Kulturtempel statt Leerstand 

Stadt und Politik suchen nach Wegen zur Belebung der Innenstadt

+
Ziemlich genau ein Jahr ist es jetzt her, dass die alte Eisdiele an der Hauptstraße 11 abgerissen worden ist. Das Grundstück ist seitdem unbebaut. Könnte dort die neue Stadtbibliothek entstehen?

Syke - Die Planungen für einen Umzug der Bibliothek in die Innenstadt sind weiter fortgeschritten als die meisten glauben. „Wenn wir einen Ratsbeschluss hätten, könnten wir sofort bauen“, ließ Erster Stadtrat Thomas Kuchem am Mittwochabend im Ausschuss für Naherholung und Kultur durchblicken.

Laut Kuchem kommen konkret drei Standorte dafür in Frage. Einer ist noch bebaut. „Über Details kann ich aufgrund verschiedener Interessen jetzt nicht sprechen“, so Kuchem.

Drauf gekommen war der stellvertretende Verwaltungs-Chef und Wirtschaftsförderer im Zusammenhang mit einem Positionspapier zur Stärkung der Innenstadt, das er im Ausschuss kurz vorstellte. Grob zusammengefasst geht es darin um die Wechselwirkung zwischen Leerständen und nachlassender Anziehungskraft auf Kunden und Besucher. Und um die Frage, wie man dem entgegenwirken kann. Zentrale Aussage: Die Innenstadt braucht etwas, das die Leute anzieht und „Frequenz“ bringt.

Die neue Bibliothek könnte das sein. Vorausgesetzt, man stellt sich mehr darunter vor als „bloß“ einen Ort mit Büchern. Sondern eher eine Art „Kulturtempel“ – der Begriff fiel tatsächlich in der Diskussion – oder ein „Begegnungszentrum“, wo es Vorträge und Workshops gibt, wo man Feiern und Ähnliches veranstalten kann, wo es vielleicht auch eine Kinderbetreuung gibt, wenn die Eltern in der Stadt zu tun haben, und wo die eigentliche Bibliothek nur ein kleiner Teil vom Ganzen ist.

Kuchem stellte grundsätzlich klar: Was die Belebung der Innenstadt angeht, ist die Kommune, sind Verwaltung und Politik gefordert. „Aber ausdrücklich nicht allein!“ Auch die Betreiber von Geschäften und – vor allem – die Inhaber der Gebäude müssten was tun.

Genau an diesem Punkt sind in der Vergangenheit alle Bemühungen immer gescheitert. Die Stadt hat keinen Hebel, den sie ansetzen könnte, um beispielsweise einen Hausbesitzer zu zwingen, Leerstand zu beseitigen oder marode Bausubstanz zu modernisieren. Das könnte sich demnächst aber ändern. Thomas Kuchem verwies auf das Quartiersgesetz, an dem der Niedersächsische Landtag gerade arbeitet. Damit könnten Kommunen Regeln für das Zusammenspiel zwischen Verwaltung, Eigentümern und Betreibern aufstellen. Und wären diese Regeln einmal mehrheitlich beschlossen, wären sie auch einklagbar und alle müssten sich daran halten.

Abzustimmen gab es an dieser Stelle noch nichts. Der Ausschuss nahm die Ausführungen zu Kenntnis. „Sehr, sehr wohlwollend“, wie Vorsitzender Gerhard Thiel (Grüne) betonte.

Handfester wurde es beim zweiten großen Thema des Abends: Schon vor einiger Zeit hatte der Rat der Stadt beschlossen, einen Kulturring ins Leben zu rufen, in dem die Kulturschaffenden selbst ein festes jährliches Budget an Fördergeldern verteilen können (wir berichteten). Dafür musste der Ausschuss jetzt Richtlinien definieren. Nach intensiver Diskussion empfahl der Ausschuss den Vorschlag der Verwaltung mit einigen Änderungen zum Beschluss durch den Rat. So sollen etwa auch gemeinnützige Kulturvereine als förderfähig anerkannt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Fotostrecke: Werders Pleite gegen den SC Paderborn

Fotostrecke: Werders Pleite gegen den SC Paderborn

Dörflicher Weihnachtsmarkt in Nordwohlde

Dörflicher Weihnachtsmarkt in Nordwohlde

Nikolausspektakel und Zwergenweihnacht in Hoya

Nikolausspektakel und Zwergenweihnacht in Hoya

Weihnachtliche Kulturtage in Syke

Weihnachtliche Kulturtage in Syke

Meistgelesene Artikel

Bassumer Ehepaar spendet 10. 000 Euro – und erntet Shitstorm

Bassumer Ehepaar spendet 10. 000 Euro – und erntet Shitstorm

Alarmauslösung mit weniger Sirenenkrach

Alarmauslösung mit weniger Sirenenkrach

Trotz Regenwetters: Syker lassen sich Weihnachtliche Kulturtage nicht vermiesen

Trotz Regenwetters: Syker lassen sich Weihnachtliche Kulturtage nicht vermiesen

Neun Minuten pures Adrenalin: Pastor Kopp klettert Turm der Christuskirche hoch

Neun Minuten pures Adrenalin: Pastor Kopp klettert Turm der Christuskirche hoch

Kommentare