Kreismuseum beleuchtet Nachkriegszeit

Entbehrungen und Visionen

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Die Kuratorinnen der Ausstellung, Elsbeth Kautz (l.) und Ulrike Taenzer, blicken auf ein besonderes Exponat – ein Brautkleid aus Fallschirmseide.

Von Frank Jaursch. Es sind beklemmende Zeugnisse aus einer Zeit des Mangels: Schuhe aus Stroh. Ein Sieb aus einem Stahlhelm. Ein Fahrradreifen, der nur noch aus Flicken besteht. Im Sonderausstellungsraum des Kreismuseums bietet die Ausstellung „Die Not vor Augen – Europa im Blick“ eine anschauliche Nähe zu den großen Entbehrungen und Herausforderungen, welche die Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit sich brachte.

Die beiden Kulturwissenschaftlerinnen Elsbeth Kautz und Ulrike Taenzer haben die Ausstellung in langwieriger Recherchearbeit konzipiert. Die Kuratorinnen machen die vielen Probleme der Jahre 1945 bis 1948 greifbar.

Mit kaum mehr als nichts mussten die Bürger auch in den Altkreisen Grafschaft Hoya und Grafschaft Diepholz einen Neuanfang gestalten. Mehr noch: Die Flüchtlinge, die Tag für Tag in die Städte und Gemeinden kamen, mussten ebenfalls untergebracht und versorgt werden.

Der Mangel war allgegenwärtig. Der Ausstellung gelingt es recht gut, die Not darzustellen. Etwa mit dem vergilbten Brief eines Flüchtlings, der sich bei einem Bauern anonym dafür entschuldigt, dass er Wochen zuvor Kohl von dessen Feld gestohlen hatte. Es war die Zeit des Hamsterns und des Schwarzschlachtens, der Handarbeit und des Tauschhandels. Eine Zeit des Improvisierens.

Auch administrativ stellte der Flüchtlingsstrom eine große Herausforderung dar. Pro Woche, so erklärte Taenzer bei der Eröffnung der Ausstellung, mussten rund 1500 neue Flüchtlinge im Landkreis untergebracht werden. Kautz und Taenzer widmen sich diesem Aspekt ebenso wie der Gründung der Europa-Union in Syke mitten in den Wirren der Nachkriegszeit.

„Es gibt eine Menge zu erzählen“, sagt Taenzer. Und zwar nicht im Vorbeigehen, ergänzt Kreismuseums-Leiter Dr. Ralf Vogeding. „Dies ist eine Ausstellung, die ‚erlesen‘ werden will.“ Auf Thementafeln gibt es wichtige Ergänzungen zu den Exponaten, die zu großen Teilen aus den Beständen des Museums und der kommunalen Archive stammen. Die Ausstellung ist noch bis zum 18. Oktober im Kreismuseum zu sehen.

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