Steigerung um bis zu elf Prozent

Baulandpreise gehen im Kreis Diepholz auch 2019 durch die Decke

Bauland Landkreis Diepholz
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Die Nachfrage nach Bauland hält unvermindert an, am stärksten kreisweit in der Gemeinde Weyhe. In Sudweyhe beispielsweise sollen Familiendomizile in zweistelliger Zahl gebaut werden.

Syke/Landkreis - Das Haus hat noch kein Dach. Und keine Fenster und kein Obergeschoss. Und dennoch fehlte niemand. Die ganze Familie hatte sich in ihrem neuen Domizil unweit der Hauptstraße in Leeste versammelt. Mit Mann und Maus und Schwiegereltern. „Hier kommt die Essecke hin, hier der Fernseher.“ Und jeder hatte seine Vorschläge, und jeder dieser Vorschläge erfreute sich lebhaften Interesses. Vorfreude auf den Traum des Lebens. Was gibt es Schöneres als Vorfreude auf endlich eigene vier Wände. Bis Weihnachten wollen sie eingezogen sein.

Und ein gutes Gefühl dürfte die junge Familie beschleichen. Die eigene Scholle, das eigene Zuhause. Und die Gewissheit, günstiger wird es nicht, sie dürfte beruhigend auch in den Jahren des Abzahlens wirken. Günstiger schon gar nicht in der Boomgemeinde des Landkreises, in Weyhe. Sagenhafte 205 Euro kostete der Quadratmeter Bauland bereits im vergangenen Jahr. Im Durchschnitt. Und die Preise sind jetzt schon wieder Schnee von gestern. „Sie steigen weiter,“ sagt Gerd Ruzyzka-Schwob vom Gutachterausschuss für Grundstückswerte in Sulingen. „Da werden auch in diesem Jahr wieder einige Prozente draufzulegen sein.“ Das Grundstück in den nachgefragtesten Kommunen Syke, Stuhr und Weyhe dürfte dann locker noch einmal 10.000 Euro und mehr zusätzlich kosten. Wenn es denn überhaupt noch Grundstücke gibt. Um 11 Prozent kletterten die Preise bis zur Jahresmitte, insbesondere in Weyhe, sagt Ruzyzka-Schwob.

Eine atemberaubende Entwicklung liegt hinter dem einwohnerstarken Nordkreistrio. Nach der Baulanddelle Mitte des vergangenen Jahrzehnts, damals, als beispielsweise große Flächen wie „Westlich der Sulinger Straße“ in Syke nicht an den Mann zu bringen waren, kennt der Baulandpreis nur noch eine Richtung. Er geht durch die Decke. Steigerungsraten um 70 und mehr Prozent schlugen in den vergangenen sieben Jahren allein hier zu Buche. Und ein Ende ist angesichts der weiterhin niedrigen Hypotheken-Zinsen und des Wirtschaftsbooms mit Vollbeschäftigung nicht in Sicht. Die Erschließungskosten trugen ebenfalls ihr Scherflein zur Preisexplosion bei. „Sie sind natürlich im Zuge der hohen Auslastung von Baufirmen ebenfalls gestiegen,“ sagt Ruzyzka-Schwob.

Neues Boomgebiet zeichnet sich ab

Derweil zeichnet sich zusätzlich zu den drei Nordkreis-Kommunen ein nächstes Boomgebiet ab. Jetzt der Westkreis. Städte wie Diepholz und Sulingen realisieren schon seit Jahren steigende Preise, jetzt ziehen Orte wie Bassum, Twistringen oder Barnstorf nach. „Was für Stuhr, Weyhe und Syke die Bremer Zuwanderer sind,“ sagt Ruzyzka-Schwob, „das ist für den Westkreis der Vechtaer Raum. Auch hier verzeichnen wir ein Ausweich-Phänomen.“ Selbst kleinere Ortschaften wie Aschen profitieren davon. In Bassum, Bruchhausen-Vilsen und Twistringen stiegen die Preise seit dem Jahreswechsel um rund 2 Prozent, insbesondere in Bassum.

Wer allerdings genau hinschaut, stellt erste Beruhigung auf einem vormals überhitzten Bauland-Markt fest. Die Bauinteressierten beginnen, einen langen Atem bei der Suche nach „ihrem“ Grundstück zu beweisen. Zur Not warten sie noch ab. Das trug im vergangenen Jahr zu einem spürbaren Minus beim Grundstückskauf kreisweit bei. Nur noch 493 Bauland-Verträge waren zu beurkunden, ein Rückgang um satte 20 Prozent. Im laufenden Jahr wird allerdings ein Nachholbedarf gedeckt. Bis zur Jahresmitte waren 275 Grundstücke kreisweit verkauft, ein Plus um 10 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2018.

Bauland wird weniger offensiv erweitert

Gleichzeitig beginnen die Städte und Gemeinden damit, die Ausweisung von Bauland nicht mehr sonderlich zu forcieren. Zusätzliche Kindergärten, zusätzliche Schulen, mehr Öffentlicher Personennahverkehr, höherer Aufwand für Bäder und Bibliotheken, all das stehe finanziell in keinem Verhältnis mehr zu den Erträgen, den ein Bevölkerungsanstieg mit sich bringe.

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