Kreismuseum setzt mit einzelnen Exponaten Akzente für die neue Saison

Kleine Dinge, die Geschichte(n) erzählen

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Ein Ölgemälde von einer Konfirmation war auch um 1900 alles andere als alltäglich. Das Nagelbild rechts daneben war kürzlich bereits in der Ausstellung zum Ersten Weltkrieg zu sehen.

Syke - Von Michael Walter. Klein, aber fein: Es sind nicht die großen Veränderungen, mit denen Museumsleiter Dr. Ralf Vogeding in der neuen Saison nach den Sommerferien aufwarten kann. Doch auch kleine Dinge können Geschichten erzählen.

Punktuell haben Vogeding und sein Team Akzente gesetzt und an vielen Stellen auf dem weitläufigen Museums-Gelände die Ausstellungen um einzelne Exponate ergänzt. Einige davon waren schon einmal in anderen Zusammenhängen ausgestellt. Andere sind zum ersten Mal öffentlich in Syke zu sehen.

Zum Beispiel das Ölgemälde, das jetzt in einem der Ausstellungsräume des Kindermuseums hängt. Es zeigt eine Konfirmationsfeier um das Jahr 1900. „Gemalt hat es der Bremer Künstler Hermann Behrens zwischen 1900 und 1910“, sagt Vogeding. „Es hing lange Zeit im heutigen Gutshaus Varrel, bis dort der Landwirtschaftsbetrieb aufgegeben wurde.“ Das Besondere daran ist das Bild an sich. „Nur die Oberschicht konnte es sich leisten, ein Gemälde von einer Familienfeier in Auftrag zu geben.“

Unscheinbar hängt gegenüber ein Rahmen, der auf den ersten Blick eine Pflanze zu enthalten scheint. Beim näheren Hinsehen stellt sich heraus: Es sind menschliche Haare, kunstvoll zu blumenartigen Ornamenten angeordnet. „Das ist ein Haarbild für ein verstorbenes Kind“, erklärt Vogeding. „Das passt eigentlich genau ins Kindermuseum. Schule und Spielen sind der eine Aspekt von Kindheit und Jugend auf dem Land um 1900. Leid und Trauer sind der andere. Die Kindersterblichkeit lag damals wahnsinnig hoch.“

Der Museumsleiter hielte es für geradezu sträflich, dieses Thema aus der Ausstellung auszuklammern. „Wir wollen doch kein Schmuckkästchen sein, sondern Aussagen treffen über eine Zeit in einer Region.“

Dazu trägt auch ein Opferstock aus der Zeit um 1700 bei, der jetzt im Ackerbürgerhaus zu sehen ist. „Der stand bis ins 20. Jahrhundert im Torbogen am Kreishaus. Es war auf dem Land durchaus üblich, dass nicht nur in der Kirche für Arme gesammelt wurde.“

Zu zwei anderen neuen Exponaten könnte Vogeding ganze Romane schreiben: Eine Kohlenschaufel und eine Kohlenforke, die ihren Platz im Güterwagen auf dem Vorplatz gefunden haben. Für den Museums-Chef sind sie voller Symbolkraft: Für Dampfmaschinen und Industrialisierung. Für Eisenbahnbau und Anbindung des ländlichen Raums an die großen Städte. Und für den gesamten Landhandel, der sich daraus entwickelt und das Leben bis in die 1960er Jahre hinein geprägt hat.

Fotobücher mit Dokumentationen zum Bauerngarten und dem erst im Frühjahr fertig eingerichteten Schafstall aus der Zeit um 1700 sowie neues Gerät am historischen Sägewerk sind weitere Ergänzungen.

Die Sache hat allerdings einen Haken: Die neuen Exponate verlieren sich geradezu in der Vielzahl der Ausstellungsstücke. Ralf Vogeding: „Wir lassen uns was einfallen, wie wir die neuen Sachen optisch etwas hervorheben können.“

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