„Kulturbrücken“-Projekt im Kreismuseum

Kunst, die Grenzen überwindet

Kao Ra Zen aus Kenia beschäftigt sich häufig mit seiner eigenen Herkunft und, wie in diesem Fall, mit der Bedeutung Afrikas für Deutschland: Auf der Museumsdiele entsteht das Gemälde von Haile Selassie, dem Messias der Rastafari-Religion.
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Kao Ra Zen aus Kenia beschäftigt sich häufig mit seiner eigenen Herkunft und, wie in diesem Fall, mit der Bedeutung Afrikas für Deutschland: Auf der Museumsdiele entsteht das Gemälde von Haile Selassie, dem Messias der Rastafari-Religion.

Syke - Von Marvin Köhnken. Mein erster Eindruck trügt: Beim Blick über das Gelände des Kreismuseums deutet nur wenig darauf hin, dass ich gerade in ein buntes Reich der Fantasie eingetreten bin. Eines, das in der Lage ist, die Kontinente zu umspannen.

Überall auf dem Grundstück entdecke ich nach und nach die Künstler des Projekts „Kulturbrücken“, das am Dienstag begonnen hat. Und das heute und morgen seinen Höhepunkt findet. Dann nämlich, wenn die Teilnehmer aus aller Welt ihre in dieser Woche gestalteten Kunstwerke der Öffentlichkeit präsentieren wollen.

Nach und nach begegne ich den Künstlern, vertieft in ihre Arbeit oder im Austausch mit anderen Kreativen. Ganz so, wie es sich Initiatorin Marianna Buchwald mir gegenüber im Vorfeld des Projekts gewünscht hat. „Aufregend“ sei es, dieser Workshop, in dem etwas Neues, etwas Künstlerisches entsteht. In dem rund 15 Künstler die Kunst über alle Sprachbarrieren hinweg als Form der Verständigung nutzen und Ideen sammeln.

Gemälde des Rastafari-Messias auf dem Dielenboden

In der Diele des Museums nimmt diese Vision Konturen an: Auf dem Fußboden entwirft der aus Kenia stammende Kao Ra Zen eine Tusche-Zeichnung des äthiopischen Kaisers Haile Selassie – einem Mann, der in der weltweit verbreiteten Rastafari-Religion als wiedergekehrter Jesus Christus, als der die Völker verbindende Messias gilt.

Der junge Mann fesselt nicht nur meine Aufmerksamkeit, auch die übrigen Künstler hat er bereits vielfach in seinen Bann gezogen. Christa Zoch aus Bremen hat den Kenianer kurzerhand zum Motiv eines ihrer Bilder gemacht. Mit geübter Hand skizziert sie die Umrisse des Mannes. Einmal, zweimal, dreimal – auf ein und demselben Bild – um seine Bewegungen einzufangen und die Spur, die Kao Ra Zen hinterlässt, sichtbar zu machen.

„Bei diesem Projekt ist es wie bei einem neuen Bild. Man weiß nie, was daraus wird. Man lässt sich inspirieren, und plötzlich macht man eine ganz andere Arbeit als zuvor erwartet“, sagt Christa Zoch.

Diese Verbindung aller nur erdenklichen Darstellungsformen übt einen Reiz aus, der auch mich nach kurzer Zeit ergriffen hat. Malereien entstehen, Gedichte wachsen und Skulpturen werden modelliert.

Einzelne Kunstwerke ergeben ein Ganzes

So zum Beispiel bei Nichole Harrod aus Chicago. Die junge Frau hat alle Projekt-Teilnehmer gebeten, einen Gegenstand zu malen, der ihre Persönlichkeit wiederspiegelt. Diese formt Harrod aus Draht – nach dem Vorbild der Masken von Künstlerin Marianna Buchwald – und verbindet alle Teile anschließend zu einem großen Ganzen.

„Die Gruppe ist mehr als das Einzelne“, findet auch Ursula Gallenkamp und nimmt mich mit, ihre Kunst kennenzulernen. „Lebens-Spuren“ beherrschen ihre Werke. Die Vergänglichkeit des Lebens und der Umgang mit dem Altern fasziniert wiederum die übrigen Künstler: Mit Kao Ra Zen verbindet die Künstlerin Rap-Gesang und Körperkunst, mit Gaby Paul aus Syke vereinen sich Fotografie und Malerei unter dem Motto „Die Frau im Alter“.

Zum Abschluss des Syker Kunst-Projekts, das später in anderen Städten fortgeführt wird, laden die Künstler Kinder und Erwachsene dazu ein, die wichtigsten Ergebnisse des Workshops heute von 15 bis 17 Uhr zu erleben. Dabei verschmelzen Maskenumzug und Musik, Gedichte und Malerei, Gesang und Bewegungen gleichermaßen.

Viele der Kunstwerke sind anschließend bis zum 25.August in der Kreissparkasse am Mühlendamm zu sehen. Die Eröffnung der Ausstellung beginnt morgen um 17 Uhr mit einer vielfältigen und von viel Bewegung geprägten Vernissage im Saal des Geldinstituts.

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