Kunst für Kinderhände

Inna Götze verkauft Puppen nach Kundenwunsch in alle Welt

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In ihrem kleinen Atelier stellt Inna Götze mit viel Detailverliebtheit Puppen für Kinder und Sammler aus aller Welt her.

Henstedt - Von Marc Lentvogt. Etwas scheu greife ich nach der verletzlich aussehenden Puppe. Feinmotorik ist mir eher fremd, das schöne Kunstwerk möchte ich nur ungern zerstören, weil ich zu fest zugreife. Aber, ich werde überrascht: Die Puppe ist viel stabiler, als ich es erwartet habe.

Gereicht hat sie mir wenige Sekunden zuvor Inna Götze. „Ich mache meine Puppen für Kinder. Die sind zum Spielen gemacht“, beteuert sie mit einem Lächeln im Gesicht. Die Scheu, die fein gearbeitete Puppe zu verletzen, bleibt noch einen Moment, aber Hände, Füße, das Gesicht, alles an der Puppe ist fest, gibt beim Drücken nur wenig nach.

Etwa 30 bis 35 von Götzes Arbeitsstunden halte ich in der Hand. Diese Zeit investiert sie an Wochenenden und in ihrer Freizeit. Ihre Vollzeitstelle als Controllerin bei einem Logistikunternehmen und die aufwendige Arbeit an den Elfen, wie Götze ihre Puppen nennt, ergänzen sich. Für ihre detailverliebte Arbeit schließt sie sich auch mal zwei Stunden in ihrem Atelier ein, der Alltag mit den Kollegen verhindert, dass Götze in die Verlegenheit kommt, zuviel Ruhe zu haben.

„Da mache ich die Tür zu, lasse nichts an mich heran“

Diese braucht Götze insbesondere dann, wenn sie das Gesicht einer Puppe gestaltet. „Das ist ein Akt, da muss man gute Laune haben und von der Muse geküsst sein. Da mache ich die Tür zu, lasse nichts an mich heran.“ Das klingt zunächst nach viel Stress, doch in Götzes Blick lässt sich erkennen: Allein der Gedanke an die Arbeit lässt sie Freude spüren.

Inna Götze sitzt im Schneidersitz auf ihrem Arbeitsstuhl, in ihrer Hand dampft ein Kaffee, neben ihr sitzen drei Puppen. „Die habe ich extra für den Termin noch einen Tag zurückgehalten“, bald fliegen sie in aller Herren Länder. „Es ist alles ein Hobby, sonst würde ich es nebenberuflich nicht machen.“ Ein Hobby aber, welches Götze nahe der Perfektion betreibt.

Vor einigen Jahren wurde eine Werbeagentur auf ihre Werke aufmerksam. Sie kauften eine der Elfen, wenig später fand sie sich in einem Werbespot für Kinder-Schokolade wieder. „Anfangs hat mein Mann mich glaube ich belächelt, das war aber ein Aha-Erlebnis, dann war er stolz.“

Anfragen des Großhandels abgelehnt

Es folgten Anfragen des Großhandels, doch mit dem Anliegen der massenhaften Herstellung ihrer Elfen, bissen sie bei Inna Götze auf Granit. „Meine Puppen sind keine Massenware. Das bin ich nicht, das müssen andere machen.“

Aber hat sie nicht vielleicht einmal darüber nachgedacht ihre Arbeit in der Wirtschaft aufzugeben und sich hauptberuflich dem Puppenmachen zu widmen? „Einen ganz kurzen Moment gab es“, gesteht sie, aber nachdem sie einmal in kurzer Zeit viele Puppen fertiggestellt hatte, wurden für sie persönlich auch Nachteile sichtbar. Das Stopfen der Puppen belastet den Körper sehr stark und einseitig, außerdem „arbeitet man als Puppenmacherin immer allein“.

Natürlich gäbe es aber Karrieremöglichkeiten. Sammlerobjekte, die sich von Götzes derzeitigen Puppen durch ein sehr viel stärker ausgearbeitetes Gesicht abheben würden, erzielen einen Preis im vierstelligen Eurobereich. Ihre kleinste Puppe, ab 15 Zentimetern, und mit einfacher Ausstattung ist derzeit ab 100 Euro zu erstehen.

„Eine Puppe gehört nicht als Sammlerobjekt hinter Glas“, erläutert sie, warum dieser Weg der richtige für sie ist. „Ich finde es schöner, Bilder von glücklichen Kindern zu sehen.“ Diese Bilder erhält sie aus ganz unterschiedlichen Ländern. Fünf Elfen hat sie bereits nach Hawaii verkauft, andere haben ihre Heimat nun an der kalifornischen Küste, auf Neuseeland oder in Berlin.

Geballtes Marketing-Wissen

Um einen glücklichen Zufall, bei dem Talent und Chance zueinandergefunden haben, handelt es sich bei Inna Götzes Handwerk mitnichten – die Diplom-Kauffrau schöpft für den Verkauf ihrer Puppen aus ihrem geballten Marketing-Wissen. Im Alleingang hat sie ihr Geschäft entwickelt und auf das Niveau gehoben, welches sie heute zu einer gefragten Puppenmacherin macht. „Meine Qualitätsstandards sind sehr hoch, die Puppen bestehen ausschließlich aus Bio-Materialien“, erläutert sie.

Am wichtigsten ist die Schafwolle, mit der die Puppen gefüllt sind. „Hält man die Puppe in der Hand, nimmt die Wolle die Körpertemperatur an“, gibt sie Einblick. Einige ihrer Kunden haben gar berichtet, dass das Streicheln der Puppe Kinder beruhigt, eine Wirkung entfaltet, ähnlich einer Katze.

Obwohl sie in den vergangenen beiden Jahren weniger Puppen herstellen konnte, lässt die Nachfrage nicht nach. Kunden, die Mitte November auf die Idee kamen, eine von Götzes Puppen zu Weihnachten zu verschenken, erlebten eine böse Überraschung: Die Nachfrage ist so hoch, dass Anfragen derzeit auf Ende Februar vertröstet werden müssen. „Ich habe viel zu wenig Zeit“, äußert Götze mit einem entschuldigenden Lächeln im Gesicht. Schade, denn in jeder Minute, die Götze aufbringt, entsteht ein Kunstwerk zum Anfassen.

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