Dem Kreismuseums-Mitarbeiter hat es ein altes Flugzeugmodell angetan – weil es einen Kindheitswunsch wachruft

Georg Becker und der Traum vom Fliegen

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Georg Becker zeigt sein Lieblingsmodell – das Modell einer Convair 340 der Lufthansa. Mit diesen Flugzeugen flog die deutsche Fluglinie in den 50er-Jahren.

Von Frank Jaursch. Es gibt sie zuhauf, die herausragenden Exponate im Kreismuseum, die im Rampenlicht stehen und spektakuläre Geschichten erzählen können. Und es gibt solche, die möglicherweise niemals Bestandteil einer Ausstellung werden.

Die Kellerräume des Kreismuseums sind voll von ihnen. Auch sie haben ihre eigene Historie – und auch sie können zu „Lieblingsstücken“ werden. Das beweist die Auswahl von Museums-Mitarbeiter Georg Becker.

Seit 14 Jahren sind die unterirdischen Räume nun schon der „Arbeitsplatz“ des Sykers. Als die passive Phase der Altersteilzeit nahte, „wusste ich nicht so recht, was auf mich zukommt“. Da kam der Artikel in der Kreiszeitung gerade recht: Das Museum an der Herrlichkeit war auf der Suche nach Mitarbeitern, die bei der Inventarisierung von neuen Artikeln helfen. So wurde Becker 2001 eines der „Kellerkinder“ im Kreismuseum, wie sich die acht Mitarbeiter scherzhaft selbst nennen. Sie sind ehrenamtlich tätig. „Und Montag ist mein Tag.“

Gerade ist die Spielzeug-Westernstadt dran, mit allem, was dazu gehört: Aus den 60er- oder 70er-Jahren dürfte sie stammen, schätzt Becker. Jedes Teil erhält eine laufende Nummer, wird fotografiert, verpackt und sorgfältig weggelegt. „Es könnte sein, dass sie nie wieder zum Vorschein kommt“, sagt Becker mit leisem Bedauern – ihm ist klar, dass viel Herzblut in den meisten der Gegenstände steckt, die ihre einstigen Besitzer (oder deren Nachkommen) hier abgeben.

Und was ist sein persönlicher Favorit? Beckers Augen strahlen, als er die Inventar-Datei aufruft. Nummer 2009/46. Ein Foto, die Ausmaße, ein paar Zeilen dazu: Das blau-weiße Flugzeugmodell dürfte 2009 einer der ersten inventarisierten Gegenstände gewesen sein. Becker geht in einen Gang, steigt auf einen Tritt. Er weiß, wo er zu suchen hat: Wenig später hält er das Modell in der Hand.

Es ist in keinem guten Zustand. Die Verkleidung fehlt, die Propellerköpfe ebenfalls, Risse zeigen sich am Material. Aber die zweimotorige Convair 340 hat die charakteristische Lackierung der ersten Nachkriegs-Generation der Lufthansa und trägt den markanten Schriftzug. Mit diesen Flugzeugtyp nahm die Lufthansa 1955 den Personenverkehr wieder auf. 44 Passagiere hatten darin Platz.

Das Flugzeug brachte eine Erinnerung in Becker zum Klingen. „Mein Traum war immer zu fliegen“, erzählt der 77-Jährige. Wenn die Maschinen nach dem Krieg am Himmel ihre Bahnen zogen, blickte der junge Georg stets sehnsüchtig hinauf – mit dem immer gleichen Gedanken: „Einmal da drin sitzen!“ Diesen Traum erfüllte er sich mit 25 Jahren, als er zum ersten Mal ein Flugzeug betrat. Sein Lieblingsexponat bringt Georg Becker auch diese Erinnerung zurück.

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