KonfliktzwischenHaupt-undEhrenamt

Kühler Kopf ist besser als heißes Herz

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Referent Kersten Prasuhn mit den Leiterinnen der Freiwilligenagenturen Gabriele Parke (Stuhr), Helga Torst (Weyhe) und Regina Pasenau (Syke).

Syke - Von Detlef Voges. Vier Männer treffen sich irgendwo auf einem fast menschenleeren Bahnhof in Utah. Sie wollen ein Problem beseitigen. Am Ende sind drei erschossen, einer ist verletzt. Es ist die Eingangssequenz des Films „Spiel mir das Lied vom Tod“.

Die kann man als Einstieg zeigen auf einem Vortragsabend der Freiwilligenagenturen Stuhr, Syke und Weyhe. Und der Schreiber dieser Zeilen hatte auch gleich mehr Lust auf den Rest des Films. Ging aber nicht, leider. Es sollte ja auch nur eine bildhafte Metapher dafür sein, wie man einen Konflikt möglichst nicht löst. Aber auf den Bahnhof kommen wir doch noch einmal am Schluss zurück.

„Wenn es im Gebälk knirscht“ hieß das Thema, zu dem Freiwilligenagenturen am Montagabend ins Syker Rathaus eingeladen hatten. Etwa 70 Ehrenamtliche waren der Einladung gefolgt – und gingen nach gut eineinhalb Stunden mit vielen neuen Eindrücken.

Dafür gesorgt hatte der Mann, der den Saal mit Sergio Leones Western-Start neugierig gemacht hatte: Kersten Prasuhn, pädagogischer Fachbereichsleiter der Heimvolkshochschule Loccum sowie Spezialist für Teamarbeit und Ehrenamt.

Der Diplom-Soziologe erwies sich auch sonst als kreativ, erfahren und eloquent mit reger Körpersprache. Prasuhn riet den Ehrenamtlichen zu „mentaler Öffnung“. Die Welt verändere sich rasant, und was der Mensch für selbstverständlich halte, müsse er hinterfragen. „Was wir gelernt haben, ist für Problemlösungen vielleicht heute nicht mehr zeitgemäß“, betonte er.

Der Gast regte zu neuem Denken an, zu einem Leben mit Ambivalenz (Doppelwertigkeit) und damit der Möglichkeit, dass beide Streit-Hähne Recht haben. „Gehen Sie kleine Schritte bei der Problemlösung, und werden Sie paradoxiefähig“, so Prasuhn an das Publikum, das mitunter überwältigt schien, denn der Soziologe fragte stets, ob er verstanden worden sei.

Seine Bilder waren einprägsam, seine Botschaften klar: Zur Konfliktlösung eher den kühlen Kopf als das heiße Herz gebrauchen. Ein runder Tisch kann hilfreich sein. Probleme nicht zwischen Tür und Angel angehen, sondern feste Gesprächstermine verabreden, um auf Augenhöhe zu sein.

Das Anpacken von Dingen ist für Prasuhn genau so wichtig wie das Loslassen, das Nein sagen zu können, damit Ehrenamt funktioniere.

Der Gast lobte das Ehrenamt, ohne sei zum Beispiel die aktuelle Flüchtlingsfrage nicht zu klären. Da träfen aber auch unterschiedliche Kulturen aufeinander und andere Verständnisse von Zeit, mahnte er Verstehen und Geduld an. Er erzählte die Geschichte von der Griechin, die herzhaft gelacht habe, als sie an einer deutschen Bushaltestelle gestanden und gelesen habe, dass der Bus in drei Minuten käme. Als er dann wirklich pünktlich gewesen sei, habe sie ernst geschaut.

„Wenn sich der nächste Konflikt anbahnt, fragen Sie sich, ob Sie auf dem Weg zum Bahnhof sind“, betonte Prasuhn und erinnerte an die einleitende Filmsequenz.

Horst Seehofer ist für ihn auf dem Weg zum Bahnhof gewesen beim Dreiergespräch mit Merkel und Gabriel zum Thema Flüchtlinge. Er habe sich durchgesetzt, aber irreparable politische Schäden angerichtet. „Merkel ist wenig auf dem Weg zum Bahnhof“, lobte der Soziologe und regte zur Kopfarbeit an.

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