Konstruktionsfehler / Großbaustelle bis Oktober

Westflügel: Dach komplett verrottet

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André Kröning zeigt einen der verrotteten Dachbalken.

Syke - Mannshoch türmt sich das Baumaterial vor dem WestFlügel auf. Den Gebäudetrakt, der früher einmal die Jugendherberge war, und den Anbau verdeckt fast vollständig ein Gerüst. Lastwagen fahren Schutt ab und bringen neues Material – die Einrichtung in der Westermark ist einmal mehr Großbaustelle.

Die Lebens- und Arbeitsgemeinschaft für Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung bekommt ein neues Dach. „Das alte war komplett verrottet“, sagt Einrichtungsleiterin Christa Kröning. „Und das nach gerade mal sechs Jahren.“ Grund: Ein Konstruktionsfehler. Der Schaden beträgt mehrere Hundertausend Euro.

Unter dem Dach bildete sich Kondenswasser, das ins Holz eindrang. Das Holz begann zu faulen und wurde morsch. „Gemerkt haben wir das 2012, als wir auf dem Hauptgebäude unsere Solaranlage installieren wollten“, erzählt Christa Kröning. „Da lief es sich wie auf weichem Moos.“ An diesem Trakt wurde der Schaden schnell saniert. 2013 stellte sich dann heraus: Auch auf den anderen Gebäudetrakten war das Dach hinüber. Ein gerichtlich bestellter Gutachter hatte daraufhin den Planungsfehler festgestellt.

Für Christa Kröning begann damit eine lange Auseinandersetzung mit der Haftpflichtersicherung des Architekten. Wie groß ist der Schaden? Wie soll saniert werden? Zuerst habe die Versicherung quasi nur ein Dach über dem Dach bauen wollen. Die verrotteten Balken wären also nur überbaut worden. Erst im Juni dieses Jahres einigte man sich: Der WestFlügel bekommt ein komplett neues Dach.

Als dann die Handwerker anrückten stellte sich heraus: Das war die richtige Entscheidung. Denn nicht nur die tragenden Balken waren verfault, sondern auch der untere Dachaufbau. „Den hatte der Gutachter gar nicht untersucht, sondern immer nur Vermutungen darüber angestellt.“

Bis Oktober soll das neue Dach fertig sein. Die Arbeiten in den Räumen darunter dürften noch länger dauern. Und was für den WestFlügel besonders ärgerlich ist: Deren Kosten sind nicht durch die Versicherung gedeckt. „Wir werden am Ende kräftig draufzahlen“, sagt Christa Kröning.

André Kröning, der Leiter der hauseigenen Tischlereiwerkstatt, zählt auf: „Die gesamte Elektrik verlief unter der Decke und musste raus. Ebenso die Brandmelder. Die Holzdecken waren noch Altbestand aus Jugendherbergs-Zeiten. Wir hatten handgefertigte Lampen, die genau dort reingepasst haben. Das ist jetzt alles weg. Und wenn hier dreieinhalb Tonnen Gipskarton-Platten durchgetragen werden, geht das auch an Türen, Zargen und Fußböden nicht spurlos vorbei. Das wird natürlich auch alles in Mitleidenschaft gezogen.“

Auch organisatorisch ist die Baustelle eine Herausforderung für das WestFlügel-Team und die Bewohner. Übernachtungsbetrieb, Veranstaltungsbetrieb und der Verkauf liegen auf Monate lahm. Die Mitarbeiter helfen nach Kräften bei der Sanierung, dürfen aber ihre eigentliche Arbeit dabei auch nicht vernachlässigen. „Wir arbeiten halt reduziert und sehen, was geht“, sagt André Kröning. Dann atmet er durch und lächelt. „Aber Verzagen hilft ja nicht, und es ist ja auch nur für eine begrenzte Zeit.“

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