Landrat rechnet mit 100 Millionen Euro

Breitband-Ausbau: Kosten für eigenes Netzwerk im Kreis verdoppeln sich

Landkreis - Vor gut einem Jahr hat der Landkreis Diepholz erklärt, den „weißen Flecken“ den Kampf ansagen zu wollen. „Weiße Flecken“ sind alle Gebiete mit einer Internetanbindung unter 30 Megabit pro Sekunde. Die Idee: Der Landkreis bekommt ein eigenes Netzwerk. Dazu gründen alle Städte und Gemeinden einen Zweckverband und lassen einen „Backbone“ bauen – eine Außenleitung, die wie ein Ring um das Kreisgebiet gelegt wird.

Darauf sitzen Knotenpunkte, von denen aus die einzelnen Städte und Gemeinden die „Hauptleitung“ für ihr Gebiet anzapfen. „Wir werden 18.000 bis 20.000 neue Anschlüsse verlegen“, hatte Landrat Cord Bockhop im September 2016 erklärt. 50 bis 60 Millionen Euro waren dafür eingeplant. Diese Summe wird sich aber voraussichtlich verdoppeln.

Der Grund: Bei der Planung sind einige Probleme aufgetreten. „Wir haben mit FTTC geplant“, erläutert Bockhop. FTTC steht für „Fibre to the curb“ (Glasfaserkabel bis zum Verteilerkasten). „Wir wollten aber von Anfang an lieber FTTB.“ Das steht für „ Fibre to the building“ (Glasfaserkabel bis ins Gebäude). Doch damals habe man sich das nicht leisten können.

Nun habe man neu planen müssen und sei damit automatisch in den FTTB-Bereich gekommen. „Da haben wir uns entschieden, jetzt doch alles mit FTTB zu machen. Dafür bekommen wir aber auch Förderungen aus Bundes- und Landesmitteln in Höhe von 25 Millionen Euro.“ Hinzu kommen 30 Millionen Euro von Bund und Land für den alten Plan. „Die neuen Leitungen werden in jedem Fall eine viel bessere Qualität haben und auch das Mobilfunknetzwerk entlasten“, schildert Bockhop.

Kreistag entscheidet am Montag

Nun muss nur noch der Kreistag, der am Montag zusammentritt, über den abgeänderten Plan abstimmen. Doch Bockhop hat ein gutes Gefühl, das sich die Mitglieder trotz der gestiegenen Investitionskosten dafür erwärmen können. Die Rückmeldungen aus den Städten und Gemeinden seien recht positiv gewesen. Und der Bau dieses Netzwerks sei ja erst der Anfang. „Sobald der Backbone gebaut und die 18.000 Anschlüsse verlegt sind, können wir über die nächsten 18.000 nachdenken“, erklärt Bockhop. 

Für ihn ist ein schneller Zugriff aufs Internet Teil der Grundversorgung so wie Telefonanschluss oder Abwasser. „Wie sollen wir sonst junge Menschen davon überzeugen, hier zu bleiben oder herzukommen? Wie sollen wir Unternehmen im Kreis halten, wenn wir ihnen kein schnelles Internet bieten können?“, waren vor einem Jahr seine Argumente, ein eigenes Netzwerk zu etablieren.

juk

Rubriklistenbild: © dpa

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