Prozess am Amtsgericht Syke

Heranwachsender wehrt sich gegen Polizeibeamte: „Da ist er komplett ausgerastet“

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Ein Heranwachsender hat sich gegen Polizeibeamte zur Wehr gesetzt, ein Polizist wurde leicht verletzt.

Syke - Weil er mit den polizeilichen Maßnahmen nicht einverstanden war, leistete ein Heranwachsender aus Syke am Nachmittag des 17. Oktober 2018 auf einem Parkplatz in der Syker Innenstadt zwei Beamten heftigen Widerstand, als er per Streifenwagen mit zum Polizeirevier sollte. Dabei wurde ein Beamter am Arm leicht verletzt.

Jetzt hatte sich der Heranwachsende wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und vorsätzlicher Körperverletzung vor dem Jugendrichter des Syker Amtsgerichts zu verantworten. Sein Verteidiger wies darauf hin, dass auch der Mandant bei der Auseinandersetzung verletzt worden sei, und zwar am Kopf, und ärztliche Behandlung nötig geworden sei. Es tue dem Heranwachsenden leid, dass es zu der Auseinandersetzung mit den Polizisten gekommen sei.

Grund der Begegnung auf dem Parkplatz war, dass ein Polizist mit einem Streifenwagen unterwegs war und im Zuge einer normalen Verkehrskontrolle den jungen Autofahrer kontrollierte. Dabei, so erklärte der Polizist als Zeuge, seien ihm unter anderem die geröteten Augen bei dem Syker aufgefallen, zudem soll der junge Mann keine Papiere gehabt haben.

Das Gespräch sei zuerst recht entspannt gewesen. Erst als die Rede davon war, dass der Heranwachsende mit auf die Polizeiwache soll, habe sich das geändert. „Da wurde er aggressiv“, sagte der Polizist. Deshalb habe er einen zweiten Streifenwagen alarmiert. Wenig später rückte ein zweiter Beamter als Unterstützung seines Kollegen an.

Um den Heranwachsenden zum Streifenwagen und zur Wache zu bringen, habe man ihn an den Armen gepackt. „Da ist er komplett ausgerastet“, gab der Zeuge an. Es kam, als einer der Polizisten den Syker in den Schwitzkasten nahm, zum Gerangel und zum gemeinsamen Sturz. Dabei erlitt der Polizist am Arm Verletzungen. Es sei gelungen, dem Heranwachsenden Handfesseln anzulegen.

Der verletzte Polizist sagte aus, dass der junge Syker sich heftig gewehrt habe. Seitens des Verteidigers wurden die Polizisten befragt, ob einer gegen den Kopf des Angeklagten geschlagen und am Kopf eine Verletzung gesehen habe. Das wurde von den Zeugen verneint.

Vom Jugendrichter kam der rechtliche Hinweis, dass statt einer vorsätzlichen Körperverletzung „nur“ eine fahrlässige Körperverletzung zu beurteilen sei. Der Verteidiger führte unter anderem an, dass sein Mandant damals mit der Situation überfordert gewesen sei. Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe stellte fest, dass bei dem bisher strafrechtlich nicht auffällig gewesenen Angeklagten eine besondere Aggressivität nicht vorhanden sei.

Der Jugendrichter gab die Anregung, das Strafverfahren einzustellen – allerdings mit einem Denkzettel in Form einer Arbeitsauflage von 60 Stunden nach Weisung der Jugendgerichtshilfe. Dem stimmten die Staatsanwältin und der Verteidiger nebst Angeklagtem zu.

Der Jugendrichter gab dem Syker mit auf den Weg, in Zukunft den Anweisungen von Polizeibeamten Folge zu leisten und sich, wenn man sich ungerecht behandelt glaubt, erst danach zu beschweren.

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