Serie „Hidden Champions“: Zu kompliziert für Amazon

Rutec aus Syke ist Marktführer im Bereich der LED-Streifen

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Holger Rullhusen und Birthe Eikmeier sind Geschwister und Geschäftsführer. Gemeinsam leiten sie Rutec seit 1990.

Syke - Von Robin Grulke. Es gibt Firmen, deren Produkte hat man schon tausendmal in der Hand gehabt, ohne es zu wissen. Und es gibt Firmen, die in ihrer Branche eine führende Rolle spielen, ohne dass es bekannt wäre. Syke hat von beiden eine ganze Menge. Ein paar dieser „Hidden Champions“ möchten wir in dieser Reihe vorstellen.

Als Geschäftsführer der Rutec GmbH muss Holger Rullhusen immer die Augen offen halten. „Unser Markt verändert sich gerade wahnsinnig.“ Da scheint das Firmenmotto entgegen den Trend goldrichtig ausgewählt: Rutec Licht – auf lange Sicht.

In der Staatsoper, am Timmendorfer Strand und auf der Aida Prima

Das Unternehmen hat sich seit seiner Gründung 1990 auf Leuchtmittel spezialisiert. Nach Halogenröhren in den 90ern und OLED-Technik vor ein paar Jahren stehen mittlerweile neben diversen Strahlern vor allem LED-Strips – hochqualitative Leuchtstreifen – hoch im Kurs von Rullhusen und seiner Schwester Birthe Eikmeier, die das Unternehmen gemeinsam leiten.

LED-Strips sind flexible Licht-Leisten, die platzsparend sowohl im Innen- als auch im Außenbereich angebracht werden können und gleichmäßig stark Licht abgeben. „Wir haben früh gemerkt, dass die Technik wichtiger wird“, erzählt Rullhusen. 2008 hat Rutec dann in China ein Werk gefunden, das die LED-Streifen mit hoher Qualität herstellen kann. Die lukrative Nische war gefunden. „Wer viel kann, kann wenig richtig“, sagt Rullhusen lachend und fügt an: „Nun sind wir einer der führenden Hersteller in Deutschland.“

Die Fußgängerbrücke am Timmendorfer Strand ist abends ein wahrer Hingucker. Für die Beleuchtung der Handläufe sind die LED-Strips der Syker Firma Rutec verantwortlich.

Das wird besonders deutlich, wenn man die Kundenliste von Rutec sowie der Tochterfirma Rutec Lightdesign kennt. Die LED-Technik der Syker Firmen ist beispielsweise in der Hamburger Staatsoper, auf der Fußgängerbrücke am Timmendorfer Strand und auf dem Kreuzfahrtschiff Aida Prima verbaut.

Mit solchen Aufträgen – und vor allem solch einem Ruf – läuft es für die Rutec GmbH und seine 34 Mitarbeiter recht gut. 17 Millionen Euro Umsatz im vergangenen Jahr sprechen außerdem eine klare Sprache. Doch auch im Leuchtmittel-Fachgeschäft ist nicht immer alles rosig.

Problem: Schnellebige Technik

„Wir haben zwei Probleme“, sagt Rullhusen. Zum einen die Schnelllebigkeit: Es gebe immer neuere Technik, die schnell überholt würde. „Das ist vergleichbar mit Computern“, meint Rulllhusen. Zum anderen, und das liegt dem Geschäftsführer viel stärker im Argen, ist die Digitalisierung Schuld vielen Übels.

„Amazon beherrscht den Onlinemarkt gut, das wissen wir alle“, sagt Rullhusen. Damit der Onlinehändler-Riese nicht auch noch das LED-Fachgeschäft übernimmt, strukturiert Rutec aktuell seine Vertriebswege um. Üblich war, dass die insgesamt sieben Vertreter von Rutec hauptsächlich mit Großhändlern kommunizieren. Nun versuchen dieselben Vertreter, sich stärker um Projekte wie die Brücke am Timmendorfer Strand zu kümmern. So etwas erregt Aufmerksamkeit – mehr, als es gesichtslose Bestellnummern beim Großhändler tun.

Gegen Amazon hat Rutec noch ein weiteres Ass im Ärmel, und das gehört zur Essenz ihres Erfolgs: das Detail. Die LED-Strips seien viel zu kompliziert, was Aufbau und Kundenwunsch angeht. Jeder halbe Meter Lichtstreifen verändert, welches Netzteil und welcher Anschluss gefragt sind, damit die Technik einwandfrei funktioniert. „Das kann Amazon niemals abbilden“, ist sich Rullhusen sicher.

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