzt geändert. Seit Ende der Sommerferien ist er bei der Waldorfschule in Bruchhausen-Vilsen angestellt. Für den Landsitz Wachendorf bedeutet das: Es kann weitergehen.

Im vergangenen Jahr war der Landsitz erstmals Teil des Gartenkultur-Musikfestivals (Bild). Am kommenden Sonntag spielt das Trio Melisande Werke von Claude Debussy.

Von ihrem ursprünglichen wirtschaftlichen Konzept mussten Greulich und Rameil sich verabschieden. Der Plan war, den Kunst- und Kulturbetrieb mit Einnahmen aus der Vermietung von Seminarräumen zu finanzieren. Rameil: „Zwei Seminare im Monat, und wir hätten unsere Festkosten drin gehabt. Dann wären wir über die Runden gekommen. Aber das hat nicht funktioniert. Tatsächlich hatten wir nur fünf Seminare im ganzen Jahr. Um regelmäßig gebucht zu werden, hätten wir uns auf unakzeptable Bedingungen einlassen müssen.“ Das Wort „Knebelverträge“ liegt in der Luft.

Gut funktioniert haben dagegen die Ansätze, einen Ort für Kunstausstellungen und „Kunst machen“ zu schaffen sowie eine Raststätte für Familien und Fahrrad-Ausflügler anzubieten. Kaffee und Kuchen gibt’s dazu – ein paar Euro als Spende sind als Gegenleistung willkommen.

Greulich: „Es gibt inzwischen etliche Wiederholungstäter, die sich mit uns freuen, was sich im Lauf der Zeit so alles verändert hat und wenn sie wieder was entdecken, das sie vorher noch nicht gesehen haben.“

Sonntag Konzert fürs Musikfestival

Das bezieht sich vor allem auf das weitläufige Außengelände. Alle paar Schritte bieten Blumenbeete, Stauden und regelrechte Pflanzen-Oasen dem Auge Halt. Geschaffen in mühevoller Schweißarbeit. Greulich: „Als wir eingezogen sind, war da draußen praktisch nichts. 

Ein Drittel der Pflanzen haben wir aus unseren früheren Gärten mitgebracht, zwei Drittel haben wir über Kleinanzeigen bekommen.“ Rameil: „Die Baumschule Wolters hat uns immer mal wieder mit Pflanzen versorgt, die sich nicht mehr verkaufen ließen, weil irgendwo ein Ast abgebrochen war. Ich glaube, die haben uns allein schon deshalb ins Herz geschlossen, weil wir die alle wieder aufgepäppelt haben.“

Auch das zweite öffentliche Jahr wird der Landsitz Wachendorf als reine Privatinitiative erleben. „Wir wollen kein Verein sein“, sind sich Rameil und Greulich sicher. „Obwohl das vieles leichter machen könnte“, sagt Rameil. „Wir könnten zum Beispiel Fördermittel für bestimmte Projekte beantragen. Aber Vereinsarbeit wirkt auf uns beide gleichermaßen abschreckend. Das ist einfach nichts für uns.“

Den Bereich Musik möchte Sabine Greulich mittelfristig weiter ausbauen. Spielort für das Gartenkultur-Musikfestival war der Landsitz Wachendorf schon im vorigen Sommer. Nächsten Sonntag ist er es wieder: Zum Abschluss der Syker Beiträge spielt das Trio Melisande ab 15 Uhr Debussy-Werke an der Harfe, der Querflöte und der Viola. Der Garten ist ab 13 Uhr geöffnet. „Musiker finden diesen Ort inspirierend“, hat sie festgestellt. „Vielleicht werden wir ja auch mal Spielort für Jazz Folk Bike.“

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