„Da kommen einem fast die Tränen“

Vandalismus am Hohen Berg: Unbekannte fällen zukünftigen Kletterbaum

Aus der Traum vom Kletterbaum: Rolf Meyer (v.l.), Johann Hüneke und Hein Sievers stehen am Stumpf des abgeholzten Kletterbaums am Hohen Berg. Foto: Jantje Ehlers
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Aus der Traum vom Kletterbaum: Rolf Meyer (v.l.), Johann Hüneke und Hein Sievers stehen am Stumpf des abgeholzten Kletterbaums am Hohen Berg.

Ristedt - Der Blick von Johann Hüneke wandert zu dem Baumstumpf vor sich. Gerade hat der gelernte Gärtner und ehemalige Ortsbürgermeister von Gessel erzählt, mit wie viel Aufwand er die Blutbuche in den vergangenen Jahren gepflegt und mit tausenden von Litern Wasser durch die trockenen Sommer gebracht hat.

Wie viele Stunden er investiert hat, um der Nachwelt einen Kletterbaum am Hohen Berg zu hinterlassen. „Und dann kommen solche Idioten...“ Er hält inne, fügt dann hinzu: „Da kommen einem fast die Tränen.“

Die „Idioten“, von denen Hüneke spricht, haben sich alle Mühe gegeben, ein Versprechen für die Zukunft zu zerstören: Die etwa zwölf Jahre alte Blutbuche, die im Jahr 2018 ihren Platz am Hohen Berg gefunden hatte, ist vermutlich im Laufe der vergangenen Woche gefällt worden – mit viel Mühe und ziemlich wenig Sachverstand. „Fachleute waren das nicht“, ist sich Rolf Meyer sicher – beim Blick auf die wüsten Hackspuren am Baumstumpf. Meyer war als Vorstandsmitglied des VVV einer der Freiwilligen, die bei der Pflanzaktion vor zwei Jahren dabei waren.

Vandalismus in Syke: Buche war stolzes Exemplar

Schon damals war die Buche ein stolzes Exemplar ihrer Gattung „Fagus sylvatica Asplenifolia“: Rund eine Tonne schwer und etwa sieben Meter hoch war der Baum, der auf Anregung von Johann Hüneke als Kletterbaum für kommende Generationen von Kindern auf dem Areal am Hohen Berg gepflanzt wurde. „Das war keiner aus dem Baumarkt“, erklärt Hüneke. In einer Baumschule bezahle man für so eine Buche gut und gerne 1500 Euro.

Ganz so viel Geld war seinerzeit nicht zusammmengekommen bei der Suche nach Spendern. Ein bisschen Preisgeld von der Gesseler Platzierung von „Unser Dorf hat Zukunft“, ein paar Ortsratsmittel, eine Spende vom VVV, der vor seiner Auflösung noch eine sinnvolle Verwendung seines Guthabens suchte. Dazu kamen ein paar private Spenden – und das Entgegenkommen von Detlev Wolters beim Verkaufspreis.

Ein Schild informierte Besucher über den geplanten Zweck des Baumes. „Wenn er hier am Ort ungestört wachsen kann“, würde er irgendwann eine Größe von 20 bis 25 Metern erreichen können und als Kletterbaum für Kinder dienen können.

Vandalismus am Hohen Berg: Stadt will Strafantrag stellen

Das mit den 25 Metern und dem „ungestörten Wachsen“ hat sich seit einigen Tagen erledigt. Am Mittwochvormittag wollte Hüneke nach dem Baum schauen – und entdeckte die jämmerlichen Überreste. Die Täter hatten den gesamten Baum abtransportiert. „Das war nicht einer allein“, glaubt Hüneke.

Die Stadt will Strafantrag stellen. „Da wurden ja Gegenstände von nicht ganz unerheblichem Wert zerstört“, betont Hein Sievers von der Stadtverwaltung. Neben den Anschaffungskosten für den Kletterbaum schätzt Hüneke den Gegenwert für die Pflege in den vergangenen Jahren auf rund 5 000 Euro. Die Stadt und Hüneke überlegen noch, ob sie für Hinweise auf die Täter eine Belohnung ausloben wollen.

Einen neuen Baum wird es in absehbarer Zeit nicht geben. Neben dem Stumpf recken sich zahlreiche Buchentriebe in die Höhe – aber bis man an denen hochklettern kann, dürfte es noch ein Weilchen dauern. Am Freitag hat Hüneke eine Mohnpflanze mitgebracht und eingepflanzt. Dazu sagte er, in Anlehnung an eine Bibelstelle aus dem Lukasevangelium: „Wer die Hand an den Pflug legt, sollte nicht zurückschauen.“

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