Kundin erbost über Telepoint-Markt

Kredit kriegt nur, wer Deutsch spricht

Syke - Von Frank Jaursch. Die neue Waschmaschine war schon ausgesucht, das Finanzierungsangebot stand: Eigentlich waren sich das Syker Ehepaar und der Verkäufer des Telepoint-Marktes einig. Doch als es an die Einzelheiten ging, platzte der Deal: Weil der Mann – ein Ghanaer – als Kreditnehmer kaum Deutsch spricht, bekam er keinen Kredit.

Ein Unding, findet seine Ehefrau. Die 50-jährige Sykerin ist erbost darüber, dass ihr Ehemann „einfach so“ weggeschickt wurde. Die Begründung des zuständigen Mitarbeiters – „Ihr Mann muss verstehen, was er unterschreibt“ – lässt sie nicht gelten. „Das sind doch scheinheilige Argumente“, ärgert sie sich.

Seit sechs Jahren lebt der Ghanaer jetzt in Deutschland, spricht auch mit seiner Frau nur Englisch. Zum Kauf hatte er seinen Aufenthaltstitel und seinen Pass dabei, kann auch ein laufendes Arbeitsverhältnis vorweisen. Die Aussagen in den rund 20 Seiten umfassenden Kreditbedingungen versteht er zwar nicht. „Aber ich kann doch für meinen Mann übersetzen“, erklärt die Ehefrau. Sie selbst kann derzeit wegen einer laufenden Insolvenz nicht als Käuferin oder Mit-Antragstellerin auftreten.

Doch auch ihr Übersetzungs-Angebot ändert nichts: Der Kauf mit Finanzierung kommt nicht zustande. Die Sykerin ärgert sich vor allem über die grundsätzliche Ablehnung – noch vor der obligatorischen Bonitätsprüfung. „Er hat sich 20 Minuten lang geweigert, die Schufa-Abfrage zu machen“, schildert die Ehefrau des Ghanaers. „Ich glaube, der wollte das einfach nicht.“

Diesen Vorwurf weist der Telepoint-Mitarbeiter Alexander Mielke entschieden von sich. „Ich lasse mich hier nicht in eine rassistische Ecke drängen“, stellt der Serviceleiter des Syker Technikmarktes klar. „Da gehe ich an die Decke.“

Mielke erläutert, warum er die Finanzierung abblockte: „Das sind Vorgaben der Banken.“ Wer eine solche Finanzierung angeht, muss sich durch einen ganzen Schwung an Formularen kämpfen: die Widerrufsbelehrung zum Beispiel, die Europäische Standard-Information für Verbraucherkredite oder auch die Erläuterungen zum Kreditvertrag gemäß § 491a Abs. 3 BGB. Wenn ein Kunde die Kreditbedingungen nicht verstehe, reiche das nicht für einen Geschäftsabschluss. „Platzt das Ding, hab ich es an der Backe“, umschreibt er das Problem.

Mielke bedauert, dass es nicht zum Abschluss kam: „Den Umsatz würde ich gerne mitnehmen, aber es geht nicht. Da sind mir die Hände gebunden.“

Warum die Formulare nicht in anderen Sprachen zur Verfügung stehen, konnte der Telepoint-Mitarbeiter gestern nicht sagen. Aus seiner beruflichen Erfahrung weiß Mielke aber, dass das Problem kein Einzelfall ist. „Solche oder ähnliche Beschwerden haben wir schon immer gehabt.“

Als Finanzierungs-Dienstleister steht bei Telepoint die Commerz-Finanz, ein Gemeinschaftsunternehmen der BNP Paribas Personal Finance und der Commerzbank, bereit. Aus der Zentrale in München gab es gestern keine Stellungnahme, warum die Bedingungen nicht mindestens auch auf Englisch bereit gestellt werden können.

Rubriklistenbild: © dpa

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