Künstler Thilo von Thien enthüllt seine Baumskulptur am Ristedter Kirchweg

Ein Hauch Hundertwasser

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Fünf Jahre lang hat Thilo von Thien an seiner Baumskulptur gearbeitet. Nun ist das rund fünf Meter hohe Kunstwerk am Ristedter Kirchweg fertig.

Von Frank Jaursch. Wer auf dem Ristedter Kirchweg zwischen Gessel und Ristedt unterwegs ist, dem weht künftig unvermittelt ein Hauch Hundertwasser entgegen: Eine fast fünf Meter große Baumskulptur steht dort und dürfte die Blicke auf sich ziehen. Sein Schöpfer, der Martfelder Künstler Thilo von Thien, hat sein Werk am Sonntag feierlich enthüllt.

Als die große schwarze Kunststoffplane heruntergerissen wurde und den Blick auf das Kunstwerk freigab, erklang Applaus von den etwa 60 Gästen, die zur Enthüllung gekommen waren. Mittendrin: ein sichtlich stolzer Thilo von Thien. Rund fünf Jahre lang hatte der gelernte Maurer und Fliesenleger an seinem „Baby“ gearbeitet.

Rund 3500 Fliesenscherben hat er in dieser Zeit verarbeitet, Unmengen an Beton und Steinen, Stahl und Glas, Kunststoff und Holz. Vier Äste – Symbole für die vier Jahreszeiten – recken sich in Richtung Himmel. Fliesene Wurzeln scheinen sich auf dem Boden entlang zu ranken.

„Die Form hab ich die ganze Zeit im Kopf gehabt“, schildert von Thien, „aber die ganzen Kleinigkeiten sind durch den Arbeitsprozess entstanden.“ Die Friedenstaube auf einem Ast zum Beispiel, oder die elektronischen Bauteile im „Stamm“. Am Sonntag nahmen die Gäste das Werk neugierig in Augenschein, um die vielen Einzelheiten zu entdecken.

Als der Künstler mit seinem Projekt begann, wohnte er noch auf dem Grundstück. Mittlerweile ist er nach Martfeld umgezogen. Sein Kunstwerk aber durfte er vollenden.

Die Ähnlichkeit zu den Werken von Friedensreich Hundertwasser kommt nicht von ungefähr. Seit er Mitte der 1990er-Jahre erstmals eine Hundertwasser-Fibel in die Finger bekam, faszinierten ihn die fließenden Formen. Intensiv beschäftigte er sich mit dem Werk des österreichischen Künstlers – und begann mit eigenen Werken. Aufsehenerregend war etwa seine asymmetrische Gestaltung einer Häuserfassade an der Humboldtstraße in Bremen.

Die Baumskulptur in Gessel ist die erste dieser Art, begleitete ihn durch fünf Jahre seines Lebens – durch Täler und Höhen, Optimismus und Zweifel. Der gestalterische Wagemut, der vielen Kunden des Fliesenlegers oft fehlt, spiegelt sich hier buchstäblich in jeder Scherbe. Nun ist es vollendet, und von Thien „fällt ein Stein von Herzen – man kann etwas abschließen“.

Lachend nimmt der 48-Jährige an diesem Tag die Glückwunsche und Komplimente entgegen. Doch längst hat sich eine neue Idee in seinem Kopf gebildet. „So eine Skulptur in der Mitte eines Kreisverkehrs zu bauen, das wäre was“, sinniert er und lächelt. „Nur fünfmal so groß.“

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