Kreislandwirt Wilken Hartje zu Sabotage an Biogasanlagen und deren Sicherheit

„Das bringt doch nichts – außer Mehrarbeit“

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Im Sulinger Land ist laut Biomasse-Potentialstudie des Landkreises von 2011/2012 eine vergleichsweise hohe Anlagen-Dichte. Archivfoto: Seidel

Syke/Landkreis - Von Anika Bokelmann. „Wo ein Wille ist, findet sich immer auch ein Weg.“ Diese vom Grund her positive Redensart, bezieht Wilken Hartje auf den jüngsten Fall von Sabotage an einer Biogasanlage in Nordsulingen zum Ende des vergangenen Jahres (wir berichteten).

Der Kreislandwirt bedauert, dass sich mutwillige Angriffe wie in diesem Fall ein geöffnetes Absperrventil, auch in anderen Bereichen, nicht verhindern lassen. Dennoch sind die rund 120 Biogasanlagen im Landkreis Diepholz gesichert, um bei einem Austritt des Gärsubstrates den Schaden möglichst gering halten zu können.

Obwohl alle Anlagen allein schon aufgrund des Seuchenschutzes eingezäunt seien, würden Saboteure irgendwie einen Weg finden, ein Loch in die Absperrung zu machen und auf das Gelände zu kommen, so Hartje. Der Syker ist selbst Betreiber einer Biogasanlage und weiß, dass auch die Schlösser an den Schiebern der Fermenter mit entsprechendem Werkzeug zu überwinden seien. „Für Gefahrenlagen müssen zudem viele technische Geräte freibleiben“, erklärt Hartje.

Dichte der Anlagen ist im Süden höher

Zahlreiche Anlagenbetreiber hätten daher Überwachungskameras angebracht, um bei möglichen Vorfällen auf das Bildmaterial zurückgreifen zu können. Die Betreiber der mehr als 100 Anlagen verschiedener Leistungsstärken (im Schnitt 556 Kilowatt elektrische Leistung), in denen ausschließlich natürliche Zersetzungsprozesse ablaufen, verteilen sich laut Wilken Hartje zwar über den gesamten Flächenlandkreis. Dennoch sei ein Süd-Nord-Gefälle festzustellen – die Samtgemeinde Rehden hätte beispielsweise sehr viele Anlagen, in Stuhr und Syke seien es deutlich weniger. „Die Stadt Diepholz liegt in der Liste ganz hinten“, so Hartje. Den Spitzenplatz belegt die Samtgemeinde Kirchdorf mit der höchsten Dichte an Biogasanlagen sowie dem höchsten Wert bei der Leistung im Landkreis.

Die Verteilung sei eng mit den Bedingungen für den Ackerbau verbunden, sagt Wilken Hartje. Während im südlichen Kreisgebiet aufgrund feuchterer Böden mehr Mais auf den Feldern stehe, würden im Norden auch andere Kulturen eingesetzt. „Auch wo Milchviehhaltung vorherrschend ist, stehen mehr Anlagen“, berichtet der Kreislandwirt. Denn die Gülle von Rindern könne besser zur Umwandlung in „grüne Energie“ verwertet werden.

Das Gas entsteht in den großen Behältern, in denen unter Ausschluss von Sauerstoff die zugeführten Substanzen mikrobiologisch zersetzt werden. Um für den Fall eines Gärsubstrat-Austritts gerüstet zu sein, sind die Biogasanlagen mit einem Wall versehen – dies ist laut Hartje auf einen Vorfall in Neubruchhausen im Jahr 2008 zurückzuführen. Damals war das Silo der Biogasanlage geborsten und daraufhin eine Million Liter Gülle ausgelaufen – unter anderem in die Hache. Damit keine größeren Schäden mehr angerichtet werden, dafür sollen die Wälle rund um das Grundstück sorgen. „Somit bleibt der Dreck auf dem eigenen Gelände und schädigt weder Nachbarn noch die Umgebung“, sagt Hartje.

Er betont zudem, dass die Substanz in den Gärbehältern auf keinen Fall giftig ist, wie viele Bewohner und Gegner von Biogasanlagen häufig befürchten und propagieren. „Es handelt sich um ein Naturprodukt aus rein organischer Masse“, erläutert der Kreislandwirt. Außerdem rieche das Substrat deutlich weniger, als die Gülle, die von Landwirten direkt auf die Felder gebracht werde. Grund dafür, sei die Tatsache, dass die geruchsintensiven Bestandteile bereits durch den Motor der Anlage gelaufen und dadurch abgeschwächt seien.

Sollte trotz aller Sicherungen dennoch einmal etwas von der Masse austreten, könnte es höchstens zu einer Überdüngung kommen, beruhigt Hartje. Diese setze biologische Abbauprozesse in Gang, wodurch beispielsweise der Sauerstoffgehalt in Flüssen herabgesetzt werde. Größere sowie gesundheitliche Schäden seien aber keinesfalls zu befürchten.

Ausgetretenes Substrat kommt wieder aufs Feld

„Das bringt doch nichts“, appelliert Wilken Hartje abschließend an den Verstand, dass eine Sabotage oder ein mutwilliger Anschlag auf eine Biogasanlage wie in Nordsulingen unsinnig ist: „Die Anlage bleibt weiterhin bestehen. Nur kommt noch enorme Arbeit für den Betreiber, die Feuerwehr und weitere Einsatzkräfte hinzu.“ Schließlich müsse das ausgelaufene Substrat wieder aufgenommen und bis zur Verwertung aufbewahrt werden. „In der nächsten Vegetationperiode wird das Substrat dann auf die Felder gebracht“, erklärt Hartje.

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