Kunde will Neuerung nicht – Kreissparkasse kündigt gesamtes Online-Banking

Zwist ums digitale Postfach

Syke - Von Frank Jaursch. Seit mehr als 30 Jahren ist Dr. Michael Brahde Kunde der Kreissparkasse (KSK) Syke. Und bislang so zufrieden, dass er ihr auch nach seinem Umzug nach Göttingen als Kunde erhalten blieb. Doch jetzt steht die Geschäftsbeziehung auf der Kippe – weil der 66-Jährige einen neuen „Vorteil“ des Online-Bankings nicht nutzen will.

Seit rund zehn Jahren nutzt Brahde bereits das Online-Banking der KSK. Dieses Angebot ermöglicht es ihm, seine Finanzangelegenheiten auch von Göttingen aus problemlos zu verwalten.

Im März flattert ein neues KSK-Angebot in sein Haus: Ein elektronisches Postfach soll „Kommunikationsmöglichkeiten vereinfachen“. Brahde will das nicht. „Das soll bleiben wie bisher.“

Der Zahnarzt im Ruhestand möchte seine Kontoauszüge weiter selbst in der Sparkasse ausdrucken lassen – und nicht als Datei zugeschickt bekommen.

Zudem müsste er sich dazu verpflichten, alle 14 Tage in sein Postfach zu schauen. Brahdes Problem: „Ich bin oft länger im Ausland unterwegs.“ Sich dort, in unbekannten Netzwerken, in die Konten einzuloggen, käme ihm nicht in den Sinn. „Das ist mir zu unsicher.“

In einem Schreiben an die KSK lehnt er das Angebot ab – diese Möglichkeit wird ihm in den Bedingungen ausdrücklich eingeräumt.

Doch die Sparkasse reagiert, versucht in Telefonaten, Brahde vom Sinn des Postfachs zu überzeugen. Als er weiterhin ablehnt, so berichtet Brahde, droht eine KSK-Mitarbeiterin mit der Kündigung des gesamten Online-Bankings.

Ein Vorgehen, das Brahde irritiert. Denn in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen steht kein Passus, der erklärt, dass Online-Banking und Online-Postfach einander bedingen. „Es wäre auch fraglich, ob solche Bedingungen aus Sicht des Verbraucherschutzes gültig wären“, glaubt Brahde.

Der Kunde bleibt bei seinem Nein. Und die KSK bleibt bei ihrem „Dann eben nicht“ – und kündigt Michael Brahde das gesamte Online-Banking zum 31. August. Die Begründung: Es liege ein „wichtiger Grund“ vor, denn das Online-Postfach sei mittlerweile ein „integraler Bestandteil des Online-Banking“ geworden.

„Irgendwas ist da windelweich“, ist sich Brahde sicher. Der Göttinger will eigentlich Kunde bleiben („30 Jahre Geschäftsbeziehung gibt man nicht ohne weiteres auf“). Aber für die Kündigung zeigt er kein Verständnis. „Ich habe doch nur von dem Recht, das die mir angeboten haben, Gebrauch gemacht!“ Er glaubt, dass noch andere Kunden vor dem gleichen Dilemma stehen. „Ich kann doch nicht der einzige sein.“

„Gucken, dass wir einen Konsens finden“

Seine Vermutung bestätigt Steffen Bußmann, Leiter des Vorstandssekretariats bei der KSK. Insgesamt seien etwa 25000 Kunden im Zusammenhang mit dem neuen Online-Postfach angeschrieben worden. Weniger als ein Prozent hätte Nachfragen gehabt, in persönlichen Gesprächen hätten die KSK-Mitarbeiter den Kunden dann die Hintergründe erklärt. Zwei bis drei Fälle seien schließlich ähnlich wie die von Michael Brahde abgelaufen.

„Dass so eine Änderung nie ganz geräuschlos abgeht, ist normal“, so Bußmann. Er gibt technische Gründe dafür an, dass das Online-Banking künftig nicht mehr ohne digitales Postfach funktioniert.

Allerdings glaubt Bußmann, die Bedenken Brahdes zerstreuen zu können: „Dem Kunden bleibt ja überlassen, was ins Postfach reinkommt.“ Kontoauszüge etwa können dazugehören, müssen aber nicht. Der KSK gehe es mit dem Postfach darum, den Kunden Änderungen oder allgemeine Informationen zukommen zu lassen, zu deren Zustellung sie rechtlich verpflichtet sei.

Bußmann betont: „Wenn Kunden mit einzelnen Komponenten des Postfaches Probleme haben, gucken wir, dass wir einen Konsens finden.“ Und die 14-tägige Verpflichtung zur Einsichtnahme? „Hat in der Praxis keine Relevanz.“ Der Passus sei bundesweit bei Sparkassen vorgeschrieben, „den kriegen wir da auch nicht raus“. Passiert sei deswegen noch nie etwas.

Rubriklistenbild: © dpa

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