Organisatorische Herausforderung und musikalische Offenbarung

Jazz Folk Bike 2017: Ein Kraftakt mit Glückshormonen

Das Daniel Herskedal Quartett bildete den famosen Abschluss eines außergewöhnlichen Festivals Jazz Folk Bike 2017. - Foto: Ulf Kaack

Syke - Von Frank Jaursch. Erst mal durchschnaufen: Als am Sonntagabend die letzten Klänge des letzten Jazz-Folk-Bike-Konzerts in diesem Jahr verklungen waren und der Abschluss-Beifall im Konzertsaal der Kreissparkasse aufbrandete, fiel die Anspannung spürbar ab vom Organisatoren-Team. „Wir waren froh, als der letzte Vorhang fiel“, schmunzelt Rainer Köster vom Vorstand des Veranstalter-Vereins JFK. Für die Macher der Serie war die diesjährige Ausgabe ein echter Kraftakt gewesen – aber einer, der sich gelohnt hat.

„Ich glaube, wir werden nicht noch einmal so einen Aufwand betreiben wie in diesem Jahr“, erklärt Köster nun im Gespräch mit der Kreiszeitung. „Es war am Limit.“

Zwei Gründe gibt es für diese Aussage: Zum einen galt es, die vielen Künstler unter einen Hut zu bringen – Unterkunft und Verpflegung, Bringdienste und Soundchecks. Ein Beispiel: Allein 23 Instrumentalisten und Techniker wurden aus Norwegen eingeflogen. Zum zweiten war mit Gerd Harthus der Mastermind hinter Jazz Folk Bike aus gesundheitlichen Gründen in diesem Jahr ausgefallen. Das Team musste seinen Part verteilen, so gut es ging.

In der Not rückten die Organisatoren noch enger zusammen: „Wir haben diesmal als Team ausgesprochen gut funktioniert“, so Köster, der vor dem Abschlusskonzert von Daniel Herskedal auf der KSK-Bühne ankündigte: „Im nächsten Jahr steht hier wieder Gerd Harthus!“

„Ich war noch nie so rundum mit der Qualität zufrieden“

Das Programm indes entschädigte für die Mühen und sorgte für allerlei Glückshormone bei den durchaus verwöhnten Jazz-Fans. Rainer Köster gerät beim Rückblick geradezu ins Schwärmen. „Ich war noch nie so rundum mit der Qualität zufrieden wie diesmal.“

Was die sechs Acts an drei Tagen auf die Syker Bühnen zauberten, war schon beeindruckend. Und gab zugleich einen Einblick in das, was unter dem Oberbegriff Jazz Made in Norway alles möglich ist. Denn die Höhepunkte der Reihe kamen aus Norwegen.

„Da hat Gerd Harthus wirklich etwas herausgesucht, das die Facetten des Landes in Bezug auf Jazz hervorragend wiedergibt“, so Köster. Wenn Håkon Kornstad zum Saxofon griff, konnte man den wehmütigen Blick in die Weite förmlich spüren. Das Trondheim Jazz Orchestra hingegen kennzeichnete ein harter, exzentrischerer Stil. „Die haben richtig losgebrettert“, umschreibt es Köster.

Daniel Herskedal schließlich sorgte am Sonntag mit seiner Melange aus nordischen und orientalischen Klängen an der Tuba (!) für eine völlig andere Facette.

Der hohe Anspruch der Organisatoren

Doch auch die anderen Formationen und Interpreten überzeugten – von Cicinatela über Teresa Bergman bis zu Nicole Johänntgen.

Mit etwa 550 Gästen konnten die Veranstalter insgesamt ganz zufrieden sein. Die Resonanz „hätte ein bisschen besser sein können“, so Kösters Fazit. Aber die Reihe zielt ohnehin nicht primär auf die Teilnehmerzahlen ab. „Jazz ist ja keine einfache Musik“, erklärt er. Es bleibe der Anspruch der Organisatoren, herausragende Qualität zu liefern. „Wenn es in die Beliebigkeit geht, verliert man sein Alleinstellungsmerkmal.“ Und darauf ist JFK mit vollem Recht ziemlich stolz.

In größeren Städten würden Auftritte wie in diesem Jahr für Aufsehen sorgen. In Syke bleibt Jazz Folk Bike ein Juwel, das ein wenig im Verborgenen leuchtet. Auch im kommenden Jahr, ist sich Rainer Köster sicher. Denn nach dem Festival ist vor dem Festival. „Wir treffen uns kommende Woche.“

18. JazzFolkBike-Festival in Syke

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