Ausstellung andersrum

Kreismuseum Syke und Friedrich Kratzsch präsentieren Glocken der Grafschaft Hoya

Ralf Vogeding, Friedrich Kratzsch und die Allenburger Glocke freuen sich auf die neue Ausstellung im Ackerbürgerhaus des Kreismuseums.
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Ralf Vogeding, Friedrich Kratzsch und die Allenburger Glocke freuen sich auf die neue Ausstellung im Ackerbürgerhaus des Kreismuseums.

Im Kreismuseum Syke stehen die Geschichten und die Geschichte der Kirchenglocken im Altkreis Grafschaft Hoya für einige Wochen im Mittelpunkt. Kleine Besonderheit: Die Entstehung der Ausstellung lief dabei abweichend vom klassischen Schema.

Syke – Aus dem Kino kennt man das: Es gibt erfolgreiche Bücher, die verfilmt werden – das ist der Normalfall – und es gibt gelegentlich „das Buch zum Film“. Im Kreismuseum ist das ganz ähnlich: „Wenn wir eine neue Ausstellung machen, gibt es dazu meistens einen Begleitkatalog“, erzählt Museumsleiter Ralf Vogeding. „Diesmal ist es aber umgekehrt. Da gibt es die Ausstellung zum Buch.“

Schuld daran ist Friedrich Kratzsch: Der Twistringer Stadtarchivar habe eines Tages vor ihm gestanden und gesagt: „Wollen wir nicht zusammen ein Buch machen? Ich hab so viel Material“, erzählt Vogeding. „Ja“, lautete seine Antwort. „Aber dann müssen wir auch ‘ne Ausstellung machen.“ Und so kam es dann auch.

Thema sind die Kirchenglocken im Altkreis Grafschaft Hoya. Sicher „special interest“, geben Kratzsch und Vogeding zu. Aber das heißt ja nicht, dass es langweilig sein muss. Denn die Glocken haben alle eine eigene Geschichte.

Manchmal ähneln sie sich: Viele Kirchenglocken sind im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen worden, weil das Metall für die Rüstungsindustrie benötigt wurde. Bronze besteht aus Zinn und Kupfer, beides galt und gilt als kriegswichtiges Material. Und viele Ersatzglocken ereilte im Zweiten Weltkrieg das gleiche Schicksal.

„Wir wollten erst sämtliche Kirchenglocken im Altkreis dokumentieren“, sagt Ralf Vogeding. „Aber das wäre einfach zu viel gewesen und hätte jeglichen Rahmen gesprengt.“ Also haben Vogeding und Kratzsch sich auf eine begrenzte Auswahl beschränkt. Gut 150 Seiten Buch sind dabei herausgekommen. Mit vielen Informationen über die Beschaffung der einzelnen Glocken, wer sie gegossen hat, welches Verfahren dabei verwendet wurde, in welchem Ton sie klangen (oder noch klingen) und welche Sprüche darauf verewigt sind oder waren.

Fotograf Hans-Jürgen Dehn aus Weyhe hat die Fotos dazu beigetragen. „Wir haben ihn die Kirchtürme rauf und runter geschickt“, sagt Friedrich Kratzsch lachend.

Nicht alles, was im Buch steht, findet sich auch in der Ausstellung wieder. „Wir haben uns da auf einige Beispiele konzentriert“, sagt Ralf Vogeding. Neben viel Bild- und Textmaterial gibt es Videos zur Glockenherstellung, Klangbeispiele und eine kleine echte Glocke, die für sich schon Material für einen abendfüllenden Spielfilm bietet.

Sie stammt aus Allenburg, bist zum Zweiten Weltkrieg ein kleines Städtchen in Ostpreußen und heute ein nahezu bedeutungsloses Dorf mit weniger als 500 Einwohnern im russischen Verwaltungsbezirk Kaliningrad. Allenburg gehörte früher zum Kreis Wehlau. Nach der Vertreibung der deutschen Bevölkerung wurde Syke Patenstadt von Wehlau und Hoya Patenstadt von Allenburg. Lange nach Kriegsende kam die Allenburger Glocke über Umwege ins Hoyaer Heimatmuseum, wo sie seitdem im Depot liegt. Für die Ausstellung hat das Kreismuseum sie jetzt als Leihgabe bekommen.

Das Buch „Aus der Geschichte von Glocken im Altkreis Grafschaft Hoya“ gibt es ab sofort für 18 Euro im Kreismuseum.

Die gleichnamige Ausstellung ist ab Sonntag, 25. April, und voraussichtlich bis zum 20. Juni im Ackerbürgerhaus des Kreismuseums zu besichtigen. Coronabedingt gilt nach wie vor: Museumsbesuche sind ausschließlich auf Anmeldung und in einem festgelegten Zeitfenster von jeweils anderthalb Stunden möglich.

Info und Anmeldung

04242 /  976 43 30

info@kreismuseum-syke.de

Von Michael Walter

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