Kultur, Kontraste, Kalorien

Syker Familie bringt Vortragsgästen ihre Heimat Armenien näher

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Familie Mkrtchyan hatte als kleines Extra zum Bildervortrag ein Buffet mit armenischen Spezialitäten vorbereitet.

Aus den sprichwörtlichen Nähten platzte am Donnerstag das Café Alte Posthalterei: Etwa 60 Besucher waren gekommen, um bei Essen und Musik mehr über Armenien, die Heimat der in Syke lebenden Familie Mkrtchyan (gesprochen so ähnlich wie: Mekirtchian) zu erfahren.

Syke - Zur Begrüßung hatten Margareta Mkrtchyan und ihre Landsfrau Zabela Ghazaryan ein Buffet mit hausgemachten landestypischen Gerichten aufgefahren. Die auf alle Räume des Cafés verteilten Besucher ließen sich gefüllte Auberginen, Pfannkuchen mit Kartoffeln oder Hackfleisch, gefüllte Weinblätter, Tsatsiki, Bohnenpastete, Salat und armenisches Gebäck munden.

Angesichts der Besucherzahl verlegten die Organisatoren den anschließenden Vortrag kurzerhand nach nebenan in die Bibliothek.

Rustam Ghazaryan spielte zu Beginn landestypische Lieder auf seiner traditionellen Duduk (ein Blasinstrument aus Aprikosenholz). Armen Mkrtchyan und seine Tochter Christina stellten ihre Heimat dann in einem sehr persönlichen Vortrag vor.

In dem Binnenstaat – gelegen im Kaukasus, in der Bergregion zwischen Georgien und dem Iran, der Türkei und Aserbaidschan – leben heute etwa drei Millionen Menschen auf 29 800 Quadratkilometern. Zum Vergleich: In Niedersachsen leben knapp acht Millionen Menschen auf rund 47 600 Quadratkilometern. Etwa ein Drittel der Einwohner Armeniens lebt in der Hauptstadt Jerewan, wo auch Familie Mkrtchyan ihre Wurzeln hat.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion erlangte Armenien 1991 die Unabhängigkeit. Das Verhältnis zum Nachbarn Türkei ist durch den Völkermord während des Ersten Weltkrieges belastet. Mit Aserbaidschan streitet man um die Grenzregion Bergkarabach. Aufgrund politischer Unruhen verließen viele Armenier in den letzten 20 Jahren ihre Heimat.

Armen Mkrtchyan und seine Familie verließen Armenien 2013 und leben und arbeiten seitdem in Syke. Die Familie ist ein Beispiel für gelungene Integration. „Wenn wir hier leben möchten, müssen wir uns integrieren“, stellt Christina fest, die erst hier deutsch lernte. Heute befindet sie sich im dritten Ausbildungsjahr zur Verwaltungsfachangestellten beim Landkreis Diepholz und spricht fehlerfreies deutsch ohne erkennbaren Akzent.

Armen arbeitet im erlernten Beruf als Tischler. Seine Frau Margareta behauptet: „Den Beruf, den ich hier ausübe, gibt es in Armenien nicht.“ Sie arbeitet als Altenpflegerin in einem Heim. „Heime kennen wir in Armenien nicht. Dort leben die Generationen unter einem Dach. Oma und Opa sind die wichtigsten Menschen in der Familie.“

Massive Proteste, von Christina und Armen Mkrtchyan als „Revolution“ bezeichnet, führten im letzten Jahr zu einem Machtwechsel in Armenien. Armen Mkrtchyan war Anfang des Jahres in seiner Heimat und erkannte das Land kaum wieder. Die seit einem Jahr regierende bisherige Opposition macht demnach Ernst mit ihren Versprechungen, Korruption zu bekämpfen, die starke Bindung an Russland zu lösen und das Land wirtschaftlich zu öffnen. Die Lebensumstände in Jerewan sind nach seinen Worten vergleichbar mit anderen Großstädten. In den ländlichen Regionen lebt die Bevölkerung dagegen überwiegend in Armut.

Der Tourismus entwickelt sich gerade erst, obwohl Armenien einiges zu bieten hat. „Der 3000 Jahre alte Sonnentempel von Garni, die Kathedrale von Etschmiadsin und auch die Hauptstadt lohnen einen Besuch. So wie es in den Reiseprospekten aussieht, ist es dort wirklich“, stellte Christina fest.

Es entwickelte sich eine rege Diskussion, bevor Johannes Huljus vom Verein Rund ums Syker Rathaus den Abend mit einem Dank an Familie Mkrtchyan und einem Radio-Eriwan-Witz beendet. Abschließend sorgte Rustam Ghazaryan noch für einen Gänsehautmoment, als er die deutsche Nationalhymne auf seiner Duduk intonierte.

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