Jochen Stay spricht vor 80 Zuhörern im Museum

Das Kreuz mit dem Atommüll

Syke - Wer zahlt für den Atommüll? Wohin damit? Wie kann er sicher gelagert werden? Und: Was geht uns das hier vor Ort an? Auf diese Fragen versuchte Jochen Stay von der Organisation „ausgestrahlt“ bei seinem Vortrag im Kreismuseum Antworten zu finden. Eingeladen hatten die VHS und die Bürgerinitiative „Energie in Bürgerhand“.Gut 80 Zuhörer waren gekommen.

Stay skizzierte in groben Zügen die verschiedenen Phasen der Atommülldebatte: Eine heute erstaunliche Naivität und Fortschrittsgläubigkeit hatte zu Beginn den Bau von Atomkraftwerken und die Frage nach dem Verbleib des täglich anfallenden strahlenden Mülls begleitet: Wir wissen zwar noch nicht, wohin mit dem Müll, aber die Wissenschaft wird wohl noch rechtzeitig eine Lösung finden.

Offene Fragen und Ratlosigkeit

Völlig absurd fand der Hamburger die Argumentation im Gutachten der Boston Consulting Group im Auftrag der Stromkonzerne. Da steht: „Durch den Ausstieg aus der Kernenergie ergibt sich der zeitliche Druck, ein Endlager zur Aufnahme der radioaktiven Abfälle zu finden.“ Für ihn völlig falsch. Dieser Druck entstehe vielmehr allein durch die Produktion von Atommüll, Tag für Tag in jedem Atomkraftwerk – auch heute noch, und wenn es nach dem aktuellen Atomgesetz geht, auch noch weitere sechs Jahre.

Beim Thema Kosten des Ausstiegs sieht Stay die Atomindustrie in der Pflicht: Es sei nicht fair, die Kosten auf die Steuerzahler abzuwälzen, da die an den Milliardengewinnen der Atomkonzerne auch nicht beteiligt wurden. Indes: Die Kosten sind immens, und Stay glaubt, die jetzt schon „notleidenden“ Stromkonzerne dürften sie kaum zahlen können.

Ungeklärt scheint nach seiner Darstellung auch weiterhin, wo und wie der noch Millionen Jahre strahlende Müll gelagert werden könnte. Die angeblich unabhängige Suche auf einer „weißen Landkarte“ werde immer noch behindert durch die Weigerung einiger Bundesländer, auch vor der eigenen Haustür zu suchen.

Über mögliche Verfahren zur sicheren Endlagerung streiten sich die Gelehrten bisher ergebnislos. Bisher gebe es lediglich Zwischenlösungen. Auch im Ausland herrsche in dieser Hinsicht vorwiegend Ratlosigkeit.

Denkbare Lagerstätten, die die aktuellen Mindestanforderung erfüllen, gibt es laut Stay durchaus auch in unserer unmittelbaren Umgebung. Etwa im Gebiet um Martfeld und Sulingen. Dort gebe es Tonschichten, die in der Landkarte der Suchkommision auftauchen.

In der anschließenden lebhaften Diskussion wurde nach Handlungsmöglichkeiten gesucht, wie Konsequenzen aus der hoffnungslos erscheinenden Situation gezogen werden könnten. Die Emfehlung von Stay: „Fragen Sie Ihre Kommunalpolitiker, was die für einen schnelleren und konsequenteren Ausbau der regenerativen Energien tun. Und wählen Sie Stromversorger, die reinen, nichtfossilen Strom liefern!“ 

mwa

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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